Psychosoziale Beratung zeigt: Jeder dritte Trennungsvater wird krank

Jens Reichenbach

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Hier herein: Andreas Haase von der der "man-o-mann"-Beratungsstelle will Vätern nach der Trennung helfen.  - © Andreas Zobe
Hier herein: Andreas Haase von der der "man-o-mann"-Beratungsstelle will Vätern nach der Trennung helfen.  (© Andreas Zobe)

Bielefeld/Detmold. Für viele Paare soll der Start ins gemeinsame Elternleben eine Fortsetzung der zuvor begonnenen Liebesbeziehung sein. Doch nicht selten werden diese Hoffnungen enttäuscht, und die Eltern trennen sich. Viele Väter stünden dieser Situation dann verzweifelt und ratlos gegenüber, sagt Therapeut Andreas Haase.

30 Prozent der Betroffenen könnten mit der neuen Situation überhaupt nicht umgehen: Experten gehen davon aus, dass sie unter körperlichen und seelischen Beschwerden leiden - bis hin zu einem erhöhten Suizidrisiko. Andreas Haase will diesen Vätern helfen. Der Gestalt- und Paartherapeut der Männerberatung "man-o-mann" hat jetzt speziell für diese Zielgruppe in Detmold ein neues Beratungsangebot zusammengestellt: Es heißt "Männer/Väter in Trennung".

Information

Der Kontakt

Das erste Gespräch bei "Männer/Väter in Trennung" (Beratung in Bielefeld oder Detmold) ist kostenfrei. Anmeldung per E-Mail an maennerberatung@web.de oder unter Tel. (0521) 68676. Infos gibt es auch unter www.man-o-mann.de . Hier gibt es auch andere Beratungsangebote - zum Beispiel in Bezug auf Vaterwerden oder Patchwork-Familie.

Haase will den Betroffenenzur Seite stehen. Der 55-Jährige kennt aus seiner Praxis als Paartherapeut die Probleme der Trennungen: "Besonders Väter spüren danach oft Schuldgefühle. Hinzu kommt Verzweiflung, weil sie mit ihrem Anliegen im Streit mit der Mutter oder den Behörden nicht mehr weiterkommen."

Viele müssten sich nach dem Verlust der Partnerin und dem zumindest zeitlichen Verlust der Kinder oft erst neu sortieren. In dieser Phase der Trauer geht es Haase darum, die Betroffenen auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen zuzuhören und ihnen zur Seite zu stehen. Andere Väter spürten eher Hilflosigkeit, weil sie noch nie alleine ihre Kinder versorgt hätten. "Auch hier entstehen Ängste." Eine rechtliche Beratung ist ihm nicht erlaubt.

Aber der 55-Jährige, der selbst vor 20 Jahren all die Erfahrungen eines Trennungsvaters gemacht hat, kennt die Schwierigkeiten, die mit dem Jugendamt oder auch mit Familiengerichten auftreten können, wenn man seinen Auftritt bei den Behörden vorher nicht bedacht hat. Haase glaubt nicht, dass Väter in Deutschland keine Rechte hätten. "Es hängt davon ab, wie ich dort auftrete."

Haase versuche deshalb, den kommenden Weg mit dem Klienten abzuklopfen: "Wo soll die Kraft hingehen? Geht es wirklich um die Kinder? Oder ist der Rechtsstreit doch eher Mittel zum Zweck, um Rache an der Mutter zu üben?" Und was wäre, wenn das Urteil negativ ausgeht? "Wenn Männer nicht Recht bekommen, erleben das viele als große Niederlage." Es folge Hilflosigkeit ("Alle sind gegen mich") und bei manchen sogar Lebensmüdigkeit ("Was soll ich mit meinem Leben noch?").

Dann gehe es ans Eingemachte: "Dann müssen wir richtige Absprachen treffen." Grundsätzlich sehe der 55-Jährige aber seine Aufgabe darin, zu sortieren. Dazu gehörten auch strategische Überlegungen: "Wie kann ich mein Ziel erreichen? Harter Angriff oder doch lieber Deeskalation, um später einen neuen Anlauf zu versuchen?"

Wer starke Rachegelüste hegt, sei laut Haase allerdings recht schwer zu erreichen. "Manche müssen auch erst einmal gegen die Wand laufen. Trotzdem versuche ich, auf die verschiedenen Weggabelungen aufmerksam zu machen, die bei jeder Entscheidung bedacht werden müssen." Das könne manchmal ein sehr langer Weg sein, um zum Ziel zu führen.

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