Detmold-Heidenoldendorf. Einzelzimmer, Pflegebad, besondere Brandschutzbestimmungen, taktile Leitsysteme – das Lippische Blindenwerk muss die Bedingungen des Wohn- und Teilhabegesetzes erfüllen und deshalb weiter investieren. Das vierte Millionenprojekt des Vereins, der Wohnheim-Neubau, läuft.<br /><br />„Laut Gesetz dürfen nur noch Häuser mit Plätzen für 24 Personen vorgehalten werden“, erklärt Angelika Bicker, Geschäftsführerin des Lippischen Blinden- und Sehbehindertenvereins. Dies habe damit zu tun, dass Einrichtungen dieser Art sich mehr auf die Fläche verteilen sollen – auch hier spielt also der Inklusionsgedanke eine Rolle. „Aber unsere Einrichtung ist mit Heidenoldendorf verwachsen, die Werkstätten sind hier vor Ort. Und es ist nicht für jeden Menschen mit Beeinträchtigung besser, wenn er mit dem Bus zur Arbeit hin- und hergefahren werden muss“, sagt Bicker. <br /><br />Der LBSV hat mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Dennis Maelzer einen Fürsprecher, „der uns sehr geholfen hat“, sagt Bicker. Denn er habe bei den entscheidenden Stellen die örtliche Situation geschildert und Norbert Killewald von der Stiftung Wohlfahrtspflege nach Lippe eingeladen. Im Ergebnis gab es einen Zuschuss von 600.000 Euro zur Bausumme, der Rest der insgesamt 3,2 Millionen Euro wird mit Eigenkapital und günstigen Krediten finanziert. „Die Werkstatt, die Kantine, Wohnheimräume – diese Millioneninvestitionen sind für unseren Verein eine große Herausforderung“, sagt Projektleiter Stefan Klose. <br /><br />Am Ende aber wird es einen deutlich höheren Komfort geben. Stefan Brand und sein Architektenteam haben sich auf die Planung von Wohnheimen spezialisiert. Der Bedarf wachse. „Es gibt immer mehr Menschen mit Beeinträchtigungen, sie werden älter als früher“, sagt er. Entsprechend umfangreich seien die Details. Breitere Flure und Türen, weil man für den Transport von bettlägerigen Personen vorsorgen muss, gehören dazu. Der Brandschutz spiele eine große Rolle. Zwei Fluchtwege, die unabhängig voneinander verlaufen, werden eingeplant. Die Brandmelder werden untereinander vernetzt und direkt zur Feuerwehr aufgeschaltet. <br /><br />Der Planer lobt die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit den Behörden, Feuerwehr und das Verständnis der Nachbarn, die die Bauzeit von 15 Monaten im Kiefernweg mittragen müssen. „Wir sind froh, dass wir das Grundstück haben“, sagt Bicker. Und wenn das Wohnheim steht, dann sei der Verein noch nicht am Ende. „Der Sinnesgarten, den wir jetzt für das Vorhaben abreißen mussten, wird kleiner wieder aufgebaut, und der Restbestand unserer Wohnplätze muss auch den Vorgaben des Teilhabegesetzes entsprechend umgebaut werden“, sagt Bicker.