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Detmold

Fürstin-Pauline-Förderschule feiert Jubiläum: Leiter zieht positive Bilanz

Das Unterrichtssystem habe sich über die Jahre bewährt - Schüler seien heutzutage stärker belastet

Detmold-Hohenloh. Wenn Schulleiter Eckard Witt durch die Gänge der Fürstin-Pauline-Schule geht, dann begrüßen ihn die Schüler schon von weitem. Sie zeigen Respekt, sind freundlich, geben ihm sogar die Hand. Die Atmosphäre ist familiär – man kennt sich. Ein Bild, das an heutigen Schulen eher selten geworden ist. Hier scheint es aber ganz normal zu sein.

Seit 25 Jahren gibt es die Fürstin-Pauline-Schule, die sich als „Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung" versteht. Eine lange Zeit, um mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen. Schulleiter Witt ist stolz: „Als ich vor 20 Jahren hier anfing, habe ich gesagt: ’Wir sind keine Resteschule’. Und siehe da: Im Laufe der Jahre ist die Akzeptanz unserer Schule stetig gewachsen." Stellvertreterin Renate Löffler weiß, warum: „Vor allem die intensive Beratung und Information an anderen Schulen hat dazu beigetragen, Hemmschwellen abzubauen."

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Jubiläumsfeier

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen der Fürstin-Pauline-Schule findet am Freitag, 25. November, von 14.30 bis 17 Uhr ein voradventlicher Nachmittag in der Schule statt. Bei Musik, Kaffee und Kuchen werden Selbstgemachtes sowie Bastelarbeiten aus den Klassen angeboten.

Ein Drittel der Schüler lebt in einem Heim oder einer Pflegefamilie. Viele sind vom „normalen" Schulalltag überfordert, werden aggressiv und drohen abzurutschen. Die Fürstin-Pauline-Schule sieht sich hier als „Durchgangsschule". „Langfristiges Ziel ist es, unsere Schüler wieder in das Regel-Schulsystem zu integrieren", betont Witt. Wenn das nicht funktioniere, wolle man die Schüler zumindest „fit machen für das Leben". Denn: „Wir möchten vor allem soziale Kompetenz vermitteln und die Persönlichkeit stärken."

Daher säßen in den Klassen auch maximal zehn Schüler. Dass so ein ganz anderes Lernen möglich ist, bestätigt auch der elfjährige Florian: „Je mehr Leute in der Klasse sind, desto gestresster bin ich", sagt er, während er mit Sozialarbeiter Adam Penkalla seine Nacharbeit in Mathe erledigt. In den schuleigenen Lerngruppen könne er zudem einmal durchschnaufen, bevor der Unterricht weiter geht.

Rückblickend zieht Schulleiter Eckard Witt eine positive Bilanz. „Das Förderschulsystem hat sich bewährt, denn es orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen jedes Einzelnen." Und nur so könne letztlich auch Inklusion funktionieren.

Witt ist vor allem dem Kreis als Träger der Schule dankbar. Denn ohne die finanzielle Unterstützung wären viele Neuerungen kaum möglich gewesen. So wurde unter anderem ein Fahrstuhl angeschafft und das Dachgeschoss auf der einen Seite zur Mensa, auf der anderen Seite zum Fitnessraum ausgebaut.

Nicht nur das Gebäude – auch die Schülerschaft habe sich über die Jahre verändert, fügt Renate Löffler an. „Kinder sind heute stärker belastet als früher, denn sie müssen viel öfter mit großen Lebensumbrüchen in der Familie – etwa Scheidungen – umgehen. Auch über die Schule hinaus brauchen sie dann oft medizinische oder therapeutische Unterstützung."

Vertrauen zu den Schülern zu schaffen, sei dabei das Eine, Partizipation der Eltern das Andere. „Das Miteinander zwischen Schülern, Eltern und Lehrern steht bei uns im Fokus", betont Witt. Ihm mache an seiner Tätigkeit vor allem eines Spaß: „Wenn unsere Arbeit Früchte trägt – denn manch einer kriegt die Kurve und macht eine Lehre, sein Fachabi oder studiert sogar."

Chronik

  • 1991 wird die Fürstin-Pauline-Schule in privater Trägerschaft der Paulinen-Anstalt, der heutigen Fürstin-Pauline-Stiftung, gegründet. In den ersten Jahren befindet sie sich in der Detmolder Karolinenstraße.
  • 1996 wechselt die Schule in die Trägerschaft des Kreises. Eckard Witt wird Schulleiter.
  • 1999 zieht die Schule aus Platzgründen und um sich aus der privaten Trägerschaft weiter zu lösen in ein ehemaliges Kompaniegebäude auf dem Fliegerhorst, das komplett saniert wird. Bis heute hält die Schule die enge Beziehung zum lippischen Fürstenhaus aufrecht.
  • 2016 gehen 115 Schüler aus dem gesamten Kreis Lippe in die Klassen 5 bis 10. Insgesamt sind etwa 25 Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen an der Förderschule tätig. In Alverdissen und Augustdorf hat die Schule zwei weitere Standorte. Unter anderem wird in Detmold die Schülerfirma „Paulis" betrieben, die Objekte aus Holz und Metall herstellt.

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