Kreis Lippe
Das ist das KRZ: Von der Lochkarte zum Tablet
| von Jost Wolf

Die Anfänge der Datenverarbeitung in den 70er Jahren. - © KRZ
Die Anfänge der Datenverarbeitung in den 70er Jahren. (© KRZ)

Lemgo. „Gemeinsam und auf Augenhöhe" ist das Grußwort der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Kommunalen Rechenzentrums Minden-Ravensberg/Lippe (KRZ) überschrieben. Als Dienstleister stellt der Zweckverband seinen Mitgliedern in den Kreisen Herford, Minden-Lübbecke, Lippe und Höxter viele digitale Anwendungen zur Verfügung. Das über 50 Jahre hinweg erfolgreich zu bewerkstelligen ist angesichts der schnelllebigen IT-Welt eine erstaunliche Leistung, denn 1972, das Gründungsjahr des KRZ, gilt dort als „graue Urzeit der Datenverarbeitung".

„Die Entwicklung der IT vorherzusagen und die Umsetzung in den Verwaltungen vor Ort zu planen, ist immer auch ein bisschen ,in der Glaskugel lesen‘", bemerkt Matthias Kalkreuter. Der Bürgermeister der Stadt Lage ist derzeit Vorsitzender des Verwaltungsrates und der Verbandsversammlung des KRZ.

Modern und mit klaren Linien zeigt sich die aktuelle Zentrale des Kommunalen Rechenzentrums auf dem Campus „Am Lindenhaus“ in Lemgo. - Juergen Rehrmann ©
Modern und mit klaren Linien zeigt sich die aktuelle Zentrale des Kommunalen Rechenzentrums auf dem Campus „Am Lindenhaus“ in Lemgo. (Juergen Rehrmann ©)

Aus 21 Mitarbeitern sind 340 geworden

Was unter dem ersten Leiter des Rechenzentrums, Ernst-August Bracht, im DRK-Gebäude an der Pagenhelle mit 21 aus den Mitgliedskreisen und -kommunen abgeordneten Mitarbeitern begonnen hat, betreut heute mit rund 340 Mitarbeitern 37 Städte und Gemeinden aus seinem Verbandsgebiet. Nutznießer des stark gewachsenen Informatik-Dienstleisters sind landesweit heute mehr als 11,5 Millionen Einwohner.

Wahlbenachrichtigungen werden über das KRZ verschickt. - Juergen Rehrmann ©
Wahlbenachrichtigungen werden über das KRZ verschickt. (Juergen Rehrmann ©)

Zu den traditionellen Aufgaben des KRZ zählen die Entwicklung, Einführung und Wartung klassischer Kommunalanwendungen. Mit einer Dienstleistung hatte jeder Wahlberechtigte schon persönlich Kontakt: Das KRZ verschickt im gesamten Kreisgebiet für die Kommunen die Wahlbenachrichtigungen und kümmert sich auch um die übersichtliche Aufbereitung der ausgezählten Stimmen. Das KRZ ist für die Zweckverbandsmitglieder Ansprechpartner bei vielen EDV-Fragen.

Der „Maschinenraum“ im Marstall-Gebäude – vermutlich in den 80er Jahren. - © KRZ
Der „Maschinenraum“ im Marstall-Gebäude – vermutlich in den 80er Jahren. (© KRZ)

Gerade kleinere Kommunen holen sich derzeit Hilfe bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes, das neben dem Bund, den Ländern auch Gemeinden verpflichtet, bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen auch online barrierefrei anzubieten. Je mehr die Kommunen online sichtbar werden, umso mehr steigt auch ihr Risiko, das Ziel von Cyberangriffen zu werden – und der entsprechende Beratungsbedarf durch das KRZ. Die wegen der Pandemie rapide beschleunigte Ausstattung von Schulen mit Geräten für den digitalen Unterricht trägt ebenfalls dazu bei.

Paderborner GKD bündelt Kräfte mit dem KRZ

Um auch im technischen Bereich weiterhin gut gerüstet zu sein und wirtschaftliche arbeiten zu können, haben die Lemgoer 2018 ihre Kräfte mit der Paderborner Gemeinschaft für Kommunikationstechnik, Informations- und Datenverarbeitung gebündelt.

5,1 Milliarden Euro Einsparung pro Jahr generiert das Angebot an digitalen Diensten durch kommunale Rechenzentren. Das hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunaler IT-Dienstleister (Vitako) durch Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) errechnen lassen. „Bemerkenswert an der Vitako-Studie ist, dass die Gesellschaft für jeden Euro Wertschöpfung, den die kommunalen IT-Dienstleister erwirtschaften, zusätzlich 3,29 Euro einspart – indem Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie die Verwaltung selbst Zeitersparnisse bei der Bewältigung ihrer nun digitalen Verwaltungsangelegenheiten erzielen", erklärt Hanno Kempermann, Geschäftsführer von IW Consult.

Wie teuer ist die Jubiläumsfeier?

Ein rundes Jubiläum muss gefeiert werden. Und 50 Jahre Kommunales Rechenzentrum ist eins. So viel ist klar. Für Irritationen hat in dem Zusammenhang allerdings eine Anfrage der Linken im Herforder Kreistag bezüglich der Kosten der Feierlichkeiten gesorgt. Im Gespräch waren 200.000 Euro Kosten. Tatsächlich liegen die Kosten aber weit unter dieser Zahl.

„Die Kosten (Zelt, Catering, Personal und Unterhaltung) für die Jubiläumsfeier belaufen sich voraussichtlich auf knapp 30.000 Euro", stellte der Verbandsvorsteher des KRZ, Bürgermeister Rüdiger Meier, vor der Feier klar. „Aus Synergiegründen wurde die Jubiläumsfeier mit dem regelmäßig stattfindenden KRZ-Forum zusammengelegt." Bei der bereits im vergangenen Jahr und gleichzeitig mit zahlreichen Corona-Unwägbarkeiten begonnenen Planung habe die Nutzung gleicher Infrastrukturen und Dienstleister für beide Veranstaltungen im Vordergrund gestanden, um Doppelaufwand zu vermeiden.

Hausmesse KRZ-Forum nach vier Jahren Pause

Die Hausmesse KRZ-Forum am Tag nach der Jubiläumsfeier hat 2022 erstmalig nach vier Jahren wieder stattgefunden. „In der Regel wird das KRZ-Forum im Zyklus von zwei Jahren veranstaltet, um die Mitgliedsverwaltungen und Kunden über die neuesten Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung in einer Ausstellung und in zahlreichen Fachvorträgen zu informieren", berichtete Meier in einer Pressemitteilung.

Beide Veranstaltungen hätten in den vergangenen Jahren Corona-bedingt mehrfach verschoben werden müssen. Meier: „Satzungsgemäß erwirtschaftet der Zweckverband, der keine Gewinnerzielungsabsicht haben darf und nach dem Kostendeckungsprinzip arbeitet, die erforderlichen Mittel nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen selbst. Die Kosten beider Veranstaltungen werden aus Mitteln des von der Verbandsversammlung beschlossenen Wirtschaftsplans bestritten."

Historie

1972 – Gründung: Am 1. Januar 1972 wird das „Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (KRZ)" gegründet. Seit 1973 ist ein IBM 370/135-Rechner mit dem Betriebssystem OS im Einsatz.1974 – Daten per Telefon

Mit der Technik der Datenübertragung über Telefon-Wählleitungen ist der Einstieg in die Datenfernverarbeitung geschafft.

1977 – Zweckverband:: Zum 1. Juli 1977 wird die bisherige BGB-Gesellschaft in einen kommunalen Zweckverband umgewandelt. Die ersten 14 Einzelplatzsysteme vom Typ Nixdorf 8820 werden eingesetzt. Das Rechenzentrum zieht in das Marstallgebäude, Schloßstraße 15, um.

1979 – Bildschirme: Das bis dahin im Rechenzentrum eingesetzte Lochkartenverfahren wird durch den Einsatz von Bildschirmen am Arbeitsplatz und durch interaktive Programmierung (ROSCOE) abgelöst.

1980 – Mehr Bildschirme: Im Jahre 1980 werden bereits 85 Bildschirme im Verbandsgebiet aufgestellt. Alle Verbandsmitglieder sind ab 1980 mit Datenfernübertragungsgeräten ausgestattet. Gleichzeitig werden die ersten Nixdorf 8850-Mehrplatzsysteme eingesetzt.

1984 – Betriebssystem: Das Betriebssystem wird von OS auf MVS/SP umgestellt. Die ersten vier Mehrplatzsysteme Nixdorf 8870 für die Krankenhäuser werden eingesetzt.

1987 – Erster PC: Der erste PC wird angeschafft (für „nur" 18.600 Mark). Durch die Einführung der neuen Verwaltungsrechner IBM 9370 werden die bis dahin im Einsatz befindlichen Nixdorf-Erfassungsgeräte ersetzt. Mit dem Einstieg in moderne Programmiersprachen und Bürokommunikationssysteme müssen viele Programme neu geschrieben werden.

1989 – Adé Nixdorf: Das letzte System Nixdorf 8850 wird abgebaut.

1990 – Laserdrucker: Erneut wird eine Betriebssystem-Umstellung von MVS/SP auf MVS/XA vorgenommen. Im Einsatz sind nun IBM 9121-260 und IBM 4381-R14. Das erste Laserdrucksystem wird eingesetzt.

1993 – Postleitzahlen: Ein zentraler Verwaltungsrechner löst die dezentralen Verwaltungsrechner IBM 9370 ab. Die fünf Mehrplatzsysteme Nixdorf 8870 für die Krankenhäuser entfallen und die erste Router-Verbindung im WAN (Wide Area Network – Großnetz) wird eingesetzt. Die Postleitzahlenumstellung zum 1. Juli 1993 wird durch etwa 2100 Programmänderungen, 4,7 Millionen-Adressänderungen und 200 Dateiumstellungen realisiert (etwa 380.000 Mark Personalaufwand).

1994 – Roboter: Das Betriebssystem wechselt von MVS/XA auf MVS/ESA. Zu dieser Zeit sind je eine Anlage des Typs IBM 9672-R21 und IBM 9121-260 in Betrieb. Insgesamt sind nun etwa 1800 Bildschirme und 1000 Drucker an das KRZ angeschlossen. Die Kassettenverarbeitung wird durch einen Roboter automatisiert.

1995 – ISDN-Verbindung: Das Struktur- und Organisationskonzept „KRZ2000" tritt in Kraft. DB2 wird als relationales Datenbanksystem für Großsysteme eingesetzt. Gleichzeitig erfolgt die Inbetriebnahme der ersten ISDN-Wählverbindung.

1996 – Am Lindenhaus: Der Verwaltungsrat beschließt den Kauf des bisher gemieteten Gebäudes „Am Lindenhaus" Nr. 21. Im Verbandsgebiet sind etwa 2800 PCs und 1300 Terminals vorhanden. Ein Großnetz mit Ringstruktur (64 k) verbindet die lokalen Netze im Verbandsgebiet.

1997 – Sicherheit: Der Umbau des Hauses „Am Lindenhaus 21" wird beschlossen und so der Grundstein für das „2-Häuser-Sicherheitskonzept" gelegt.

2000 – Personalservices: Der Personalservice zur Übernahme von sachbearbeitenden Tätigkeiten für Verwaltungen wird aufgebaut.

2002 – Kuvertierzentrum: Im Mai wird das Druck- und Kuvertierzentrums in Betrieb genommen.

2007 – BSI-Zertifikat: Als erstes kommunales Rechenzentrum bundesweit wird das KRZ nach ISO 27001 zertifiziert.

2008 – IP-Telefonie: Einer zentrale IP-Telefonie-Lösung im Kreis Lippe wird in Verbindung mit der einheitlichen Behördenauskunft 115 eingeführt. Es werden Räume im Schloss Brake angemietet.

2009 – Superwahljahr: März Bürgerentscheid, Juni Europawahl, August Kommunalwahlen, September Bundestagswahl. Die Druckleistung wächst von 15.367.000 auf 19.084.000 Seiten.

2015 – Bismarckstraße: Nach der vierten BSI-Zertifizierung nach ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz weiht das KRZ am 24. April 2015 den Neubau „Haus 7" an der Bismarckstraße 23 ein.

2017 – Neubau: Der Bau eines neuen Bürogebäudes „Am Lindenhaus 17/19" beginnt am 1. März 2017.

2018 – OWL-IT: Zum 1. Januar 2018 bilden die Gemeinschaft für Kommunikationstechnik, Informations- und Datenverarbeitung Paderborn (GKD) und das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe den Zweckverband „Ostwestfalen-Lippe-IT" und führen dadurch ihre Technikbereiche zusammen.

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