Vor 30 Jahren stürzte der WDR-Sendemast Bielstein ein

Thorsten Engelhardt

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Da liegt er: Dieses Bild des zusammengebrochenen Sendemastes entstand am 15. Januar 1985. - © Archivfoto LZ
Da liegt er: Dieses Bild des zusammengebrochenen Sendemastes entstand am 15. Januar 1985. (© Archivfoto LZ)

Detmold-Hiddesen. Der 15. Januar 1985 ist ein Tag für die Rundfunkgeschichte, und der Tag, an dem es Detmold in die Tagesthemen schaffte: Um 6.26 Uhr morgens knickte nahezu lautlos der 298 Meter hohe Sendemast auf dem Bielstein ein und stürzte in den Teutoburger Wald.

Rund zwei Millionen Ostwestfalen-Lipper merkten das, weil die WDR-Radioprogramme gar nicht mehr oder nur noch schlecht zu empfangen waren. Polizei und Feuerwehr hatten keine Funkverbindung mehr, der Fernsehkanal fiel aus. Aufgeregte Anrufe liefen bei der Post und dem WDR ein.

Am Mittwoch hatte Sendertechniker Ulrich Helling Dienst im Gebäude des Senders „Teutoburger Wald“ auf dem Bielstein. Vor 30 Jahren war er einer der ersten, die das Dilemma sahen und ihren Augen zunächst nicht trauten. Denn zunächst sei man von einem Antennen- oder Leitungsausfall ausgegangen, berichtet Helling. Ein Umschalten brachte aber nicht den erwünschten Erfolg. „Also haben wir uns gesagt: Wir gehen mal zum Mast und schauen nach“, erinnert er sich. Der stand rund 150 Meter vom Gebäude entfernt und war im dicken Nebel an diesem Morgen nicht zu sehen. Doch nur wenige Meter vom Sendegebäude entfernt finden die Techniker das Problem – in Form der gigantischen Trümmerteile der in vier Teile zerborstenen Metallröhre. „Wir hatten fast Tränen in den Augen“ erinnert sich Helling, damals gerade ein Jahr als Techniker beim Westdeutschen Rundfunk. Denn ohne Mast gab es keine Chance, etwas zu senden. Und für den WDR ist der „lange Lulatsch“ damals wie heute einer der wichtigsten für den Radio- und Fernsehempfang im östlichen NRW.

„Funkstille im Teutoburger Wald“ titelt am nächsten Tag die LZ. Erste Befürchtungen, es handele sich um einen Sabotageakt, sind aber schnell entkräftet. Es stellt sich heraus, dass starke Windschwingungen über viele Stunden schließlich zum Abriss einer Lasche an einem Abspannseil – einer Pardune – führten. So ist es in einer WDR-Dokumentation aus dem Jahr 1985 zu lesen. Daraufhin knickte der Mast ab und stürzte nordwärts in eine der Pardunen-Schneisen hinein.

Das sei so lautlos geschehen, dass selbst die damals am Sender wohnenden Familien eines Technikers und des Hausmeisters nichts gehört hätten, weiß Ulrich Helling. Schon am nächsten Tag waren der Radio- und Fernsehempfang wieder da, provisorisch abgestrahlt vom Sendeturm der Post auf der Hünenburg bei Bielefeld. 14 Tage später stand ein so genannter „Hilfsantennenträger“ wieder auf dem Bielstein, und schon im September 1986 wird vom neuen 298 Meter hohen Sendemasten „Teutoburger Wald“ wieder gesendet. Doch im Gegensatz zu seinem geknickten Vorgänger besteht der neue Mast aus einem Gittersystem und ist damit weniger anfällig für Wind und Wetter. Er hält laut WDR-Dokumentation Windlasten bis zu 165 Kilometer pro Stunde aus und sendet seitdem ohne Störung.

Hier geht es zu einer Themenseite des WDRs mit Video und Broschüre zum Bielstein-Einsturz.

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