Detmold. Nach einem Wildunfall ist ihm seine Hündin Kira entlaufen: Mathias Meusert ist Jäger und suchte am Freitag, 16. Januar ein möglicherweise verletztes Wildschwein. Laut der Polizei hatte ein Autofahrer das Tier gestreift und es war daraufhin ins Dickicht gelaufen. Die Beamten hatten den Jäger gefragt, ob er das Tier suchen könne. Bei der Suche mit der Deutschen Wachtelhündin ließ er deren Schleppleine versehentlich fallen – und Kira verschwand im Wald. Erst zwei Tage später wurde sie wiedergefunden. Trotz Kälte war die Hündin „top fit“. Tierärzte erstaunt das nicht. Dass es der Hündin gut ging, überraschte Dr. Kristina Loth und Karin Lahroud von der Detmolder Tierarzt-Klinik „Livania“ nicht. Sie erklären, wie Hunde im Wald überleben. Doch eins machen die beiden Tierärztinnen klar: Nicht jeder Hund würde es schaffen. Es käme auf die Hunderasse an, sind sie sich einig. Die Hunderasse machts „Hunde haben gute Reserven für Hungersnöte“, sagt Dr. Kristina Loth. Ähnlich wie der Mensch könne ein Hund wochenlang von seinen Reserven leben. Vor allem, wenn der Vierbeiner eine gute Kondition habe. Das wichtigste aber sei die Hunderasse selbst, ergänzt Karin Lahroud: „Ob es einer vom Förster oder ein Chihuahua ist, der nur auf der Couch liegt.“ Laut Loth sei der Körper des Hundes entscheidend. „Körpergröße, Fellbeschaffenheit, Unterwolle“ machten bei Kälte einen großen Unterschied. Viele Hundehalter kennen es: Wenn der Hund sich auf seinem Körbchen im Kreis dreht, hier und da kratzt und sich schließlich hinlegt. „Das gehört zum Instinkt“, sagt Lahroud. Das würde auch im Wald passieren: „Die Hunde suchen sich geschützte Stellen, machen den Untergrund platt, rollen sich ein, damit die Füße unter dem Körper sind – und atmen in den Bauch.“ Ein Hund ohne Unterwolle hätte es schon schwerer. Habe er dichtes Fell, stünden seine Chancen sehr gut. Kalte Temperaturen machten ihnen nichts. Erst bei minus 15 Grad sehe es schlecht aus, sagt Loth: „Wenn der Körper im Schlaf runterfährt, das könnte gefährlich sein. Aber auch bei diesen Temperaturen würde er eine Nacht überleben.“ Wenn es wärmer sei, dann deutlich länger als drei Tage. Wildtierkot zum Überleben Was frisst der Hund den ganzen Tag? „Wildtierlosung“, erklärt Karin Lahroud. Den Kot von anderen Wildtieren. Auch Mülleimer in der Nähe würden von Hunden untersucht. Dr. Loth ergänzt: „Je nach Hunderasse würde er auch an etwas Totem nagen.“ Und: Ausgebildete Jagdhunde könnten sich mit etwas Glück auch etwas packen. Hat ein Hund nichts mehr zu fressen, tritt der Hungerstoffwechsel ein: „Der Körper geht an seine Reserven“, erklärt Karin Lahroud. Zuerst komme das Glykogen aus der Leber, danach baue der Körper Proteine ab, bis keine Nährstoffe mehr vorhanden seien. Ab zum Tierarzt Ein Hund könnte also laut den beiden Tierärztinnen wochenlang überleben, auch im Winter. Vorausgesetzt: Er hat eine gute Kondition, Unterwolle und ist nicht der kleinste Vierbeiner. Was sollte ein Hundehalter tun, wenn er seinen Hund verloren hat, er aber wieder auftaucht? „Entwurmen!“, sagen beide gleichzeitig und lachen. Doch es gibt noch mehr zu beachten, erklärt Karin Lahroud: „Nach Verletzungen schauen und kontrollieren, ob er eine Kralle verloren hat.“ Hunde würden sehr viel laufen. Sie erinnert sich an einen Hund, der sich die ganze Hornhaut unter der Pfote abgelaufen hatte. „Die Schleimhäute sollten auch kontrolliert werden“, ergänzt Dr. Loth. Beide sind sich einig, dass der Hund gründlich gebadet werden sollte. Dabei seien auch Hautabszesse gut zu erkennen. Um zu verhindern, dass ein Hund wegläuft, seien Geschirre eine gute Option. Außerdem sollte der Hund, wenn er denn mal frei läuft, nur in Sichtweite und gut zu greifen sein. Läuft der Vierbeiner doch mal weg, sei ein GPS-Halsband von Vorteil.