Bad Salzuflen. Der Weihnachtsmann, eine wahrgewordene Erfindung von Coca Cola oder doch einfach bloß Lug und Betrug? Beim Anblick der großen roten Samtcouch auf der Bühne kommen den Zuschauern zumindest unweigerlich Assoziationen mit dem Weihnachtsmann in den Sinn. Um seine Existenz geht es in der Weihnachtskomödie von René Heinersdorff allerdings nicht. Vielmehr geht es auf der Bühne darum, ob Thea für ihre Kinder in diesem Jahr noch einmal eine Person findet, die den Weihnachtsmann spielt. Ohne Kinder auf der Bühne, dafür aber mit einer ziemlich großen Portion Beziehungsdramen hat das Stück am Freitagabend die rund 300 Besucher der Konzerthalle begeistert. Suche nach Weihnachtsmann-Darsteller „...und es gibt ihn doch!“ heißt das im vergangenen Jahr uraufgeführte Stück von René Heinersdorff, in dem Mutter Thea (Frederike Linke) auf den allerletzten Drücker, eine halbe Stunde vor der Bescherung, krampfhaft versucht, eine Person zu finden, die für ihre Kinder ein allerletztes Mal noch den Weihnachtsmann spielen kann. Diese Suche, die von Vater Matthias (Jens Hajek) so gar nicht gutgeheißen wird, gestaltet sich überaus schwierig, da alle potenziellen Personen, die bereits geahnt hatten, gefragt werden zu können, auf Safari in Kenia sind. Der Vater selbst lehnt vehement ab, in die Rolle zu schlüpfen. Missverständnisse unterm Mistelzweig Doch dann geschieht das Wunder: Nachbar Bernhard (Miguel Abrantes Ostrowski) klingelt an der Tür, um Knoblauch für das Käse-Fondue zu borgen, und verrät, dass er liebend gern noch einmal den Weihnachtsmann spielen würde – und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Zum Bühnenquartett gehört noch Bernhards Frau Pia (Aline Hochscheid), die eine entscheidende Rolle in dem Chaos spielen soll, das nur wenig später entsteht. Weihnachten und Familiendramen, das gehört wohl irgendwie untrennbar zusammen. René Heinersdorff treibt dieses Konstrukt auf die Spitze, da ist schnell Schluss mit Besinnlichkeit, „Süßer die Glocken nie klingen“ und Harmonie. Bei Heinersdorff wird aufgeräumt – wer wann mit wem und warum überhaupt? Die Zuschauer fühlten sich auf jeden Fall bestens unterhalten, amüsierten sich bestens über die Verwechslungen, Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Rund um das Kultgetränk Gin Tonic rankten sich die Dramen auf der Bühne und sorgten bei dem Publikum für echte Vorweihnachtsstimmung. Denn wenn alles in bester Ordnung wäre, gäbe es schließlich auch nichts zu lachen.