Detmold. Den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen - das wünschen sich viele ältere Menschen. Ambulante Pflegedienste machen das möglich, doch es hat sich einiges verändert. Vor dem Hintergrund des ökumenischen Kirchentages wirft die LZ deshalb Schlaglichter auf den kirchlichen Bereich der Diakonie.
Die ehemalige Gemeindeschwester Gertrud Eimkemeier, Brigitte Lange, eine der letzten noch lebenden Diakonissen, und die stellvertretende Diakonis-Pflegedienstleitung Dagmar Heistermann geben Einblicke.
Eine große Veränderung, da sind sich alle einig, ist die Zeiteinteilung. „Früher hatten wir als Gemeindeschwestern keinen so straffen Zeitplan. Da wurde teilweise auch gemeinsam in den Familien zu Mittag gegessen. Dafür waren wir aber rund um die Uhr abrufbar“, erinnert sich Gertrud Eimkemeier an ihre sechs Jahre Tätigkeit in Silixen.
Dort lebte und arbeitete sie ab 1971 als Gemeindeschwester vor Ort. Im Gegensatz zur heutigen Unterteilung zwischen Pflege und Betreuung habe damals eine Pflegerin alle Aufgaben übernommen. So manche Gemeindeschwester habe selbst als Hebamme fungiert, erinnert sich Eimkemeier schmunzelnd: „Und sogar Kälbchen wurden in dieser Zeit auf die Welt geholt.“
Noch heute bringe die enge Bindung an die Patienten aber nicht nur Vorteile mit sich, weiß Dagmar Heistermann zu berichten: „Die Patienten vertrauen sich einem an. Oft denkt man dann noch zu Hause viel über die Arbeit und die Situation der Menschen nach.“
Damals wie heute hatten die Pflegekräfte aus diesem Grund die Möglichkeit, sich zum Beispiel mit einem Supervisor auszutauschen. „Und auch der Austausch untereinander im Team hilft dabei, dass man sich nicht alles zu sehr zu Herzen nimmt“, fügt Dagmar Heistermann an.
Vor allem bei den zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln habe sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. „Die grundsätzliche Arbeit ist gleich geblieben. Aber mit Hilfe von Lifts oder Elektrorollstühlen ist vieles einfacher geworden“, erklärt Heistermann, während sich ihre pensionierte Kollegin lachend an einen Patienten erinnert, dessen Bett in den 70ern noch mit Hilfe von einigen Holzklötzen erhöht werden musste.
Kaum zu glauben ist aus der heutigen Perspektive, dass den Familien in früheren Jahren keinerlei Kosten für die ambulante Pflege von Angehörigen durch die Gemeindeschwester entstanden sind. „Ich erhielt mein Gehalt von der Kirchengemeinde, die dann wiederum mit dem Diakonissenhaus abrechnete“, erklärt Gertrud Eimkemeier. Heutzutage würden die Pflegekräfte nach Tarif bezahlt und auch die finanzielle Beteiligung der Patienten oder Angehörigen sei völlig normal. „Das läuft in der heutigen Zeit fast alles über die Pflegekasse“, so Heistermann.
Der Verwaltungsaufwand war auch schon früher groß, weiß Schwester Brigitte Lange, die 1954 ausgebildet wurde und später in der Verwaltung des Diakonissenhauses arbeitete. Über die Jahre sei er aber weiter angestiegen.
Letztlich sind sich die drei aber auch einig: die ihnen entgegengebrachte Dankbarkeit von Seiten der Patienten habe sich über die Jahre nicht geändert. „Und das entschädigt am meisten für die teils schwere Arbeit“, betont Dagmar Heistermann.
Diakonis
Diakonis wurde 1899 gegründet und nannte sich früher Diakonissenhaus. Die evangelische Stiftung hat den Aufgabenschwerpunkt Altenhilfe, wozu unter anderem stationäre Pflegeeinrichtungen, Essen auf Rädern oder die Pflege zu Hause gehören. Im Ambulanten Dienst von diakonis werden derzeit in Detmold und Augustdorf rund 200 Patienten von knapp 40 Pflegekräften betreut. Im Gegensatz zu den 70er Jahren, in denen eine Pflegekraft auf sechs bis zehn Patienten am Tag kam, werden heute im Schnitt 15 Patienten pro Tag versorgt.