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Blomberg

Chorverband NRW zeichnet mit Harald Fischer einen der dienstältesten Chorleiter Deutschlands aus

Sein Leben gehört der Musik

Seit vielen Jahrzehnten kennen die Sänger Harald Fischer in seinem weinroten Chorleiter-Jackett - hier in seinem heimischen Musikzimmer. - © Foto: Blum
Seit vielen Jahrzehnten kennen die Sänger Harald Fischer in seinem weinroten Chorleiter-Jackett - hier in seinem heimischen Musikzimmer. (© Foto: Blum)

Blomberg-Cappel. Er gibt den Takt vor: Harald Fischer ist seit mehr als 60 Jahren Chorleiter aus Leidenschaft. Für seine Leistungen wird der Cappeler am Sonntag vom Chorverband NRW ausgezeichnet.

Die Liebe zur Musik entflammte bei Harald Fischer schon in früher Kindheit - mit sechs Jahren erlernte er sein erstes Instrument. "Unsere Familie war immer schon sehr musikalisch. Ich wollte als kleiner Junge immer ein eigenes Akkordeon haben und darauf spielen", erinnert sich der in Thüringen geboren und aufgewachsene Chorleiter.

Jede Woche besuchte der musikbegeisterte Junge seinen Musiklehrer im Nachbardorf, bei dessen Bruder er später auch das Klavierspielen erlernte. "Das war Ewald Amm, ein sehr fähiger Chormeister. Er hat mich dann später quasi unter seine Fittiche genommen", erklärt der 82-Jährige. Seinen ersten Chor übernahm Harald Fischer 1949 - im zarten Alter von gerade einmal 19 Jahren.

Im selben Jahr legte er das Abitur ab und nahm anschließend das Lehramtsstudium mit den Schwerpunkten Chemie, Sport und Musik auf. Doch die Zeit als Volksschullehrer in der DDR währte nicht lange. "Ich sollte für drei Jahre zur Volksarmee eingezogen werden, so entschloss ich mich zur Flucht", resümiert Fischer. Im Westen gelangte der junge Lehrer über Umwege nach Kachtenhausen, wo er in einer sehr fürsorglichen Familie ein zweites Zuhause fand - seine eigene Familie kam später nach.

"Ich habe zunächst verschiedene kleinere Arbeiten übernommen, um mich über Wasser zu halten. Um im Westen als Lehrer arbeiten zu dürfen, musste ich zunächst Abitur und Studium wiederholen", fasst Fischer zusammen. Trotz der schwierigen Zeit blieb er dem Chorwesen treu - schon 1958 übernahm er die Leitung des Männerchores in Ubbedissen.

Es folgten jahrzehntelange Engagements in Helpup, Kachtenhausen und Cappel, wo Harald Fischer bis heute seinen Sängern, zu denen auch sein eigener Sohn zählt, den Takt vorgibt. "Entlassen wurde ich nie - sondern meistens als Ehrenchorleiter verabschiedet", betont der 82-Jährige.

Dank erwarte er für seinen Einsatz allerdings nicht. "Mein Ziel war es immer, durch den Gesang und die Gemeinschaft die Lebensqualität zu heben. Für diesen Weg braucht man sehr viel Idealismus - wer den nicht hat, sollte besser die Finger davon lassen. Ohne meine Frau, die mir immer den Rücken gestärkt hat, wäre das nicht gegangen", fasst Harald Fischer zusammen.

Es habe Zeiten gegeben, da sei er fünf oder sechs Tage in der Woche zu Proben und Konzerten unterwegs gewesen - neben seiner Arbeit als Realschullehrer in Detmold, so Fischer. Inzwischen ist Harald Fischer auch ehrenamtlich in Altenheimen unterwegs, um die Bewohner zu unterhalten. Außerdem engagiert er sich in Kindergärten und Schulen für die musikalische Früherziehung.

Für über 60 Jahre treuen Dienst am Deutschen Liedgut wird Harald Fischer nun als einer der dienstältesten Chorleiter Deutschlands ausgezeichnet. "Solange es die Gesundheit zulässt, will ich weitermachen. Wenn der Körper oder der Kopf aber irgendwann nicht mehr zu 100 Prozent mitspielt, ist definitiv Schluss", so der Chorleiter.

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