Von Daniel Hobein
Weltmeister im Computerspielen: Diesen Titel hat Guido Böttcher einige Male eingefahren. Bei "World of Warcraft" zählt er zu den besten Spielern weltweit. Im Team "zockt" der Sohn eines Scheichs aus Dubai.
Bad Salzuflen/Grastrup-Retzen. Die Buchstaben sind kaum noch zu erkennen, die "Shift"-Taste hakt. Die Tastatur am Hochleistungs-PC von Guido Böttcher hat unter seinem Hobby sichtlich gelitten. Trotzdem hat er mit ihr schon einige Weltmeistertitel eingefahren.
Vor etwa fünf Jahren entdeckte Guido Böttcher das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (kurz WoW) für sich. Seitdem hat ihn die Faszination nicht mehr losgelassen, wenngleich für Außenstehende das Spielprinzip nur schwer zu verstehen ist. "Menschen, Zwerge und Nachtelfen kämpfen gegen Orks, Trolle, Blutelfen und Untote", vereinfacht der Informatikstudent das Prinzip.
Mit seinem Team "Ensidia" hat sich Böttcher, der in der virtuellen Welt einen Heiler mimt, in die Spitzenliga des Rollenspiels vorgearbeitet. Zusammen mit einem Bad Salzufler Kollegen zählt der 24-Jährige zu den einzigen deutschen Teilnehmern der Gruppe. "Die anderen kommen aus ganz Europa", bestätigt er. Doch auch über den Kontinent hinaus hat sich das Team einen Namen gemacht. Für die Fans, die sich für Taktik und Spielweise der "WoW-Spieler" interessieren, sind Guido Böttcher und seine Kollegen schon so etwas wie Helden. Erst kürzlich präsentierte sich das Team auf einer Veranstaltung in Köln. Böttcher war das Interesse anfangs nicht ganz geheuer: "Wir mussten Interviews geben und Autogramme schreiben, das war schon etwas komisch."
Doch genau diese Erlebnisse seien es, die immer wieder neuen Ansporn gäben, besser zu sein als die zwölf Millionen Konkurrenten. Zu einem "Fan" hält das Team besonders engen Kontakt: Ein aus Dubai stammender Scheich unterstützt die Spieler bei ihren Siegen, sein Sohn "zockt" mit: "Wenn wir als erste das neue Level im Spiel erreichen und den Weltmeistertitel einfahren, gibt's eine Prämie und Computer geschenkt", berichtet der Retzer.
Dafür trainieren die 35 Spieler wöchentlich mehrere Stunden. "Etwa alle sechs Monate bringt der Hersteller ein neues Level heraus. Dann geht's sofort los", sagt Böttcher. Vor Ablauf von zehn Stunden wird die Tastatur nicht beiseite gelegt. Für das Erreichen der vergangenen Hürde hat die Mannschaft zwei Wochen gespielt - fast rund um die Uhr. "Solange man Student ist, klappt das", sagt der Profispieler. Dennoch weiß er seine Prioritäten genau zu setzen: "Ich werde niemals das Studium dem Spielen hintenanstellen", ist er sich sicher.