Kreis Lippe. Die Jugendpflege im Kreis Lippe macht Ernst: Jugendliche sollen mitreden und mitbestimmen. Ihre Wünsche sollen wahr werden – und zwar direkt und möglichst ohne hohe bürokratische Hürde. Darum findet am kommenden Samstag, 27. Februar, der erste Lippische Demokratie-Kongress statt.
Die Veranstaltung soll der Startschuss für das Projekt „Demokratie leben“ sein, bei dem fünf Jahre lang jährlich 55.000 Euro aus dem Bundesministerium nach Lippe fließen, um von Jugendlichen gewünschte Projekte zu unterstützen.
„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ So steht es im Sozialgesetzbuch, und das nehmen Kreisjugendpflegerin Petra Jürgens und Projektleiter Ekkehardt Loch mit ihrem Team im Kreishaus wörtlich.
„Es geht hier ausdrücklich nicht um die Gründung eines Jugendparlamentes“, betonen die beiden. Denn heute wollten Jugendliche selten dauerhaft Verantwortung übernehmen, zeige die Erfahrung. „Sie lassen sich begeistern, aber eher punktuell, für einzelne Projekte“ – diese Erfahrung hat Ekkehardt Loch schon in den Zeiten gemacht, als er selbst noch in Jugendeinrichtungen gearbeitet hat.
Doch was wollen sie wirklich, die jungen Leute? Dieser Frage ist der Kreis Lippe gemeinsam mit vielen Jugendarbeitern und Ehrenamtlichen bereits in der Vergangenheit auf den Grund gegangen, nicht zuletzt bei den beiden Jugendkongressen 2013 und 2014. Bei der Premiere in Oerlinghausen kamen etwa 40 Heranwachsende, im Jahr darauf in Barntrup waren es schon doppelt so viele. „Das war phänomenal“, schwärmt Ekkehardt Loch noch heute. Denn es habe sich gezeigt, dass sich die jungen Leute wirklich einbringen wollten. Der Übergang von der Schule zum Beruf, der öffentliche Nahverkehr und Ende 2014 auch bereits die Flüchtlingsfrage: All diese Themen hätten die Teilnehmer damals bewegt.
Partizipation, also Teilhabe, lautet das Zauberwort. „Man kann auch Kindern schon beibringen: Ihr habt ein Stimmrecht“, betont Loch. Und genau das hätten die Jugendlichen auch wahrgenommen. „Einmal ist es uns gelungen, eine Anregung innerhalb von acht Stunden umzusetzen“, ergänzt Kreisjugendpflegerin Jürgens.
Wenn also die Vertreter der einzelnen Jugendeinrichtungen – übrigens nach entsprechender intensiver Vorbereitung vor Ort – am kommenden Samstag ab 13 Uhr im Parlamentarischen Bereich des Kreishauses auflaufen, haben sie zunächst die Chance, ihre Meinung, ihre Fragen und ihre Wünsche bei Jürgen Schattmann, dem zuständigem Referatsleiter im Ministerium, sowie bei Landrat Dr. Axel Lehmann und anderen Fachleuten loszuwerden.
Dann beginnen Workshops mit Themen wie „Klartext und Protest“, „Zeitnot“, „Klagemauer“ und „Bilder“, deren Ergebnisse kurz und knackig im Plenum vorgetragen werden. Was daraus erwächst, welche Wünsche sich manifestieren, ist noch vollkommen offen. Es bestünde die Möglichkeit, ein Jugendforum zu installieren, aber das ist nicht Pflicht. „Wir sind da ganz offen“, betont Petra Jürgens. „Die Jugendlichen sollen entscheiden.“