Detmold. Einer bestimmt, alle anderen setzen es um – dieser Führungsstil passt nicht mehr in die heutige Zeit. Heute müssen Unternehmen die Digitalisierung stemmen und ihre Mitarbeiter mitnehmen – ihr Wissen als Schwarmintelligenz nutzen. Wie das funktioniert, hat Dr. Martin Emrich gestern Abend in der Reihe Zukunftsperspektiven „Digitalisierung 4.0" im Hangar 21 erklärt.
Denkfehler 4.0
4.0 – warum die Digitalisierung Ihr kleinstes Problem ist". Karten gibt
es für 49,90 Euro unter Tel. 05231 911113, in allen LZ-Geschäftsstellen
und auf LZ.de/erwinevent.
Der Stuttgarter formte die rund 80 Gäste zu einem Schwarm und machte in einem Quiz anschaulich, wie man auch in großen Gruppen Entscheidungsprozesse transparent machen kann. Die Smartphones wählten sich in ein Netzwerk ein und unter www.Mentimeter.de wurde gespielt und bewertet.
Alle hatten dabei ein Ziel, und genau das ist aus Sicht Emrichs eine Grundvoraussetzung, um Schwarmintelligenz zu nutzen. „Der, der die Richtung vorgibt, ist in vielen Fällen nicht der Geschäftsführer, sondern es sind die Personen im Unternehmen, die es schaffen, dass sich die anderen an ihnen orientieren", sagte Emrich.
Gerade diese Fähigkeit sei heute um so wichtiger, weil sich mit der Digitalisierung 4.0 viele Ängste verbinden. Die Wissenschaft kürze das mit dem Begriff „VOKU" ab. Die Gesellschaft müsse mit Volatilität (Schwankungen), Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (Mehrdeutigkeit) umgehen. „Um zu bestehen, muss man mitschwimmen", riet der Coach. Er empfahl, sich zu vernetzen, aber Kriterien anzulegen. „Trennen Sie sich von denen, die Sie runterziehen, den Mühlsteinen. Vernetzen Sie sich mit denen, an denen Sie wachsen können, die Sie prüfen, und mit denen, die Ihnen gut tun."
Unternehmen empfehle er eine offene Gesprächskultur und Fehler als das zu sehen, was sie sind: die Möglichkeit aus ihnen zu lernen und Dinge zu verbessern. Statt in alten Hierarchie-Strukturen zu denken, müsse die Pyramide umgekehrt werden. „Führung ist mehr, als Aufgaben zu delegieren. Nur wenn überall mitgedacht wird, erreicht man optimale Ergebnisse", erklärte Emrich, der zwischendurch auch für seine Bücher warb. 50 habe er geschrieben, das letzte sei ein Bestseller geworden. „Das heißt nicht, dass die anderen schlecht waren, sondern das ich aus ihnen gelernt habe." Das sei besser, als jahrzehntelang an einem Buch zu arbeiten, um es perfekt auf den Markt zu bringen. Perfektionismus blockiere die Agilität. Wer bei der Entwicklung vorne dabei sein wolle, müsse Produkte schnell auf den Markt bringen und sie dann weiter verbessern.
Auf sich selbst gemünzt, forderte Emrich eine Bewertung des Publikums per Mentimeter ein – und er konnte durchaus zufrieden sein. Der Schwarm fand es unterhaltsam, informativ und nutzbringend.
Die Veranstaltungsreihe , die von der LZ gemeinsam mit der Akademie Denkflügel, Weidmüller, der Kulturfabrik, Liebharts Privatbrauerei, der Lippe Bildung eG und Beresa organisiert wird, wird im Januar fortgesetzt. „Die Folgen der Digitalisierung sind heute überall spürbar. Wir wollen deshalb aktuelles Wissen vermitteln und Menschen zusammenbringen", betonte Ralf Freitag, LZ-Geschäftsführer für Medien und Kommunikation.