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Kunstschnee aus Ehrsen rieselt leise in Brügge

Gerhard Adriaans entwickelt Beschneiungsanlage für Museum in Belgien

Kunstschnee aus Ehrsen rieselt leise in Brügge - © Salzuflen
Kunstschnee aus Ehrsen rieselt leise in Brügge (© Salzuflen)

Bad Salzuflen/Ehrsen-Breden. Kunstschnee, made in Lippe, verzaubert die Kulisse im belgischen "Historium Brügge". Entwickelt hat die Beschneiungsanlage Maschinenbaumeister Gerhard Adriaans aus Ehrsen-Breden.

Gerhard Adriaans ist ein Tüftler, dem nie eine Aufgabe zu schwer ist. Egal ob ein Schaufelrad für eine Wassermühle oder Aufteilsägen für die Holzindustrie: Der Ehrser ist immer die erste Adresse, wenn es kniffelig wird. Bei seinem jüngsten Projekt geriet jedoch auch der Fachmann ins Grübeln.

Mit den Worten "wir haben ein Problem", wandte sich ein Bekannter aus Bielefeld an Gerhard Adriaans. Im belgischen "Historium Brügge" sollte eine Beschneiungsanlage mit Kunstschnee installiert werden. "Dabei sollte der Theaterschnee nur ganz langsam rieseln. So, als wenn man ihn zwischen Daumen und Zeigefinger langsam loslässt", beschreibt der Tüftler den Kundenwunsch.

Schnee für jede Jahreszeit: Gerhard Adriaans, Erfinder aus Bad Salzuflen, mit einer Handvoll Kunstschnee und der ersten Entwurfszeichnung für das "Historium". - © Foto: Hobein
Schnee für jede Jahreszeit: Gerhard Adriaans, Erfinder aus Bad Salzuflen, mit einer Handvoll Kunstschnee und der ersten Entwurfszeichnung für das "Historium". (© Foto: Hobein)

Eine Beschneiungsmaschine hatte Gerhard Adriaans bis zu dem Zeitpunkt noch nie gebaut. "Sonderlösungen sind genau mein Ding. Massenproduktion wird‘s bei mir nicht geben", unterstreicht der Maschinenbaumeister, der sich vor 28 Jahren mit seinen Entwicklungen selbstständig machte.

Nur vier Wochen gab ihm das belgische Eventmuseum Zeit. Die ersten Planungen für das Gerät waren am Computer schnell erstellt.  "Ich habe in Pappkartons Löcher geschnitten, um zu testen, wie der Theaterschnee rieselt", so Adriaans. Nur wenig später wurde die Maschine dann in Metall gebaut. Filigran feilte er dabei die Löcher in das Blech.

Dann die erste Ernüchterung: Der Schnee ist zu fest, um fein durch die Löcher zu rieseln. Adriaans setzte noch einmal an und perfektionierte die Maschine. Mit Erfolg. Doch bevor sie ins Ausland ging, wurde in der Werkstatt in Ehrsen noch einmal die Funktion ausgiebig getestet. Immer wieder sammelte Adriaans den Kunstschnee auf und ließ ihn erneut rieseln.

Bei der Montage im "Historium Brügge" ging dann alles glatt. An einem Kettenzug wurde die Beschneiungsmaschine hinter den Kulissen versteckt - eine wichtige Forderung des Museums, um die Illusion perfekt zu machen.

Damit die Szenerie allerdings nicht im Theaterschnee erstickt, ist die Bad Salzufler Anlage an eine Kamera gekoppelt, die einen Impuls schickt, wenn ein Besucher den Bereich betritt. "Abends wird der Kunstschnee dann mit einem Schneeschieber aufgesammelt und wieder in die Maschine gefüllt", erklärt Gerhard Adriaans. Den Schneeschieber gab‘s übrigens zur Maschine vom Salzufler gratis dazu. Und der ist - im Gegensatz zum Kunstschnee - echt.

Historium Brügge
Das Eventmuseum "Historium Brügge" liegt mitten im Herzen der belgischen Stadt Brügge. Es entführt die Besucher in das 15. Jahrhundert. In  sieben Räumen wird mit echten Schauspielern und interessanten Kulissen eine Liebesgeschichte im Mittelalter erzählt. Die Besucher sind live dabei - mit allen fünf Sinnen. Die Beschneiungsmaschine aus Bad Salzuflen spielt, zusammen mit Lichteffekten, dabei eine wichtige Rolle. Der Eintritt kostet 11 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen die Hälfte. Zudem gibt es spezielle Familientarife.

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