Hornitex: Bilanz einer Insolvenz

Amtsgericht Detmold schließt Teil des Insolvenzverfahrens über ehemalige Firma Hornitex ab

Manfred Brinkmeier

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Hier liegt sehr viel am Boden: Das ehemalige Unternehmen Hornitex musste 2001 Insolvenz anmelden und trägt heute den Namen Glunz. Von ehemals 2000 Mitarbeitern sind heute auf dem riesigen Gelände im Stadtteil Horn nur noch 130 Arbeitnehmer tätig. - © Vera Gerstendorf-Welle
Hier liegt sehr viel am Boden: Das ehemalige Unternehmen Hornitex musste 2001 Insolvenz anmelden und trägt heute den Namen Glunz. Von ehemals 2000 Mitarbeitern sind heute auf dem riesigen Gelände im Stadtteil Horn nur noch 130 Arbeitnehmer tätig. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Horn-Bad Meinberg. Für viele Horn-Bad Meinberger ist der 29. Juni 2001 ein schwarzer Freitag gewesen. Damals hatte die Hornitex-Unternehmensgruppe Insolvenz anmelden müssen. Im Mai wird ein Teil des Verfahrens abgeschlossen.

Einer, der von Anfang an dabei war, ist Bürgermeister Eberhard Block. Er wurde seinerzeit auf einstimmigen Beschluss des Stadtrates in den Gläubigerausschuss gewählt. Nach seinen Angaben waren von der Insolvenz vier Firmen an den Standorten Horn, Beeskow (Brandenburg), Duisburg und Nidda (Hessen) betroffen. Insgesamt seien rund 4500 Mitarbeiter beschäftigt gewesen – davon allein 2000 in Horn.

Insolvenzverwalter Dr. Wer-ner Schreiber führte Ende 2004 das Werk in Beeskow aus dem Insolvenzverfahren. Zudem verkaufte er den Betrieb in Nidda an die Pfleiderer-Gruppe. Im Februar 2006 übernahm die portugiesische Gruppe Sonae Indústria mit Sitz in Maia (Portugal) den Standort Horn. Das Weltunternehmen ist in Deutschland an der Glunz AG beteiligt und hat auch die Hornitex-Standorte in Duisburg und Beeskow übernommen.

Im Hornitex-Insolvenzverfahren geht es inzwischen nur noch um den Standort Horn, wobei allerdings der heutige Glunz-Betrieb aus der Insolvenzmasse heraus ist. Übrig geblieben sind als große Posten Anteile am Kesselhaus und die ehemalige Hornitex-Deponie. Die hat inzwischen nach einer aufwendigen Sanierung der Horn-Bad Meinberger Unternehmer Johannes Kubiak erworben und auf dem Gelände eine Photovoltaikanlage errichtet.

Die Gesamtsumme der Insolvenzmasse hat sich aufgrund der Betriebsfortführung von rund 18,7 Millionen Euro (Stichtag: 1. September 2001) auf etwa 24,3 Millionen Euro (Stichtag: 31. Dezember 2012) erhöht. Hinzu kommen nach Angaben von Eberhard Block noch Vermögenswerte von knapp 10 Millionen Euro (unter anderem Anteile am Kesselhaus). Es gibt rund 2800 Gläubiger, wozu die Stadt, Banken sowie Handwerksbetriebe gehören. Hinzu kommen noch Mitarbeiter, die zum Beispiel Forderungen für entgangenen Urlaub eingereicht haben.

Die Gesamtsumme aller Forderungen beträgt rund 256 Millionen Euro. Im Dezember vergangenen Jahres hat es laut Block einen Beschluss des Detmolder Amtsgerichts in einem Teilbereich des Verfahrens gegeben. „Festgelegt wurde eine Teilquote von 8 Prozent. Diese Summe soll im Mai zur Auszahlung kommen.“

Eberhard Block spricht bezüglich der ehemaligen Hornitex-Deponie von einem Präzedenzfall in Deutschland, muss doch über ein Treuhandkonto die Nachsorge für 30 Jahre gesichert sein. Deshalb habe es intensive Verhandlungen mit dem Regierungspräsidenten Detmold und dem Kreis Lippe gegeben. „Viele kniffelige Fragen mussten geklärt werden. Dazu gehörte auch die Frage, welche Verbindungen es zwischen der Deponie und dem Firmengelände gab. Heute geht das Abwasser in die Kläranlage Horn.“

Der Bürgermeister: „Es handelt sich insgesamt um ein sehr kompliziertes Insolvenzverfahren. Es läuft so lange weiter, bis alle Vermögenswerte veräußert sind.“ Das Ende sei deshalb nach wie vor nicht abzusehen

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