Barntrup. Lange traten sie auf der Stelle, jetzt ist der Polizei nach einem Großbrand in Barntrup jemand auf frischer Tat ins Netz gegangen. Knapp ein Jahr nach dem folgenschweren Hausbrand am Breslauer Ring haben die Ermittler einen Tatverdächtigen identifiziert und festgenommen. Ein 40-Jähriger aus Steinheim sitzt daher nun wegen versuchten Mordes aus Heimtücke und vollendeter Brandstiftung in U-Haft. Er schweigt. Die Sache, um die es geht, war damals ganz schön brenzlig: Mitten in der Nacht am ersten Weihnachtsfeiertag 2024 zündete jemand einen Schuppen an einer Doppelhaushälfte in Barntup an, das konnten die Ermittler rekonstruieren. Die Flammen gingen daraufhin schnell auf das Wohnhaus über. Die durch das Feuer geweckten Hausbewohner - darunter auch eine Familie mit vier Kindern - konnten sich gerade noch so in Sicherheit bringen. Nach den Löscharbeiten war das Haus lange unbewohnbar. Brandstiftung aus Rache? Laut Staatsanwalt Alexander Görlitz trat die Polizei zunächst auf der Stelle, auch wenn sie teils mehrere Beschuldigte führte. „Eine tatsächliche Feindschaft konnte sich der Geschädigte nicht erklären“, sagt Görlitz. Weil der Brandanschlag auf das Wohnhaus aber nicht die einzige Straftat zum Nachteil des Barntrupers war und blieb, ließen sich die Ermittler auch nicht abschütteln. „Der Mann wurde Opfer einer Vielzahl von Taten“, erklärt der Staatsanwalt. „Dreimal wurde allein versucht, seinen Pkw abzufackeln. Einmal gelang es dem Täter.“ Selbst nach dem Hausbrand sei es zu weiteren Vorfällen gekommen, wobei teilweise Pyrotechnik genutzt und der Gartenzaun angezündet wurde. Tatverdächtiger kehrt zum Tatort zurück Deshalb ordnete Görlitz im Frühherbst an, das Gebäude mit Kameras zu überwachen. Anfang Dezember führte die Videoüberwachung dann tatsächlich zum Erfolg - als der mutmaßliche Täter offenbar zum Tatort zurückkehrte. „Die Polizeikameras haben festgehalten, wie sich der Beschuldigte mit brennenden Fackeln auf dem Grundstück aufhielt“, sagt Görlitz. Dabei kam es wieder zu einer Sachbeschädigung. Die Identität der Person konnte schnell ermittelt werden. Der Beschuldigte ließ sich am Dienstag widerstandslo an seinem Arbeitsplatz festnehmen. Bei dem Mann handelt es sich um einen Bekannten des Hausbewohners, der mit ihm wohl Streit wegen eines Immobiliengeschäftes hatte. Der Steinheimer soll dem Barntruper im Jahr 2022 eine Immobilie in Extertal abgekauft haben. „Er war aber wohl nicht damit zufrieden, was er für sein Geld erhielt“, sagt Staatsanwalt Görlitz. Der Name des jetzt in U-Haft sitzenden Mannes sei bereits am Anfang der Ermittlungen als Randnotiz in einer Spurenakte vermerkt worden, allerdings ohne seiner Rolle eine Bedeutung zuzumessen. Jetzt gehe es darum, dem Beschuldigten auch die anderen mutmaßlichen Brandanschläge nachzuweisen. Staatsanwalt Alexander Görlitz ist optimistisch, dass den Ermittlern das gelingt. Der Hausbewohner selbst kann seit langer Zeit endlich wieder aufatmen. Aus Verzweiflung, da die Ermittlungen lange nicht vorangingen, hatte der Barntruper im März eine Belohnung von 10.000 Euro für sachdienliche Hinweise zum Brand ausgesetzt. Nun überführten Polizeikameras den mutmaßlichen Täter. Dieses Weihnachten sollte daher Ruhe einkehren.