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Kreis Lippe

Lipper half 1952 bei der Restaurierung des Hermanns mit

Kreis Lippe. Karl-Heinz Blanke kennt das Hermannsdenkmal in und auswendig – im wahrsten Sinne des Wortes. Und er kennt ihn in der Zeit, als Lippes stolzer Recke mit einigen Einschusslöchern in den Beinen und im Schwert keine allzu gute Figur mehr machte. Blanke war Elektriker und hat die Arbeiten der Firma Turm-Linde 1952 begleitet.

Der 81-Jährige erinnert sich gut daran, dass das Hermannsdenkmal lange Zeit eine gesperrte Zone war. „Die Nazis haben hier ihren Kult getrieben, dann kamen die Alliierten und überall hier um das Denkmal herum gab es Stacheldraht", sagt er und zeigt auf den Weg, der zum Denkmal hinauf führt. Die Figur auf dem Sockel habe einige Löcher im Körper gehabt. „Es hieß, das waren Tiefflieger, aber ich glaube eher, da haben einige Schießübungen veranstaltet."

1952 aber schlug die Stunde der Restauratoren. Die Firma Turm-Linde aus Berlin baute eine Art Gerüst auf. Am 19. Juni wurde die Faust geöffnet und das Schwert in die Bandel-Hütte gebracht. Dort wurden die Löcher geschlossen und die Schrift-Vergoldung erneuert.

Dass überhaupt gearbeitet werden konnte, dafür war Karl-Heinz Blanke mit verantwortlich: Er hat die Lampen angebracht, im Denkmal und in der Hütte. „Das war aufregend, denn man kam bis dahin ja nie in den Hermann hinein. Und als ich im Innern hinaufgestiegen bin, da hat es schon etwas geschwankt", erzählt der Detmolder schmunzelnd.

Und er erinnert sich noch an einen wagemutigen Detmolder, der kurzerhand an einer Strickleiter nach oben kletterte. „Die Firma Turm-Linde hatte die angebracht, aber nur provisorisch. Die haben gerufen, aber der hörte nicht. Als er oben war, hat er dann gesehen, dass die Leiter nur mit einem dünnen Draht befestigt war - da ist er dann doch sehr blass geworden."

Die spektakuläre Restaurierung war am 13. August 1952 beendet. Später stattete Blanke dem Recken noch einmal einen Besuch ab. Ein Lehrling bat ihn darum, mal im Inneren nach oben klettern zu dürfen. „Bis zur Hüfte ging es, dann war es vorbei. Höhenangst." Da habe auch der Hinweis nichts genützt, dass der Hermann ja schon einige Jahrzehnte und viele Stürme überstanden hat.

Und jetzt gab es den zweiten Frühling – wie wirkt der Hermann so frisch gereinigt? „Ich hätte das gar nicht bemerkt, allerdings war ich auch lange nicht mehr hier oben. Als Lipper ist er einem wichtig, aber man weiß ja, dass er da ist. Da kommt man dann mal vorbei, wenn man Besuch hat."

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