Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Kreis Lippe

"Pokémon Go" erobert auch Lippe

Kreis Lippe. Es gibt sie in vielen Farben und Formen. Manche ähneln gar der Tierwelt, andere erscheinen eher abstrakt. Pokémon haben bereits in den 1990er Jahren viel Aufsehen erregt. Und jetzt sind sie zurück. Seit der Veröffentlichung auf dem deutschen Markt am Mittwoch steht den Fans der Taschenmonster nun nichts mehr im Weg. Ein Gang durch Detmold zeigt, dass hier nun eine Revolution der Spielwelt bevorstehen könnte.

Video auf YouTube

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ich stehe in der Langen Straße und überprüfe meine Ausrüstung. Der Smartphone-Akku ist voll geladen und zur Sicherheit habe ich einen Ersatzakku, eine sogenannte Powerbank, dabei. Ich starte das Spiel und erstelle mir einen Avatar. Dunkelbraune Haare soll sie haben und schwarze Kleidung. Mit ihrem Rucksack und Cappy sieht meine Spielerin aus als würde sie auf Wanderung gehen - oder auf die Jagd. Auf meinem Handydisplay sehe ich nun eine Karte mit den Straßen und Gebäuden um mich. Direkt vor mit erscheint ein "Pokéstop". Ich klicke ihn an und sehe die Brunnen-Installation am Brauhaus. Mit einem Wisch über das Symbol kann ich hier Bälle sammeln.

Nintendo nutzt erstmals die 'erweiterte Realität'

Die Pokébälle sind ein wichtiger Teil des Spiels. Mit ihnen fängt man Pokémon, die kleinen Taschenmonster, die sich der Japaner Satoshi Tajiri einst ausgedacht hat. Bereits 1996 erschien das erste Pokémon-Spiel auf dem Markt. Mit der neuen Spiele-App für Mobilgeräte "Pokémon Go" traut sich Nintendo erstmals in das Feld der erweiterten Realität, der 'augmented reality'. Das Prinzip dahinter ist eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Dazu wird in diesem Fall in bestimmten Spielsequenzen die Kamera des Smartphones aktiviert und die Anzeige um Spielfiguren erweitert.

Auf meiner Karte blinkt ein kleines Tier neben mir auf. Ich klicke es an und das Display verändert sich. Ich sehe die vertraute Bepflasterung der Langen Straße, den Brunnen im Hintergrund, die Ladengeschäfte um mich herum und die Passanten, die verwundert an mir vorbeiziehen. In ihrer Mitte sitzt ein kleines gelbes virtuelles Vögelchen. Ich halte meinen Finger darauf und ziele. Mit dem dritten, wenig gekonnten Wischen nach oben schaffe ich es, einen Pokéball auf das Tier zu werfen. Der Ball öffnet sich und fängt das Tier. Es landet in meiner Sammlung.

In einer der Detmolder Arenen treten die gesammelten Pokémon gegeneinander an

Das Ziel von "Pokémon Go" ist es, möglichst viele Pokémon zu sammeln. Je nach Sammelort, können unterschiedliche Gattungen lauern. In der Nähe von Gewässern finden sich häufiger Monster, die mit dem Element Wasser verbunden sind. Als Spieler versucht man, die gesammelten Pokémon zu stärken und für den Kampf zu trainieren. Dieser findet in Arenen statt, um die drei Teams buhlen. Jeder Spieler kann sich nach Erreichen von Level 5 entscheiden, ob er sich dem blauen, gelben oder roten Team anschließen will.

Detmold hat einige Arenen, wie ich auf der Karte sehe. Eine ist am Aqualip, eine weitere bei der Musikhochschule. Ich strebe die am Landestheater an und durchquere den Schlosspark. Mit meinem Smartphone immer in der Hand begegnen mir weitere Monster, die ich auf dem Weg einsammele. Schnell erreiche ich das nächste Level. Wortfetzen vorbeigehender Jugendlicher bleiben hängen. "Ich habe gerade ein Elektek gefangen", höre ich und schmunzele in mich hinein. Offenbar bin ich nicht die einzige, die hier auf der Jagd ist.

Um "Pokémon Go" zu nutzen, müssen Spieler GPS aktivieren und die App auf ihren Standort zugreifen lassen. Im Spiel bewegt sich der Avatar anhand der eigenen GPS-Koordinaten über die Karte. Manche Spielemente werden sogar erst aktiv, wenn der Spieler eine bestimmte Zahl an Kilometern zurückgelegt hat. Wer spielen will, muss sich also bewegen.

Kontakte knüpfen mit "Pokémon Go"

Vor dem Schloss sehe ich eine Gruppe von gut zehn jungen Männern. Einige gucken konzentriert aufs Smartphone, andere unterhalten sich und lachen. Ich schleiche mich an und sehe, dass dort gleich drei Pokéstops sind, die die Jungs nutzen, um ihre Monster zu stärken. Die jungen Männer gucken mich interessiert an, als ich mich ihnen nähere. Begeistert beginnen sie zu erzählen, wie viel Spaß ihnen das neue Spiel macht.

"Endlich mal ein Grund vor die Tür zu gehen", meint einer. Sie alle haben sich beim Spielen kennen gelernt und wollen sich nun regelmäßig treffen. "Den Kontakt halten wir mit einer Whatsapp-Gruppe und über Facebook", berichten sie mit leuchtenden Augen. Sie fragen mich, in welchem Level ich sei und welchem Team ich angehöre. "Du musst unbedingt ins gelbe Team kommen", raten sie mir. Ich verabschiede mich höflich und gehe weiter. "Vergiss nicht, nach rechts und links zu sehen, wenn du über die Straße gehst", denke ich mir und nehme den Blick vom Display.

Kurz nach der Veröffentlichung des Spiels in den USA gab es Meldungen von Verletzungen, die sich Spieler zugezogen haben. Konzentriert auf ihr Smartphone haben sie Hindernisse in der realen Welt übersehen. Andere sind mit schweren Sonnenbränden zurückgekommen. In Australien gibt es gar eine Polizeistation, die einen Pokéstop beherbergt. "Ihr müsst das Gebäude nicht betreten, um eure Objekte zu sammeln", schrieben die Beamten an die Tür. Aber auch: "Dennoch viel Erfolg bei der Jagd."

Am Landestheater angekommen überprüfe ich meine Spieldaten. Ich bin mittlerweile in Level 5 und damit weit genug, um eine Arena zu betreten. Auf den ersten Blick sehe ich keine anderen Spieler um mich herum, auch wenn mir die App anzeigt, dass einige bereits in der Arena kämpfen. Ich lasse es darauf ankommen und trete an.

Ganze 30 Sekunden hält mein Pokémon dem Angriff stand. Ich sehe ein, dass wohl noch kein Pokémon-Meister vom Himmel gefallen ist und nehme mir vor, weiter zu üben. Und wer weiß, wen man dabei kennenlernt? Einer der Jungs im Park meinte immerhin: "vielleicht treffen sich beim Spielen ja zwei, die am Ende heiraten?"

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.