Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Kreis Lippe

Lippische Ärzte operieren jetzt mit 3D-Technik

Gynäkologen am Klinikum Lippe setzen ein hochmodernes Bildgebungssystem bei Eingriffen ein

Kreis Lippe. Die 66-jährige Elvira Pulovic (Name geändert) ist glücklich, denn nur fünf Tage nach einer schwierigen Tumoroperation in der Gynäkologie des Klinikums Lippe in Detmold kann sie wieder nach Hause. „Sie ist unsere zweite Patientin, bei der wir während einer großen Operation mit Lymphknotenentfernung die 3D-Technik zum Einsatz brachten", sagt der leitende Gynäkologe Dr. Olaf Baumann.

Das 80.000 Euro teure Gerät heißt „Einstein Vision" und ist ein Bildverarbeitungssystem für Eingriffe in die Bauchhöhle mit 3D-HD-Qualität, beruhend auf modernster optischer, elektronischer und mechanischer Technologie. Bei der Bauchspiegelung dringen die Mediziner mit einer Stablinse in Körper ein, um zu operieren. „Die neue Technik, die in OWL einmalig ist, erleichtert uns die Arbeit und ist für die Patientinnen sehr schonend", sagt der 58-jährige Mediziner. Die Apparatur ermögliche große Baucheingriffe in der Frauenheilkunde in minimal-invasiver Methode – dies bedeutet unter Vermeidung eines großen Bauchschnittes.

Information
High-Tech

Der High-Tech-Apparat „Einstein Vision" besteht aus einem Monitor sowie einer speziellen Kamera- und Rechnertechnik. Ärzten, die eine spezielle Brille tragen, bietet er ein dreidimensionales Bild aus dem Körperinneren des Patienten. Die Darstellung in 3D und eine Auflösung, die an ein Mikroskop heranreicht, lassen die Operateure auch kleinste Veränderungen erkennen. Die neue 3D-Technik eignet sich für klassische minimal-invasive Routineeingriffe, wie die Entfernung der Gallenblase, aber auch für Eingriffe am Magen-Darm-Trakt, an der Gebärmutter oder an den Eierstöcken. (ero)

Dazu zählen die Gebärmutterkrebs-Operationen – hier sei früher häufig ein langer Schnitt, weit über den Nabel hinaus nötig gewesen. Mit der neuen Technik gehören die langen Narben der Vergangenheit an. „Das System liefert gestochen scharfe, dreidimensionale Bilder aus dem Körper", erklärt Baumann. Damit erhöhe sich die Sicherheit für Patienten, vor allem bei großen, komplexen Eingriffen, fügt er hinzu. Die bisherige Bildverarbeitungstechnik habe das Innere des menschlichen Körpers zweidimensional dargestellt. „Wenn zum Beispiel genäht wird, sieht man in der zweidimensionalen Ansicht nicht, wie die Nadel im Raum steht. Erst wenn die Bewegung durchgeführt wird, erkennt man, wie sich die Nadel im Raum befindet", erklärt Dr. Baumann. Der Chirurg müsse hier auf seine Erfahrung zurückgreifen. „Mit der neuen 3D-Optik sehe ich alles dreidimensional und kann auch kleinste Gewebestrukturen in ihrer räumlichen Lage erkennen und mich so besser orientieren", fügt der Gynäkologe hinzu. So würden Blutungen reduziert und Nervenfasern nicht beschädigt. Es sei so plastisch, so real, „dass ich schnell vergesse, dass ich am Bildschirm operiere. Es ist wie bei einer offenen Operation. Dadurch können wir viel entspannter arbeiten", ergänzt der Detmolder Mediziner.

Zufrieden ist auch die 66-jährige Detmolderin, die von Dr. Baumann operiert wurde. „Ich hatte keine Bedenken, und es hat sich gelohnt", freut sich die Rentnerin. Sie habe nur sehr, sehr kleine Schnitte, keine Wundschmerzen und könne schon bald nach Hause.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.