Apotheker impfen gegen Grippe: Modellversuch in Westfalen-Lippe

Wiebke Wellnitz

Passanten stehen Schlange vor einer Apotheke. In der Corona-Krise haben die Apotheker in Deutschland einen Rekordumsatz verzeichnet.   - © Julian Stratenschulte/dpa
Passanten stehen Schlange vor einer Apotheke. In der Corona-Krise haben die Apotheker in Deutschland einen Rekordumsatz verzeichnet.   (© Julian Stratenschulte/dpa)

Detmold. In Westfalen-Lippe könnten zukünftig mehr als 700 Apotheken die Grippeschutzimpfung anbieten. Das haben der Apothekerverband Westfalen-Lippe und die AOK Nordwest in einem Modellprojekt vereinbart, teilte die Krankenkasse mit. Zu den Modellregionen gehört auch OWL.

Die logistischen Vorbereitungen liefen bereits jetzt an, so die Krankenkasse. Dazu gehören die Beitrittserklärungen der Apotheken, die an dem Modellvorhaben teilnehmen möchten, und die Qualifizierung der Apothekerinnen und Apotheker.

Impf-Apotheken als Ergänzung zu Arztpraxen

Mit den ersten Impfungen ist dann zum Start der neuen Grippe-Saison zu rechnen. „Mit unserem gemeinsamen Modellprojekt nutzen wir konsequent den Gestaltungsspielraum, den uns der Gesetzgeber gegeben hat, und verbessern damit gleichzeitig die medizinische Versorgung unserer Versicherten", so Tom Ackermann, AOK-Vorstandsvorsitzender.

Ausgestattet mit der nötigen Kompetenz sind die Apotheken vor Ort neben den Arztpraxen eine patientennahe und qualitätsgesicherte Anlaufstelle für vielen Menschen, um sich gegen Grippe impfen zu lassen. „Dabei sehen sich die Apotheken nicht in Konkurrenz zu den Ärzten. Vielmehr zeigen die Erfahrungen aus anderen Staaten und Bundesländern, dass Impf-Apotheken vor allem die Menschen erreichen, die sich zuvor nicht haben impfen lassen. Die Apotheken sind also eine zusätzliche, unkomplizierte Möglichkeit für die Menschen, sich gegen die Virusgrippe impfen zu lassen", so AVWL-Chef Michels.

Modellvorhaben wird wissenschaftlich begleitet

Denn gemeinsames Ziel von AOK und AVWL ist es, die Durchimpfungsrate der Bevölkerung in Westfalen-Lippe weiter zu steigern, erklärte die Krankenkasse. Nach Angaben der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut seien nur 35 Prozent der Risikogruppe der über 60-Jährigen gegen Influenza geimpft.

Grippeschutzimpfungen auch in Apotheken durchzuführen, macht das zum 1. März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz möglich. Das Modellvorhaben läuft über einen Zeitraum von drei Jahren und wird nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Standards begleitet und ausgewertet.

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