Vom prachtvollen Miniaturenpark bei Brüntrup stehen nur noch Ruinen

Janet König

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Nur noch ein Abklatsch: Die Natur hat sich den einstigen Vergnügungspark längst erobert. Dies sollte ein Modell des Mondtempels des Gottes Sin aus dem alten Orient sein, der heute von Moos überwachsen ist. - © Preuss
Nur noch ein Abklatsch: Die Natur hat sich den einstigen Vergnügungspark längst erobert. Dies sollte ein Modell des Mondtempels des Gottes Sin aus dem alten Orient sein, der heute von Moos überwachsen ist. (© Preuss)

Blomberg-Brüntrup. Es war ein zauberhafter Ort: Im Miniaturenpark zwischen Vahlhausen und Brüntrup warteten einst mehr als 2.000 Figuren und detailgetreue Häuschen auf staunende Besucher. Heute erinnern nur noch Überreste daran.

Einige Lipper erinnern sich vielleicht noch an die märchenhafte Parklandschaft, die Besuchern bis Anfang der 80er Jahre einen Überblick von der Steinzeit bis zur Gegenwart vermittelte. Von den prachtvollen Modelbauten aus allen Teilen der Erde sind mittlerweile nur noch ein paar Gotteshäuser erhalten, der Rest musste sich dem Zahn der Zeit geschlagen geben oder menschlicher Zerstörungswut weichen.

„Das Meiste hat der natürliche Verfall kaputt gemacht, doch vieles ist auch mutwillig von Randalierern zerstört oder gestohlen worden", erzählt Friedhelm Stephan, dessen Vater Hermann Stephan den Park in mühevoller Handarbeit gestaltet hat.

Das 10.000 Quadratmeter große Areal gleicht heute einem Dschungel: Zwischen abgeknickten Ästen, Gestrüpp und Büschen ist das Gelände nur noch schwer zugänglich. Friedhelm Stephan wünscht sich allerdings auch keine neugierigen Gäste mehr, zu gefährlich sei ein Ausflug auf das undurchsichtige Gelände.

"Das war sein Lebenswerk"

„Mein Vater hat täglich manchmal bis zu 20 Stunden Arbeit in diesen Park gesteckt, das war sein Lebenswerk", erzählt Friedhelm Stephan und erinnert sich dabei an die unzähligen schlaflosen Nächte seines alten Herren, in denen dieser an der Fertigstellung der Modelbauten und Figuren feilte. Hermann Stephan hat die Bauwerke maßstabsgetreu in 1:10 oder 1:20 kreiert.

Um der Authentizität gerecht zu werden und kein Detail auszulassen, studierte der Bastler akribisch entsprechende Literatur in der Landesbibliothek in Detmold. Eine Sondergenehmigung erlaubte ihm später sogar, seltene Werke für einige Tage mit nach Hause zu nehmen.

Dass der Kulturpark überhaupt entstanden ist, war einer Reihe von Schicksalsschlägen geschuldet. Wegen eines unseriösen Geschäftspartners habe Hermann Stephan 1950 seine Spielzeugfabrik verloren, kurze Zeit später zwang ihn der Ausbruch einer alten Tropenkrankheit sowie der daraus resultierenden Epilepsie zu körperlichen Entbehrungen, erzählt der Sohn.

Der kreative Kopf: Hermann Stephan
Der kreative Kopf: Hermann Stephan

„Mein Vater versuchte dann, die Familie mit der Geflügelzucht zu ernähren. Doch mit Einführung der 5-Tage-Woche Anfang der 60er Jahre zerbrach das Interesse an Hühnerhaltung", erinnert sich Friedhelm Stephan heute.

Andererseits sei die Hühnerzucht der Grundstein des späteren Kulturparks gewesen, denn für die knapp 70 Hühnerrassen konstruierte sein Vater die ersten naturgetreuen Bauten als Stallunterkünfte.

Mit bedingungslosem künstlerischen Schaffensdrang vergrößerte Hermann Stephan fortan die außergewöhnliche Kulturlandschaft, reicherte diese mit immer mehr detailgetreuen Figuren und szenischen Darstellungen an – bis ein Rundgang durch die Zeitgeschichte entstand. Obwohl die Besucherzahlen zu keiner Zeit das Überleben der Familie sicherten und jegliche Anträge auf Förderung abgelehnt wurden, hörte Hermann Stephan nie auf, seiner Leidenschaft nachzugehen.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1981 musste Friedhelm Stephan den Kulturpark Windhöhe schließen, weder er noch seine Mutter konnten den pflegeintensiven Park weiterführen. Seitdem zerfällt der Kulturpark. „Von 2.000 Figuren konnte ich ungefähr 20 retten. Mein Sohn wird einen der noch erhaltenen Tempel zu sich nach Hause nehmen", so Stephan. Einem muslimischen Verein sollte vor Jahren der Nachbau der Moschee Selim II überlassen werden, nach etlichen Planungen und Vorbereitungen für den Transport der gigantischen Konstruktion gaben sie ihr Vorhaben jedoch schließlich auf.

Es scheint fast, als sei der Miniaturbau wie einige andere Relikte wie das rote Fachwerkhaus mit seinem Platz verwachsen. Somit bleiben zumindest ein paar Erinnerungen an Hermann Stephans einzigartiges Lebenswerk – bis die Natur ihnen eines Tages endgültig den Garaus macht.

Die Eintrittskarte als Postkarte

Besucher bekamen keinen schnöden Papierschnipsel als Eintrittskarte, sondern eine Postkarte mit dem Bild einer der Miniaturen und einem freundlichen Text: „Sie sehen bei uns Wohn- und Kultbauten unserer Vorfahren von der Steinzeit bis zur Gegenwart in naturgetreuer Nachbildung im Maßstab 1 zu 5, von seltenen Rassegeflügel, Ziergeflügel sowie gepflegten Kleintieren bewohnt." Die Karte war ein Marketinginstrument: „Bitte empfehlen Sie uns Ihren Bekannten und geben Sie dieses Kärtchen weiter." Auf der Rückseite fand sich noch eine Anfahrtskizze.

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  1. Beitrag aus einem Magazin des Kreises Lippe

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