Straßenbahnunglück forderte vier Tote

Manfred Brinkmeier

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Tram und die Unfallstelle: Das linke Foto zeigt eine Straßenbahn 1954 auf der Bleichebrücke mit der evangelisch-reformierten Kirche von Horn im Hintergrund. Auf der historischen Karte von 1936 und auf einem aktuellen Satellitenfoto ist jeweils der Unglücksort markiert. - © Werner Stock, Sammlung Ludger Kenning/Karten, Geobasisdaten NRW
Tram und die Unfallstelle: Das linke Foto zeigt eine Straßenbahn 1954 auf der Bleichebrücke mit der evangelisch-reformierten Kirche von Horn im Hintergrund. Auf der historischen Karte von 1936 und auf einem aktuellen Satellitenfoto ist jeweils der Unglücksort markiert. (© Werner Stock, Sammlung Ludger Kenning/Karten, Geobasisdaten NRW)

Horn-Bad Meinberg. Vor genau 70 Jahren, am 9.12. 1946, hat sich in Bad Meinberg ein schwerer 
Straßenbahnunfall ereignet. Dabei kamen vier Menschen ums Leben. Zudem gab es 15 Schwer- und 30 Leichtverletzte.

Ernst Schäferjohann aus Schlangen war damals 15 Jahre alt. Er erinnert sich noch gut an diesen Tag. „Wir wohnten damals in Bad Meinberg – rund 150 Meter von der Unglücksstelle entfernt an der Detmolder Straße. Mein Vater Adolf hielt sich in Horn auf und wollte mit der Straßenbahn zurück nach Bad Meinberg fahren.“

Allerdings sei der Waggon völlig überfüllt gewesen, so dass er darauf verzichtet habe. Ernst Schäferjohann: „Das hat ihm möglicherweise das Leben gerettet.“ Nach einem Zeitungsbericht vom 14. Dezember 1946 fuhr die Straßenbahn um 16.55 Uhr in Horn ab, gegen 17.10 Uhr sollte sie an der Endstation im Bad Meinberger Kurpark eintreffen. Ernst Schäferjohann: „Mein Vater ging also zu Fuß, und als er kurz vor Bad Meinberg angekommen war, sah er, was passiert war. Er kam gleich nach Hause, um uns darüber zu informieren. Neugierig, wie ich war, bin ich als 15-Jähriger natürlich gleich hin.“

Was war passiert? Vor der Einfahrt nach Bad Meinberg gab es auf Höhe Kreuzenstein eine Zwangshaltestelle, weil anschließend eine Gefällstrecke in Richtung Allee folgte und dort hinter der Kreuzung mit der Detmolder Straße eine starke Kurve zu durchfahren war. An diesem Tag hatte der Fahrer jedoch bereits nachmittags auf Schwierigkeiten mit der Bremse hingewiesen. Die hatten aber offenbar nicht behoben werden können.

Schon während der Fahrt sei deshalb Bremssand gestreut worden, heißt es in dem Zeitungsbericht. Das hat aber alles nichts geholfen. Und so fuhr die Bahn an der eigentlichen Zwangshaltestelle vorbei und mit stark überhöhtem Tempo die Abfahrt nach Bad Meinberg runter. An der Kreuzung – im Volksmund „Dreher“ genannt – sprang sie aus den Schienen, prallte gegen eine Kastanie und stürzte auf die linke Seite. Das Oberteil des Wagens wurde dabei vollständig abgerissen. Britische Besatzungssoldaten leisteten Erste Hilfe und brachten die Verletzten mit ihren Sanitätsfahrzeugen in das Detmolder Krankenhaus.

Wie Lieselotte Mariß in ihrem Buch „Straßenbahnen in Lippe“ schreibt, habe ihre Tante bei dem Unfall beide Beine verloren und sei dann auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben. Auch die Schaffnerin kam zu Tode, während der Fahrer mit leichten Verletzungen davon kam. Die inzwischen verstorbene Horner Autorin: „Es muss schrecklich gewesen sein, alles war voller Blut.“ Sie erinnerte sich, dass sie die blutverschmierten Sachen ihrer Tante zur Pesag (Paderborner Elektrizitätswerk und Straßenbahn AG) bringen musste. „Das werde ich nie vergessen.“

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