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Detmold

Eva Bernard singt die Hauptrolle in „Sogno d’un mattino di primavera“

Für die Rolle habe sie so viel geübt wie noch für keine andere Partie

Detmold. Der Traum eines Frühlingsmorgens: Morgen wird er Wirklichkeit. Dann erlebt die Oper „Sogno d’un mattino di primavera" von Alexander Muno im Landestheater ihre Uraufführung. Zwei Stunden zeitgenössisches Musiktheater: Das Werk, mit dem Komponist Alexander Muno den Giselher-Klebe-Preis 2014 gewonnen hat, stellt Ensemble und Solisten vor besondere Herausforderungen. Die LZ sprach mit Eva Bernard, die die Hauptrolle singt und – hier ganz wichtig – spielt.

Frau Bernard, die Isabella: Was für eine Figur ist das?

Information

Persönlich

Nach der Ausbildung zur Musicaldarstellerin studierte Eva Bernard Gesang. Ihr erstes Engagement führte sie nach Linz, Gastspiele nach Innsbruck, Klagenfurt, Heidelberg, Osnabrück, Freiburg und Wiesbaden. Von 2005 bis 2011 war sie fest am Theater Aachen, 2003 Finalistin bei Placido Domingos Operalia World Contest.

Tickets und Termine

Regie führt Intendant Kay Metzger, die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Lutz Rademacher inne, und die Ausstattung stammt von Michael Heinrich. Die Premiere beginnt am Freitag, 8. April, um 19.30 Uhr im Landestheater. Weitere Vorstellungen sind am 13. und 17. April, am 13. Mai und am 23. Juni. Tickets: Tel. (05231) 974803.


Eva Bernard:
Die Isabella ist eine Frau mit ganz vielen Brüchen. Sie hat einerseits viel Kindliches, ist andererseits dann aber auch wieder sehr abgeklärt. Und sie hält die Zuschauer den ganzen Abend lang in Bann mit der Frage: Ist sie verrückt? Ist sie’s nicht?

Ist sie’s?


Bernard:
Da soll sich jeder im Publikum selbst ein Bild machen! Aber Isabella hat ein Trauma erlebt und damit sicher eine posttraumatische Störung. Es ist auf jeden Fall eine unglaublich tolle Partie.

Aber sicher auch anstrengend?

Bernard: Ja, natürlich. Es ist eine Mega-Rolle, von der Größe her vergleichbar mit der Elektra, die sowohl schauspielerisch als auch sängerisch sehr anspruchsvoll ist. Der Tonumfang ist riesig – andererseits hat der Komponist extrem auf die Sprache geschrieben. Die Melodie folgt der Sprache, das ist dankbar für Sänger, das hat er gut gemacht. Dennoch: Seit fünf Monaten übe ich jeden Tag vier Stunden dafür – so viel habe ich, glaube ich, noch für keine andere Rolle geübt.

Warum ist der schauspielerische Aspekt so wichtig?

Bernard: Es gibt nicht viel äußere Handlung, das bedeutet natürlich, dass die Darsteller die innere Handlung besonders gut und packend spielen müssen. Aber das mag und mache ich gern.

Ich könnte mir vorstellen, dass Ihre Partie auch mental eine Herausforderung ist...

Bernard: Wenn ich sagen würde, die Rolle sei mental anstrengend, weil ich eine Irre spiele, dann wäre das gelogen. Das liegt daran, dass die Anforderungen in anderen Bereichen einfach viel höher sind. Bei so einer Neuen Musik muss das Gehirn die ganze Zeit absolut „on" sein: Da ist der Rhythmus – das ist wohl das Schwerste an diesem Stück –, da sind der Dirigent, das Orchester. Ich muss ständig auf ganz vielen Ebenen präsent sein. Ich kann mich in diesem Fall auch nicht vom Orchester tragen lassen, sondern bin musikalisch quasi in meinem eigenen Flugzeug unterwegs. Ich muss also einerseits total autistisch und bei mir sein und gleichzeitig wiederum für alles offen sein. Das ist die spezielle Herausforderung an diesem Werk, an dieser Rolle.

Sie sind seit Anfang der Spielzeit am Haus. Stand damals direkt fest, dass Sie diese Rolle übernehmen würden?

Bernard: Ja, das war gleich klar. Allerdings gab es ja erst noch gar keine Noten, ich wusste also gar nicht, auf was ich mich einlasse. Dies ist übrigens meine erste Arbeit mit Kay Metzger als Regisseur. Und die Arbeit mit ihm war wunderbar, ebenso die Zusammenarbeit mit Lutz Rademacher am Pult. Auch Alexander Muno war bei den Endproben dabei und war sehr zufrieden.

Worauf dürfen sich die Zuschauer besonders freuen?

Bernard: Generell auf einen spannenden Opernabend. Im Kern geht es um die Frage: Was macht eine Krankheit mit den Menschen, die den Kranken betreuen und lieben? Und: Wie manipulativ können auch Kranke selbst sein? Außerdem ist es eine unheimlich sinnliche Oper, es gibt Passagen, die wie Filmmusik klingen, an Hitchcock-Filme erinnern. Auch optisch ist die Produktion wunderschön. Und wir trauen uns, an der einen oder anderen Stelle in den Kitsch-Topf zu langen.

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