Detmold-Hiddesen. Den „Hiddeser Hof" gibt es bald nicht mehr – die Inhaber geben den Gastronomiebetrieb aus Altersgründen auf. Es sollen in den Obergeschossen 15 Wohnungen entstehen – die Detmolder Stiftung Diakonis wird Investorin sein. Im Erdgeschoss des Gebäudes soll ein neuer Drogeriemarkt angesiedelt werden.
Weil die geplanten Umbauten relevant für den Bebauungsplan sind, ist die Politik gefragt. Der Ausschuss für Stadtentwicklung wird am 9. November darüber beraten, ob für das Projekt die überbaubare Fläche des Grundstücks erweitert werden kann. Als Vermittlerin ist die Volksbank aktiv – Dieter Gudd, Projektentwickler bei der OWL Immobilien GmbH, erklärt: „Die Inhaber haben versucht, mit Hilfe des Hotel- und Gaststättenverbandes eine Nachnutzung sicherzustellen. Das scheiterte. Sie hören aus Altersgründen auf – und wir haben uns gefragt, was gut nach Hiddesen passen würde." Nach der Aufgabe des Schlecker-Marktes sei eine Drogerie-Lücke aufgetreten. Die wolle man nun schließen. Der geplante Markt werde nicht größer als 800 Quadratmeter. „Die Wohn- und Einzelhandelsnutzung stellt unseres Erachtens an dem Standort eine sinnvolle städtebauliche Aufwertung für Hiddesen dar", schildert Gudd.
Für den Neubau, in dem die Wohnungen und der Drogerie-Markt untergebracht werden sollen, wird es allerdings erforderlich, dass die nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeteile abgerissen werden. Die Stellplätze für die künftigen Bewohner kommen in eine Tiefgarage, für den Einzelhandel soll die bisherige rückwärtige Parkplatzfläche mit Einfahrt zur Hindenburgstraße beibehalten werden.
Das Hotel-Restaurant „Hiddeser Hof" in der Ortsmitte an der Hauptkreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Hindenburgstraße/Theodor-Heuss-Straße blickt auf eine lange und ereignisreiche Vergangenheit zurück. Seit der frühen Neuzeit gab es immer eine Gaststätte in Hiddesens Ortsmitte. Der Dorfchronik nach wurde bereits 1691 vom Grafen Heinrich Simon für Hiddesen das alleinige Krugprivileg erteilt und von ihm auch der „Hiddeser Krug" errichtet. Dieser befand sich ganz in der Nähe des „Hiddeser Hofs", der 1907 gebaut und eröffnet wurde – im selben Jahr brannte übrigens der Altbau des „Hiddeser Kruges" ab.
Zunächst aber trug das neue Gasthaus den Namen „Deutscher Kaiser", heißt es auf der Homepage des Betriebes. Seit 1925 hat die Gaststätte den Namen „Hiddeser Hof".
Ortsbürgermeister: „Das reißt eine Riesenlücke"
Ortsbürgermeister Wilfried Mellies bedauert: „Seit 110 Jahren ist der ,Hiddeser Hof eine Institution im Ort. Hier haben unzählige Familien und Gruppen gefeiert." Zudem sei der Hof eines der letzten großen Hotels, die von Hiddesens Blütezeit zeugen, als der Detmolder Ortsteil noch Luftkurort war und unterhalb des Hermanns außerdem vom Tourismus geprägt. Das Haus ist 1907 gebaut worden. Mellies: „In jedem Fall wird eine Gastronomie-Lücke gerissen, die im Moment kein anderer wieder auffüllen kann."
Menschlich halte er es für sehr verständlich, dass die Eigentümer in Ruhestand gehen wollten. Schade sei, dass keine Nachfolge gefunden wurde. Allerdings könne man wohl davon ausgehen, dass bei dem Hotel-Restaurant sicherlich erheblicher Renovierungsbedarf bestehe und man sehr viel investieren müsse – was am Ende vielleicht nicht wirtschaftlich sei. „Für Hiddesen bedeutet es dennoch einen Riesenverlust – das kann man nicht anders sagen", so Mellies.
Auf der anderen Seite sei es ein Gewinn, wenn Hiddesen endlich wieder einen Drogeriemarkt bekomme. Die Stiftung Dikonis sei zudem ein namhafter Träger, und die Nachfrage nach Seniorenwohnungen groß – zudem das neue Ärztehaus nah sei. Wichtig sei, dass der neu entstehende Bau an einer so markanten Stelle architektonisch ansprechend werde. Mellies versprach, auch als Mitglied des Stadtentwicklungsausschusses darauf besonders zu achten – Planungen gibt es für das Projekt noch nicht.