Lage. Die Spiel- und Lernstube gilt als eines des Aushängeschilder des Kinderschutzbundes. Seit Jahren investieren hier Ehrenamtliche viel Energie, um Kinder, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, zu fördern. Das Angebot geht weit über die nachmittägliche Hausaufgabenbetreuung hinaus. Die pädagogische Leitung der Spiel- und Lernstube hat Sabine Lücke übernommen. Im Interview geht sie auf die von ihr bereits eingeleiteten Veränderungen ein.
Frau Lücke, was genau beinhaltet die Spiel- und Lernstube?
Sabine Lücke: Hier können Eltern ihre Kinder für den Nachmittagsbereich anmelden. Das Angebot ist also nicht offen, aber verbindlich. Allerdings sehr niedrigschwellig. Wir haben von 13.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Das Alter der Kinder liegt zwischen sechs und 14 Jahren. Es stehen 40 Plätze zur Verfügung.
Worum geht es in dieser Betreuung?
Lücke: In erster Linie wird Hausaufgabenbetreuung ganz groß geschrieben. Mit vier Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen achten wir nicht nur darauf, dass die schulischen Aufgaben erledigt werden, sondern stehen den Kindern auch unterstützend zur Seite. Vorbereitende Konzentrationsübungen gehören dazu.
Geben Sie auch Nachhilfe?
Lücke: Auf keinen Fall. Das können wir gar nicht leisten.
Wie der Name schon sagt, geht es nicht nur um lernen, sondern auch um spielen?
Lücke: Genau. Die Kinder werden verbindlich bis 17 Uhr angemeldet. Da bleibt genügend Zeit für freies Spiel und jede Menge Angebote.
Die da wären?
Lücke: Das reicht von Fußball spielen über kegeln bis hin zu Keyboard spielen oder malen. Wir haben einen internationalen Chor und ein Museumsprojekt. Demnächst kommt ein Selbstverteidigungskursus dazu. Wir freuen uns, örtliche Kooperationspartner im Boot zu haben, wie beispielsweise die Musikschule und das Ziegeleimuseum. Ohne Partner geht es nicht.
Wie finanziert sich die Spiel- und Lernstube überhaupt?
Lücke: Durch den Deutschen Kinderschutzbund als Träger, der Aktion Mensch sowie der Stadt Lage. Außerdem sind wir stets auf Spender und Unterstützer angewiesen. Denn das Angebot ist kostenlos. Frisch zubereitetes Mittagessen kommt dazu.
Welche Kinder kommen zu Ihnen?
Lücke: Dreiviertel haben Migrationshintergrund. Fast alle kommen aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien, haben Schwierigkeiten und in der Regel Förderbedarf. Es sind Kinder, die sonst durch das Raster fallen würden, da für deren Eltern eine OGS keine Alternative ist.
Welche Veränderungen haben sie eingeleitet und schon umgesetzt?
Lücke: Erstens nehmen wir jetzt für das Mittagessen einen kleinen Betrag. Zehn Euro im Monat. Einfach, um das Angebot mehr wertzuschätzen. Durch die Einnahmen können wir nun täglich frisches Obst anbieten. Zweitens haben wir eine Honorarkraft eingestellt, die sich speziell um die Jugendlichen kümmert und entsprechende Angebote macht. Seitdem ist es wesentlich ruhiger geworden.
Wie ist der Kontakt mit den Eltern?
Lücke: Wir versuchen, die Eltern viel mit einzubeziehen und haben einmal im Monat eine Eltern-Kind-Aktion eingeführt. Es gibt viele Gespräche. Das möchte ich noch ausbauen. Als systemische Beraterin biete ich Erziehungsberatung an. Mein großes Ziel ist es, eine feste Anlaufstelle in sämtlichen Fragen zu werden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Lücke: Ehrenamtliche für die Hausaufgabenbetreuung. Denn normalerweise bräuchte jedes Kind einen Erwachsenen beim Lernen neben sich.