Dörentrup-Hillentrup. In der Nacht zu Samstag haben Unbekannte kurz nach 1 Uhr die Türen der Kirche in Hillentrup gezielt in Brand gesetzt. Sie stapelten Buchen-Holzscheite vor dem Haupt- und Nebeneingang auf und zündeten diese an. Trotz erster Löschversuche seitens der herbeigerufenen Polizei und anschließendem Löschangriff der Dörentruper Feuerwehr sind die beiden gut einhundert Jahre alten historischen Eichentüren laut Kirchenvorstands-Vorsitzendem Björn Kerber nicht mehr zu retten. Die Schadenshöhe kann derzeit noch nicht beziffert werden. Die Kriminalpolizei ermittelt. Entdeckt hatte den Brand ein aufmerksamer Nachbar. Patrick Kuhfuß (33) traute seinen Augen nicht. Der Hillebtruper, der in der Straße Rawaule im Dachgeschoss direkt neben der Kirche wohnt, saß Samstagnacht noch spät am Computer als er „ein seltsames Leuchten" an der Kirche bemerkte. „Ich dachte zunächst, dies sei ein ewiges Licht oder so etwas ähnliches",sagt Kuhfuß. Dann machte er sich aber doch mit Handy und Taschenlampe auf den Weg zur Kirche und traute seinen Augen nicht. Vor beiden Kirchentüren waren Holzscheite aufgestapelt und angezündet worden. „Es brannte auch schon der untere Teil der beiden Türen", sagt Kuhfuß, der sofort die Polizei anrief. Diese setzte um 1.28 Uhr den Notruf an die Feuerwehr Dörentrup ab. "Hier handelt es sich um gezielte Brandstiftung" „Feuer Eins – eine Kirchentür brennt" – eine solche Benachrichtigung hat Einheitsführer Florian Weihs in seiner Zeit als Feuerwehrmann noch niemals gehört. Mit vier Einsatzfahrzeugen traf die Dörentruper Wehr kurz nach der Polizei an der Kirche ein. „Die Lage war sofort klar. Hier handelte es sich um gezielte Brandstiftung. Der Täter muss sich Zeit genommen haben um das Holz aufzustapeln und in Brand zu setzen", vermutet Weihs. Auch der über dem Haupteingang angebrachte Bewegungsmelder schien den Täter nicht gestört zu haben. Mittlerweile hatte sich das Feuer durch beide Kirchentüren durchgebrannt. „Die Polizei hatte schon mit Feuerlöschern versucht, den Brand zu löschen", erklärt Weihs. Die Dörentruper Wehr hatte dank dieser Vorarbeit die Lage schnell unter Kontrolle. Allerdings sei es durch das Feuer und die Löscharbeiten zu einer massiven Rauchentwicklung im Inneren der Kirche gekommen, weshalb Kirchenvorstand Kerber die Schadenshöhe aktuell noch nicht beziffern möchte, denn „möglicherweise ist durch den Rauch Inventar, eventuell sogar die Orgel ebenfalls zu Schaden gekommen". Wie Feuerwehr und die ebenfalls noch in der Nacht in Hillentrup eingetroffene Kriminalpolizei geht auch Kerber von Mutwillen aus und ist darüber völlig fassungslos. „Es gibt hier keine Vorgeschichte mit Vandalismus oder Schmierereien", erklärt er. Als er nach dem Anruf der Polizei auf dem Weg zur Kirche war, habe er noch gedacht, irgendwer hätte sich „einen Jux" erlaubt. Dann aber sah er das Ausmaß des Schadens: zwei zerstörte rund einhundert Jahre alte Eichentüren mit ebenfalls rußgeschwärzten handgeschmiedeten Eisenbeschlägen. "Wie kommt man auf so eine dumme Idee" Pastorin Elisabeth Hollmann-Plaßmann traf am Samstag am Schadensort ein. Auch ihr ist das Motiv des Täters oder der Täter „wenig greifbar". Entweder wolle man der örtlichen Kirchengemeinde schaden oder der Kirche im Allgemeinen oder „möglicherweise sogar überhaupt ein öffentliches Gebäude beschädigen", kann die Geistliche nur vermuten. Auch Nachbar Patrick Kuhfuß ist entsetzt: „Wie kommt man auf so eine dumme Idee", fragt er sich, ist sich aber ganz sicher darin, dass er den Täter nicht in der Nachbarschaft oder in der örtlichen Jugend vermutet. „Ich bin jahrelang in den Jugendtreff gegangen, der immer noch in der Kirche stattfindet. Die Besucher dort sind doch allesamt eng mit der Kirche verbunden. Sowas macht doch keiner", sagt er. Noch in der Nacht habe er die Bilder einer Überwachungskamera, die sich an seinem Haus befindet, ausgewertet. „Aber hier ist um diese Zeit niemand in Richtung Kirche gegangen". Daher müssten die Täter vom Parkplatz vor der Kirche aus hantiert haben. Mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei in dieser Sache. Am Montagmorgen gab es laut Dr. Laura Merks, Pressesprecherin der Polizei in Lippe, noch keine Neuigkeiten. "Die Ermittlungen laufen noch", sagt Merks auf Nachfrage. Hinweise nimmt die Polizei-Dienststelle Lemgo unter der Telefonnummer 05261-9331520 entgegen.