Unwetter: Erste kräftige Regenschauer und Gewitter über Lippe

Kirsten Fuhrmann und Wiebke Wellnitz

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In Lippe kann es zu Gewittern kommen. - © Symbolbild: Pixabay
In Lippe kann es zu Gewittern kommen. (© Symbolbild: Pixabay)

Kreis Lippe/OWL. Vor schweren Gewittern und Starkregen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) ab Donnerstagnachmittag gewarnt. Lippe ist sowohl am Donnerstag als auch am Freitag größtenteils glimpflich davongekommen. In Lügde schlug am Donnerstagabend ein Blitz in einem Haus ein. Nennenswerte Einsätze gab es darüberhinaus laut Feuerwehr-Leitstelle nicht - auch nicht am Freitag (Stand 19.30 Uhr).

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Feuerwehr rettet Küken

In die Angermünder Straße in Lügde musste die Feuerwehr am frühen Donnerstagabend ausrücken. Ein Bewohner eines Wohnhauses, der während des Blitz-Einschlages im Haus war, hatte dieses beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte bereits verlassen und wurde anschließend durch den eintreffenden Rettungsdienst betreut.

Die Feuerwehr konnte in Lügde Schlimmeres verhindern. - © Feuerwehr Lügde
Die Feuerwehr konnte in Lügde Schlimmeres verhindern. (© Feuerwehr Lügde)

Die Einsatzkräfte konnten das Feuer durch den Einsatz eines Strahlrohres über die Drehleiter und eines Hipress im Innenangriff schnell unter Kontrolle bringen. Durch den gezielten Einsatz von Löschwasser konnten Folgeschäden vermieden werden. Da aufgrund des Einschlages viele Steckdosen, Verteilerdosen sowie Lampen teilweise aus den Wänden und Decken gesprengt wurden, ist das gesamte Gebäudeinnere mit der Wärmebildkamera kontrolliert worden. Im weiteren Verlauf wurden aus dem Keller Küken aus einer Aufzuchteinrichtung gerettet und bei einem Nachbarn untergebracht. Parallel wurde das Gebäude mit dem Überdrucklüfter entraucht. Das teilt die Feuerwehr mit.

Durch den Energieversorger wurde das Gebäude vorsorglich von der Stromversorgung getrennt und die Unterverteilung kontrolliert. Die umliegenden Anwohner wurden darauf hingewiesen, ihre Elektroinstallation durch einen Elektrofachbetrieb überprüfen zu lassen.

Unwetter auch am Freitag erwartet

Schwere Unwetter werden ab Freitagmittag im gesamten Bundesgebiet erwartet. Die Menschen müssten mit heftigen Regenschauern und Hagel rechnen. Laut DWD sind am Freitag sogar vereinzelte Tornados möglich.

Ob, wo und wann die schlauchartigen Stürme auftreten könnten, lasse sich noch nicht vorhersagen. „Wir können nur kurzfristig vor einem Tornado warnen, etwa fünf bis sechzig Minuten vorher", so der Tornado-Experte Andreas Friedrich vom DWD. Sehe man eine schwarze Wand auf sich zukommen, sollte man schnell Schutz in fensterlosen Innenräumen oder Kellern suchen. Im vergangenen Jahr hatte es in Deutschland zwischen 40 und 80 Tornados gegeben.

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Der ADAC ruft Autofahrer dazu auf, besonders vorsichtig zu fahren. „Die Geschwindigkeit deutlich reduzieren, den Sicherheitsabstand vergrößern und vorausschauend fahren, ist bei starkem Regen das A und O", sagte der ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold.

In der Nacht zu Samstag ziehen die Schauer und Gewitter nach Osten ab. Der Samstag wird voraussichtlich wechselnd bewölkt. Am Vormittag werden nördlich der Ruhr vereinzelt Schauer erwartet. Der Grund für die Gewitterlage ist eine warme und zunehmend sehr feuchte Luftmasse, die mit einer südwestlichen Strömung nach NRW geführt wird. Nach DWD-Angaben erreicht die Lage am Freitag mit dem Durchzug eines Gewittertiefs ihren Höhepunkt.

Mai ist deutlich zu warm

Die warme Luft, die für das Gewitter verantwortlich ist, ist auch in OWL heute wieder zu spüren - vor allem in den Städten. "Wir kommen an den Rand dessen, was möglich ist", betont der Lübbecker Diplom-Meteorologe Friedrich Föst. Flächendeckend werde es nicht heißer als 30 Grad, sondern pendele sich bei etwa 28 oder 29 Grad ein. "Aber in den Innenstädten wie Bielefeld, Herford oder Minden kann es die 30 Grad durchaus geben."

Diese Temperaturen seien für Mai deutlich zu warm. Normal wären Werte zwischen 16 und 17 Grad, derzeit seien es mehr als zehn Grad oben drauf. "Das ist eine Hausnummer und nichts, was wir jedes Jahr haben", so der Meteorologe. Selbst in den Jahren mit heißen Sommern wie 2019 und 2020 sei der Mai nicht dermaßen warm gewesen. "2019 war der Mai sogar eher kalt. Statisch lässt sich also kein Zusammenhang zwischen einem warmen Mai und einem heißen Sommer herstellen."

Mit Blick auf die grundwasserführenden Bodenschichten wäre regelmäßiger Regen im Sommer und zwischendurch kühlere Temperaturen sogar dringend nötig. Wichtig sei kein Gewitterguss, sondern über mehrere Tage anhaltender Regen. "Wir benötigen einen gleichmäßigen Landregen, damit etwa zehn Liter pro Quadratmeter täglich möglich werden", so Föst.

Der feuchte Sommer im vergangenen Jahr sei Balsam auf die Seele der Natur gewesen. Die Bäume hätten keinen permanenten Trockenstress aushalten müssen, durch kühlere Temperaturen sei auch weniger Wasser verdunstet.

Saharastaub auf dem Weg nach OWL

Doch mit Blick auf die Wetteraussichten ist ein andauernder Regen derzeit unwahrscheinlich. Donnerstagabend und in der Nacht zu Freitag könne es in OWL allerdings wieder gewittern - und Sand regnen. Wie der europäische Atmosphärendienst Copernicus mitteilt, bewegt sich derzeit eine große Saharastaubwolke über den Atlantik in Richtung Westen. Sie dürfte demnach bereits in diesen Tagen die Karibik erreichen.

Ausläufer seien am kommenden Wochenende auch auf der Iberischen Halbinsel und in Teilen Westeuropas zu erwarten, hieß es nach Angaben der "Deutschen Presse Agentur" in der Mitteilung weiter. Doch schon jetzt ist der Staub auch in OWL bemerkbar. "Man sieht den Staub, wenn man genau in den Himmel schaut. Der ist nicht ganz knallig blau", sagt Föst. Der Himmel sei durch den Sand etwas eingetrübt - allerdings sei das eher marginal und für den Laien kaum zu erkennen.

Hohe Sandkonzentration

"Der Aha-Effekt kommt dann erst, wenn die Autos wieder eingesaut sind", so Föst. Aber dafür müsse es regnen, damit der Staub aus der Luft gewaschen werde. Und das könnte am Donnerstag und Freitag passieren. Wo genau Gewitter zu erwarten seien, könne derzeit noch nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden.

Der Atmosphärendienst Copernicus verzeichnete in diesem Jahr bereits hohe Mengen an Sahara-Sand, die über das Mittelmeer in Teile Europas transportiert wurden und in OWL für dreckige Fenster, Gartenmöbel und Fenster sorgten. "Die Sandkonzentration war ganz ordentlich", sagt Föst. Ob diese Mengen an Sand nun häufiger auf OWL herabregnen würden, könne er jedoch nicht sagen.

Dass der Saharasand sich rund um den Globus verteile, sei ein alter Hut. Das Phänomen könne mehrfach im Jahr auftreten. "Durch die großen Umwälzungen in der Atmosphäre findet man selbst in Grönland Saharastaub", erklärt der Meteorologe. Auch andere Sande aus anderen Wüsten würden auf diese Weise in andere Teile der Welt gelangen.

mit Material der dpa

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