Ein Lipper schult afghanische Fluglotsen

Thorsten Engelhardt

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Lipper schult afghanische Fluglotsen - © Bundeswehr
Lipper schult afghanische Fluglotsen (© Bundeswehr)
Tower Mazar-e Sharif: Major Oliver F. überwacht die Ausbildung der afghanischen Fluglotsen-Azubis. Zur Sicherheit sind ihre Gesichter unkenntlich gemacht worden. Wenn die internationalen Truppen abgezogen sind, sollen sie den Flugverkehr leiten. - © Bundeswehr/A. Schwarz
Tower Mazar-e Sharif: Major Oliver F. überwacht die Ausbildung der afghanischen Fluglotsen-Azubis. Zur Sicherheit sind ihre Gesichter unkenntlich gemacht worden. Wenn die internationalen Truppen abgezogen sind, sollen sie den Flugverkehr leiten. (© Bundeswehr/A. Schwarz)

Mazar-e Sharif/Barntrup. Der Flughafen von Mazar-e Scharif im Norden Afghanistans liegt schon am Vormittag im gleißenden Sonnenschein, als Major Oliver F. sich dem Tower am Rande des Flugfeldes nähert. Der Bundeswehroffizier gehört zum deutschen Einsatzkontingent der ISAF-Nachfolgemission „Resolute Support“. Seine Aufgabe ist es, 
junge Afghanen für die Luftverkehrskontrolle auszubilden - mit Methoden wie in der Fahrschule.

Oliver F. (der Name ist aus Sicherheitsgründen abgekürzt) stammt aus Barntrup. Normalerweise schaut er von seinem Arbeitsplatz auf die grünen Wiesen Schleswig-Holsteins, doch seit Juli sieht er die trockenen Steilhänge des Marmal-Gebirges. Er ist der Senior Air Traffic Control Officer, kurz „Satco“ am Flughafen von Masar-e Sharif.

„Train, Advise and Assist“ - Ausbilden, Beraten und Unterstützen - das ist der Auftrag der Mission Resolute Support. Schließlich sollen die Afghanen bald sämtliche Aufgaben im Land übernehmen. Major Oliver F. überwacht dabei - von der afghanischen, zivilen Luftfahrtbehörde gesondert beauftragt - die Ausbildung der Fluglotsen in Mazar. Sie sollen nach dem Abzug der Truppen den Flugverkehr an diesem erst vor gut einem Jahr mit deutschen Geldern komplett erneuerten wichtigen Regionalflughafen kontrollieren. Derzeit machen das Lotsen einer Nato-Vertragsagentur unter Leitung eines 67-jährigen Amerikaners.

Zehn Männer befinden sich in der Ausbildung. „Die afghanischen Schüler sind sehr wissbegierig und besitzen eine hohe Auffassungsgabe“, lobt Major F. Seit 1999 ist der Barntruper Soldat bei der Luftwaffe. Auf dem Fliegerhorst Schleswig in Jagel leitet er im Alltag die Flugsicherung.

Die Ausbildungsmethodik in Mazar hat viel mit einer deutschen Fahrschulausbildung zu tun. Im Unterrichtsraum wird trocken geübt, was in der täglichen Routine im Tower ablaufen wird. Dort stehen zwei praktische Ausbildungsplätze zur Verfügung. Wenn die Ausbilder der Meinung sind, einer ihrer Schüler kann geprüft werden, wird er bei der zivilen Luftfahrtbehörde dafür angemeldet.

Bisher gibt es bereits drei ausgebildete afghanische Fluglotsen auf dem Tower, doch es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie Verstärkung bekommen. Denn: „Dies ist eine sehr gute Ausbildung“, sagt Dawlat N., einer der drei Azubis. „Wir lernen sehr viel Neues und können hier im Unterrichtsraum verschiedene Situationen praxisnah durchspielen, ohne gleich in der Verantwortung zu stehen.“

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