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Detmold

Konferenz zeigt: Externsteine bleiben rätselhaft

Neue Forschungen werfen Schlaglichter auf mittelalterliche Geschichte

Detmold. Sie faszinieren Besucher und dienen immer wieder als Ankerpunkt für völkisch-esoterische Thesen. Doch was es mit den Externsteinen wirklich auf sich hat, ist nach wie vor weitgehend unbekannt.

Sicher unter den Wissenschaftlern ist im Hinblick auf die Externsteine eines: Theorien, die mit den Namen Teudt, Wirth und Machalett verbunden sind und die Externsteine als germanisches Heiligtum oder als „Herz-Haupt-Stätte des Abendlandes“ bezeichnen, sind durch keine Belege gedeckt. Sie entspringen einer völkisch-nationalistischen Weltanschauung, prägen aber das „Image“ der Externsteine noch immer.

Um den Stand der Forschung zusammenzufassen, hatten das Lippische Landesmuseum, die Schutzgemeinschaft Externsteine und die Historische Kommission für Westfalen am Wochenende Wissenschaftler aus Hochschulen und Institutionen aus ganz Deutschland zu einer Tagung nach Detmold eingeladen. Mehr als 100 Forscher und Geschichtsinteressierte wohnten der von der Stiftung Standortsicherung finanzierten Konferenz bei.

Die urkundliche Überlieferung zur Geschichte der beeindruckenden Steinformation ist dünn, archäologische Grabungen aus den frühen 30er Jahren ignorierten Befunde oder deuteten sie „germanisch“ um; die aus Dörentrup kommende Bremer Professorin Dr. Uta Halle stellte dazu ihre Forschungsarbeit vor. Aus dem Mittelalter, so berichtete Dr. Michael Zelle, Direktor des Landesmuseums, stammten die ältesten Funde.

Das korreliert mit dem wenigen, was Urkunden erzählen. Die Abteien Werden / Helmstedt unterhielten zu Füßen der Felsen einen Hof, später diente die Felskulisse einer Einsiedelei. Neuesten Forschungen nach könnte die „Weiheinschrift“ von 1115 in der Hauptgrotte durchaus echt sein, wie Dr. Helga Giersiepen (Bonn) berichtete. Dr. Roland Pieper (Münster) habe zudem daraufhin gewiesen, dass der Stil des monumentalen Kreuzabnahme -Reliefs zu dem von Bildnissen in der Lippstädter Marktkirche passe, berichtet Zelle. Die wurde von Bernhard II. zur Lippe geweiht. Da um die Zeit, in der die Lipper die Falkenburg erbauten, auch die Externsteine in ihren Besitz gerieten, gebe das Hinweise darauf, dass das Edelherrengeschlecht vielleicht treibende Kraft für das Relief gewesen sei.

Immerhin lagen die Externsteine bis in die Neuzeit direkt an einem bedeutenden Verkehrsweg. Schriftliche Hinterlassenschaften dazu fehlen allerdings. Auf jeden Fall ließen die Grabungen auf der Falkenburg auch neue Gedanken zur Geschichte des Naturdenkmals zu, meint Zelle.

Immer wieder wird eine mögliche Bedeutung der Steintürme als astronomischer Kalender ins Feld geführt. Durch ein Rundloch in der Höhenkammer des Turmfelsens lasse sich tatsächlich der Aufgang der Sonne zu bestimmten Zeiten beobachten, berichtete nach Zelles Angaben Dr. Burkard Steinrücken von der Westfälischen Volksternwarte Recklinghausen. Interpretationen dieser Messergebnisse habe Steinrücken aber nicht vorgenommen. Allerdings sei in mittelalterlichen Kirchen, beispielsweise in Erfurt, ein ähnliches Phänomen zu beobachten, erläuterte Zelle der LZ. Dort sei eine Marienfigur so vor der nach Osten ausgerichteten Apsis aufgestellt gewesen, dass sie zu bestimmten Zeiten vom Licht der aufgehenden Sonne „erleuchtet“ wurde.

Unterm Strich bleibt das Forschungsbild lückenhaft. Dagegen will das Landesmuseum im Verein mit anderen Institutionen künftig etwas unternehmen. Der disparate Forschungsstand rühre nicht zuletzt daher, dass die Externsteine nach dem Zweiten Weltkrieg für die Forschung erst einmal „verbrannte Erde“ waren. Das wiederum habe den nach wie vor existenten rechtsextremen Deutungen Raum gegeben. Noch heute, so berichtete Zelle, seien die Externsteine Identifikationspunkt für rechtsextreme Gruppen.

Landesmuseunm plant Bauaufnahme

Landesmuseum und Denkmalstiftung wollen eine grundlegende Bauaufnahme der Externsteine nach aktuellen Methoden vornehmen lassen. Die Sichtung solle ergeben, was an den Externsteinen tatsächlich wann von Menschenhand geschaffen worden ist, erklärte Dr. Michael Zelle, Direktor des Landesmuseums.

Im besten Falle solle dabei auch die Frage geklärt werden, warum die Einbauten geschehen sind. Als erstes sollen für das Projekt Finanzgeber gefunden werden. Danach könne man starten, sagt Zelle. Einen genauen Zeitplan vermag er aber noch nicht zu nennen. Das Alter der Grotten wurde zuletzt mit der Lumineszenzdatierung versucht zu bestimmen. Die Messungen ergaben, dass die Kavernen wahrscheinlich im Mittelalter entstanden sind.

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