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Detmold

Auch nach 14 Jahren noch kein Ende der Omnia Insolvenz

Detmold. Längst ist das ehemalige Werksgelände an der Werre neu überbaut, längst sind die markanten roten Lastwagen aus dem Stadtbild verschwunden. 14 Jahre ist es her, dass der Möbelproduzent Omnia Insolvenzantrag gestellt hat. Doch vor Gericht ist die Pleite heute noch hochaktuell. Es geht darum, ob Mieten rechtmäßig aus der Insolvenzmasse gezahlt worden sind.

364.000 Euro sollen damals zu Unrecht als Miete für von Omnia genutzte Hallen auf anderen Grundstücken überwiesen worden sein. Landgerichts-Sprecherin Dr. Anneli Neumann erklärt: „Die Besitzer dieser Grundstücke waren weitgehend identisch mit der Omnia-Geschäftsführung." Es sei zu prüfen, ob die Hallen der eigenen Firma nicht mietfrei zur Verfügung hätten gestellt werden müssen, um Omnia unter die Arme zu greifen. Davon ist der Detmolder Rechtsanwalt Martin Schmidt überzeugt. Der Streit um den angesichts einer Millionenquote relativ geringen Betrag zeigt, wie aufwendig und kompliziert das immer noch laufende Insolvenzverfahren ist.

Initiator für das aktuelle Verfahren vor dem Landgericht ist das Amtsgericht Detmold. Es hatte Schmidt 2014 als Sonderinsolvenzverwalter eingesetzt, um die Korrektheit der Mietzahlungen zu überprüfen. Schmidt sieht in der Tat Fehler und will vom damaligen Insolvenzverwalter Jürgen von Olberg die Rückzahlung von 450.000 Euro (inklusive Zinsen) in die Insolvenzmasse erstreiten.

Das Landgericht hat in öffentlicher Sitzung einen Vergleich vorgeschlagen: von Olberg soll 100.000 Euro in die Insolvenzmasse überweisen. Beide Parteien können bis zum 22. September eine Stellungnahme abgeben. Geschäftsführer der Omnia Möbelwerke GmbH & Co. KG waren Ernst Dieter Hilker, Ernst Hilker und Töns Hilker. Alle drei waren auch Gesellschafter der Hilker GbR und deren 100-Prozent-Tochter „Bauselbst Möbel GmbH", die gemeinsam ihre Grundstücke an die Omnia Möbelwerke vermietet hatten.

„Letztlich geht es darum: War die Omnia-Krise zu Zeiten der Mietzahlungen abzusehen oder bekannt?", sagt Schmidt. „Diese rechtliche Frage muss das Gericht nun in einem ganz sachlichen Verfahren klären." Der Ausgang des Verfahrens sei offen.

Anwalt Raimund Schafmeister, der von Olberg vertritt, verwies auf das laufende Verfahren und gab keine Stellungnahme ab. Am 20. Oktober wird das Urteil verkündet, sollten sich die Parteien nicht einigen, kündigte Gerichts-Sprecherin Neumann an.

Das Aus im Jahr 2002
Am 4. Februar 2002 musste der Geschäftsführende Gesellschafter von Omnia, Ernst Dieter Hilker, den Gang zum Detmolder Amtsgericht antreten. Eine Ära war damit zu Ende gegangen, mehr als 200 Arbeiter verloren ihren Job. Omnia, Markenhersteller hochwertiger Wohnmöbel, litt damals unter sinkender Nachfrage, unter niedrigen Abnehmerpreisen und hohen Kosten für Massivholz und Furnier.

Omnia war 1888 als Möbelmanufaktur" gegründet worden, der Name wurde 1958 eingeführt. Hilker führte die Firma in vierter Generation. In den Monaten nach dem Insolvenzantrag beherrschten Streitigkeiten innerhalb der Familie Hilker die Schlagzeilen. Später ging es vor allem um die Nutzung des lange leer stehenden Komplexes an der Arminstraße. Dieser wurde Ende der 2000-er Jahre abgerissen und unter anderem mit einer Senioreneinrichtung bebaut.

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