<p class="whitespace-normal break-words">Bad Salzuflen. Falco ließ seinen Amadeus rocken, „a-ha“ hob mit „Take On Me“ ab, Boris Becker gewann das erste Mal in Wimbledon. Das alles war 1985. Und in Bad Salzuflen? Vor 40 Jahren eröffnete das „Glashaus“. Boris Becker (57) hat seinen Tennisschläger längst an die Wand gehängt, Peter Raupach (68) macht hingegen munter weiter mit seiner Diskothek im Begakamp, die längst Kult ist, sich aber immer wieder erneuert hat.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Ein Blick zurück: 1985 ist Peter Raupach 27, ein frisch diplomierter Sozialpädagoge mit einem etwas anders gelagerten Lebenstraum: „Ich wollte einen Club führen, das geisterte mir schon länger im Kopf herum“, verrät er im LZ-Gespräch. „Ins Industriegebiet wollte ich allerdings nicht, es sollte stadtnah sein.“</p> <p class="whitespace-normal break-words">Und plötzlich tat sich eine Möglichkeit auf: Der gelernte Maschinenbauer erfährt, dass der erste Standort von „Tielsa-Küchen“ zu haben ist. In den ehemaligen Fabrikräumen am Begakamp befand sich zuletzt ein Matratzenlager. Raupach schlägt zu, mietet die Räume (900 Quadratmeter) an und nimmt für die Ausstattung einen Kredit auf. „200.000 Mark, verzinst mit 9 Prozent“, verrät er. Ein gewagter Move.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Doch Raupach blickt nur nach vorn: Im September 1985 eröffnet er das „Glashaus“, benannt nach den großen Fensterflächen der ehemaligen Möbelfabrik. Bereits in den ersten Jahren lockte die Disco höchst unterschiedliches „Volk“ an. Zum Indie-Donnerstag pilgerten dunkel gewandete Typen, freitags hieß es „Der Saal tobt“ für Party-People, und am Samstag flippten die „Popper mit Cowboystiefeln“ (Raupach) auf der runden, leicht erhöhten Tanzfläche unter Spotlights aus. Das war das Erfolgsrezept des „Glashaus“: „Wir haben an verschiedenen Tagen total unterschiedliches Publikum angezogen. Um das zu sichern, haben wir die Gestaltung der Disko stets neutral gehalten - bis heute.“</p> <p class="whitespace-normal break-words">Schon bald etablierte sich das „Glashaus“ auch als Konzertbühne. Dutzende von Gigs waren es damals pro Jahr. Und die Liste derer, die in der Salzufler Disco live auftraten, ist lang und schillernd: Münchener Freiheit, Purple Schulz, Bill Withers, Johnny Guitar Watson, Trio Rio, Helge Schneider, Die Fantastischen 4, Fury in the Slaughterhouse, The Mission, Roger Chapman, Nazareth, Heinz-Rudolf Kunze, Eric Burdon und, und, und. Auch hier zu erkennen: Der Musik-Mix spannt eine unglaublich weite Bühne.</p> <p class="whitespace-normal break-words">„Gleich das erste Konzert von Fritz Brause war ausverkauft“, erinnert sich Peter Raupach mit einem Lächeln. „Das teuerste war Bill Withers – aber jeden Cent wert.“ Knapp zehn Jahre nach der Eröffnung des „Glashaus“ ebbte die Konzert-Welle am Begakamp ab. Der „Rave“ schwappte aus England herüber. Stundenlange Tanzveranstaltungen mit elektronischer Musik bis hin zu Techno.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Das „Glashaus“ gehörte zu den ersten Clubs in Deutschland, die diese neuen Musikrichtungen aufgriffen und eigene Events veranstalteten. Im „Glashaus“ lief der „Salina Rave“ viele Jahre erfolgreich und zog Publikum aus ganz Deutschland an. Einige Größen der Szene wie Mark Oh, Moguai, Timo Maas oder Hooligan legten am Begakamp auf. Und bis zu 1500 Gäste pro Rave zahlten jeweils 40 Mark Eintritt, um bis in den Folgetag hinein zu tanzen.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Konzerte hingegen waren für kleinere Locations wie das „Glashaus“ durch die steigenden Kosten und die immer höheren Ansprüche der „Stars“ kaum noch lukrativ. Eine Entwicklung, die in Lippe beispielsweise auch die zwei Jahre vor dem „Glashaus“ eröffnete „Hunky Dory Music-Hall“ in Detmold betraf. Das „Hunky“ übrigens gibt es seit rund einem Vierteljahrhundert nicht mehr.</p> <p class="whitespace-normal break-words">1992 kaufte Raupach die „Glashaus“-Immobilie in Nachbarschaft des Salzufler Freibads, 1996 erfolgte der erste große Umbau: Die Tanzfläche wurde mit schwerem Gerät abgesenkt – ein radikaler Schritt, der dem Club sein aktuelles Erscheinungsbild verleiht. Heutzutage ist das „Glashaus“ ein echtes Familienunternehmen. Peter Raupach führt seinen Club mit tatkräftiger Unterstützung seiner Ehefrau Branka sowie seiner beiden Kinder Marco und Angela. „Und nur so funktioniert es“, sagt der Gründer. „Die Zeiten sind komplexer geworden – und die Aufgaben ebenfalls. Jeder von uns übernimmt einen Bereich und bringt seinen Teil ein.“</p> <p class="whitespace-normal break-words">Ein echtes Highlight im Glashaus-Kalender ist nach wie vor die „Ultimative X-Mas Party“ am 24. Dezember. Dazu gibt es immer wieder andere Mottopartys am Begakamp. Seit einigen Jahren gehört zum Club auch der „Salina-Beach“, eine Open-Air-Strandbar mit Blick auf eine Pferdekoppel und einer großen Public-Viewing-Leinwand.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Das 40-Jährige soll übrigens gebührend gefeiert werden: Den Auftakt der Geburtstags-Reihe macht das Event mit dem DJ-Duo „Gestört, aber geil“ am Samstag, 4. Oktober. Darauf folgen Auftritte von Schlagersänger Tim Peters am Samstag, 25. Oktober, und der legendären „Disco Boys“ am Samstag, 22. November. „Damit decken wir viele Musikrichtungen ab - wie immer seit 40 Jahren“, sagt Peter Raupach. Tickets können über Eventim gekauft werden.</p>