Blomberg. Der Unternehmer Axel von Hagen hat vor Jahren seine Liebe zu Nepal entdeckt. Den aktuellen Katastrophenbildern will er etwas entgegensetzen: Übermorgen hält er einen Benefizvortrag über dieses Land der Gegensätze.
Beim Gespräch mit der LZ im Konferenzraum der Blomberger Firma von Hagen ziehen auf dem Laptopbildschirm traumhafte Bilder vorbei, während sich Axel von Hagen durch seine letzte Nepalreise klickt. Der Messebauer und Musiker hat ein Händchen fürs Fotografieren.
Seine Fotos geben einen Einblick in diese beeindruckende Bergwelt, aber auch in den Alltag der Bevölkerung. Eineinhalb Jahre ist es her, dass Axel von Hagen gemeinsam mit seiner Familie in diese Welt eingetaucht ist – auch mit den beiden Kindern Jamie und Levi, die damals 8 und 9 Jahre alt waren.
Auf einem Bild spielt Jamie mit Dorfkindern: Gerötete Wangen, Haare fliegen, ein Ausdruck von Unbeschwertheit auf den Gesichtern. Von Hagens Finger verharrt über der Tastatur: „Diese Kinder sind heute wahrscheinlich tot“, sagt er mit Blick auf die Spielgefährten seiner Tochter. Das Dorf lag genau im Katastrophengebiet des Nationalparks Langtang: Es wurde komplett verschüttet. „Wenn Sie selbst mal da gewesen sind, wenn Sie Menschen dort kennengelernt haben, dann haben Sie eine ganz andere Beziehung dazu, wenn so eine Katastrophe passiert.“
Und genau das treibt ihn nun an, anderen von seinen schönen Erfahrungen in Nepal zu berichten. Er und seine Frau Ulrike sind im Jahr 2002 erstmals in Nepal gewesen, um auf einen Sechstausender zu steigen. Vier Wochen abseits der Zivilisation, mit unvorstellbaren Sichtweiten: „Das war unglaublich.“
Aber eben nicht nur romantisch: „Erst da haben wir verstanden, wie wenig in solchen Ländern eigentlich ein Leben wert ist.“ Axel von Hagen denkt an die beiden Träger, die im Camp die Höhenkrankheit ereilte. „Wir waren gut ausgerüstet, meine Frau ist Ärztin, und so konnten sie behandelt werden.“
12 Dollar Tagesverdienst sind in Nepal ein Vermögen
Aber wäre das nicht geglückt: Die Einheimischen hätten es – mehr oder weniger gleichmütig – hingenommen, auch solche Fälle haben die beiden von Hagens schon erlebt. In einer Region, in der es keine Straßen gibt, sondern Pfade, muss jeder Sack Reis getragen werden. Eine Knochenarbeit, die oft auch bei Eis und Schnee barfuß erledigt wird. Aber 12 Dollar am Tag sind für nepalesische Verhältnisse eben ein Vermögen, wenn das durchschnittliche Jahreseinkommen gerade mal 680 Dollar beträgt. Die Armut treibt die Menschen. „Was mich fasziniert, ist unglaubliche Freundlichkeit.“
Einer der Träger war Chandra Rai: „Er hat vier Monate im Jahr als Träger gearbeitet, um sein Marketing-Studium zu finanzieren. Ich habe ihn gefragt: Wie viel Geld brauchst du, damit du dein Studium durchziehen kannst, ohne als Träger zu arbeiten? Gerade mal 300 Dollar.“ Der Blomberger gab dem jungen Mann das Geld, eine Freundschaft entstand.
Chandra hat heute selbst eine Familie, hatte es zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht und lebte bis zum verheerenden Erdbeben in Kathmandu in einem Appartement. Es ist unbewohnbar geworden. Er lamentiert nicht, sondern schreibt in einer E-Mail an den deutschen Freund: „Immerhin habe ich es in den vergangenen vier Jahren benutzen können.“
Axel von Hagen hat ihm Hilfe angeboten, die freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen wurde: „Wir schaffen das schon“, lautet die Botschaft. Aber ganz sicher geht es in Nepal nicht allen so wie den Freunden von Hagens, die überlebt haben. Einer, Jeewan Gaduho, hat sich von Kathmandu auf den Weg in die Berge zu seinem Vater gemacht. Es gebe „crisis of fundamental needs“, selbst das Lebensnotwendigste fehlt.