Detmold. „Autsch!" – Da ist es doch passiert. Hassan streicht über seine Nase, die einen Stich abbekommen hat. An einer empfindlichen Stelle. „Warum hat sie das gemacht?", fragt er seinen Lehrer Constantin Ulbricht, der ihm rät, nicht zuviel zu reiben. Der Schmerz ist seinem Gesicht abzulesen. „Du hast deinen Kopf ruckartig bewegt", erläutert Ulbricht, Lehrer am Felix-Fechenbach-Kolleg (FFB). Hassans Mitschüler haben sofort die Creme gegen Bienenstiche zur Hand. Sein Fehler: Er hat das oberste Gebot langsamer, bedächtiger Bewegungen am offenen Bienenstock nicht beachtet. Davon gibts im Schulgarten gleich fünf. Tausende der fleißigen Krabbler wimmeln in den Bienenwaben der beweglichen Holzrähmchen, die im Abstand weniger Zentimeter in der „Beute" eingesetzt werden. Eine alte Bezeichnung, die kenntlich macht, wie lange es die Symbiose von Menschen und Bienen schon gibt. Das Wort „Beute" wurde im 8. Jahrhundert zuerst für ein Backbrett oder einen Backtrog und später für den Waldbienenstock benutzt. Tatsächlich sind die Menschen schon seit Jahrtausenden an Wachs und Honig interessiert und betätigen sich als Imker (Bienen = „Immen"). Mit bloßen Händen wird hantiert Die braunen (nicht gelben) Honigsammler leben in der „Beute" unglaublich dicht zusammen. Zehntausende Bienen gehören zu einem Volk und produzieren mit sprichwörtlichem Fleiß die süße Nahrung für den Nachwuchs, der auch den Menschen zugute kommt. Mit ihren Körpern decken sie die Waben-Holzrähmchen, in denen sie wohnen, komplett zu. FFB-Schüler studieren fasziniert das quirlige Leben in den Bienenhäusern des Schulgartens. Sie lehnen die Schutzkleidung ab, die ihnen Lehrer Ulbricht immer wieder aufnötigen will. In T-Shirts und mit bloßen Händen hantieren sie an den Waben-Rähmchen, ziehen sie aus der Beute heraus, ernten den Honig und setzen sie wieder ein. Sie steuern die Bewegungen der Bienen mit dem „Smoker", der Rauch ausbläst, vor dem die Bienen bedächtig davonkrabbeln. „Wenn man sich richtig verhält, wird man nicht gestochen", erläutert Maschinenbauingenieur Ulbricht, der seinen Schülern das gern mit von Bienenkörpern vollkommen eingehüllter Hand beweist. Er hat die Bienenzucht im Schulgarten etabliert, und seine Schüler versorgen inzwischen mehrere Völker. Handwerkskunst trifft Bienenzucht Eigentlich lernen sie Holz- und Metalltechnik im Klassenverband der „HBT 2b". Was hat das mit Bienenzucht zu tun? „Wir bauen die Behausungen für die Bienen selbst", erläutert Ulbricht. Und das erfordert Handwerkskunst und Ingenieurleistungen. Die fleißigen Bienen brauchen ein komfortables Sammler-Zuhause und eine sensible Behandlung. Dann liefern sie bereitwillig ihr süßes Produkt. „50 Kilo Jahresernte pro Volk sind drin", erzählt Hassan. Fünf Kisten, fünf Völker: eine gute, ergiebige Ernte. Die Bienen sammeln vor allem im Schulgarten. „Im vergangenen Jahr hatten wir eine tolle Obstblüte", erzählt Constantin Ulbricht. Da habe der Honig entsprechend blumig-fruchtig geschmeckt. „Köstlich", schwärmt der „Bienenvater". Das Bienenzucht-Experiment und die intensive Resonanz bei den Schülern bringt Schulleiter Wolfgang Wilden auf neue Ideen. „Wir werden Obst und Gemüse anpflanzen und aus dem Schulgarten einen richtigen Lern-Ort machen", sagt er. Nicht nur die Bienen freuen sich über diese Nachricht.