So einfach kommen Diebe in Ihre Häuser

Marlen Grote

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Versucht sich als Einbrecherin: Andrea Hegerbekermeier, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, hebelt das Fenster mühelos auf. - © Vera Gerstendorf-Welle
Versucht sich als Einbrecherin: Andrea Hegerbekermeier, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, hebelt das Fenster mühelos auf. (© Vera Gerstendorf-Welle)
Handwerker, Polizei, Feuerwehr, Sparkasse und Versicherer präsentieren

eine Ausstellung zum Jahrestag in den Räumen der Lippischen

Landes-Brandversicherungsanstalt. - © Vera Gerstendorf-Welle
Handwerker, Polizei, Feuerwehr, Sparkasse und Versicherer präsentieren eine Ausstellung zum Jahrestag in den Räumen der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Es ist mein erster Einbruch – und dann steht auch noch ein Polizist direkt daneben. Etwas unsicher mache ich mich mit dem riesigen Schraubendreher an einem Fensterrahmen zu schaffen. Alles ganz legal, denn das Fenster steht in der Ausstellung des Netzwerks „Zuhause sicher".

Der Rahmen knackt. „Jetzt hier ansetzen", gibt Kreishandwerksmeister Gerd Töpper den entscheidenden Tipp. Noch ein Knacken – und das Fenster springt plötzlich ohne weitere Kraftanstrengung auf. Das ging erstaunlich leicht.

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Diese Überraschung ist gewollt: „Wir denken bei Fenstern meistens nur daran, dass sie winddicht sein sollen. Aber ein Einbrecher kommt durch so ein Standardfenster ganz leicht rein", erläutert Töpper den Aufklärungsbedarf. Einige Besucher hätten das bereits ausprobiert und sich danach sichere Verriegelungen und Nachrüstungen für den Einbruchschutz zeigen lassen, sagt er.

Gut gesicherte Fenster allein reichten aber nicht. Eine Tür mit dreifachem Riegel sei ebenfalls ein Muss, führt der Kreishandwerksmeister aus. Dazu rät er zu Gittern über den Lichtschächten der Kellerfenster, die jeder selbst anbringen könne.

Jetzt greift auch Andrea Hegerbekermeier, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, zum Schraubendreher. Innerhalb von Sekunden hat sie das Fenster auf. „Das hätte ich jetzt nicht erwartet, dass das Fenster so wenig Widerstand leistet", sagt sie erschrocken. Ein anderes Fenster widersteht den Einbruchsversuchen: „Hier greifen die Riegel fest ineinander", erklärt Gerd Töpper.

„Zuhause sicher" ist der Name des Netzwerks, das mit der Ausstellung in den Räumen der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt sein zehnjähriges Bestehen feiert. Polizei, Feuerwehr und einige Handwerksbetriebe arbeiten zusammen, unterstützt von Banken und der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt.
Die Polizei berät Hausbesitzer, die beteiligten Betriebe setzen die empfohlenen Maßnahmen um. Danach werden die Häuser mit der Plakette „Zuhause sicher" gekennzeichnet. Schon das schreckt ab: „Dann gehen die Einbrecher meistens weiter", sagt Gerd Töpper. Es habe noch keinen erfolgreichen Einbruch in ein Haus mit dieser Plakette gegeben.

Aber zur Sicherheit gehört noch mehr, betont Kriminalkommissar Christian Weicht. „Für die Plakette müssen auch Rauchmelder im Haus sein, es wird auf eine gut sichtbare Hausnummer geachtet, und vom Bett aus muss ein Telefon in erreichbarer Nähe sein", fasst er zusammen.

Und weil Brandschutz für das Netzwerk ebenfalls wichtig ist, knallt es auch draußen vor der Tür. Dort jagt Stefan Drewes von der Feuerwehr Detmold unter anderem Deo-Dosen in die Luft. Sie explodiert mit einer beeindruckenden Stichflamme, eine Hitzewelle rast über den Platz. „Das passiert schon, wenn so eine Dose im Sommer im Auto liegt. Dafür reichen Temperaturen von 60 Grad, die erreicht man da schnell", sagt Drewes, der außerdem auf viele andere Brandgefahren aufmerksam macht.

Alles rund um die Sicherheit

Die Ausstellung der Schutzgemeinschaft Lippe im Netzwerk „Zuhause sicher" zeigt noch bis Freitag verschiedene Verriegelungstechniken für Fenster und Türen wie sogenannte Pilzkopf-Verriegelungen. Die greifen fest ineinander und können nicht aufgehebelt werden. Außerdem werden abschließbare Fenstergriffe vorgestellt.

Dazu führt die Feuerwehr in einem Modellhaus vor, wie sich Rauch in Wohnräumen ausbreitet und wo Rauchmelder platziert werden sollten. Experten von Polizei, Feuerwehr und Handwerk beantworten Fragen rund um das sichere Zuhause.

Die Ausstellung ist am heutigen Mittwoch von 8.30 bis 18 Uhr, Donnerstag von 8 bis 18.30 Uhr und Freitag von 8.30 bis 14 Uhr geöffnet. In den Räumen der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt, Simon-August-Straße 2, geben Experten außerdem Tipps zu einfachen Maßnahmen, um Einbrecher fernzuhalten. Vor dem Gebäude bietet die Feuerwehr die Möglichkeit, selbst einen kleinen Brand zu löschen.

Weitere Infos gibt’s außerdem im Internet unter www.zuhause-sicher.de.

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