Lage. In den sozialen Netzwerken herrschte ab dem frühen Samstagmorgen ein reger Austausch über die plötzliche Wasserknappheit in den Lagenser Haushalten. Ursache war ein Wasserrohrbruch im Taschenweg in Lage-Hagen - es war die Haupttransportleitung für Lage-Kernstadt, Waddenhausen, Hagen-Hardissen und Ehrentrup, die am frühen Samstagmorgen komplett abgestellt werden musste. Erst gegen 20 Uhr waren alle Lagenser wieder mit Leitungswasser versorgt.
Je nach persönlicher Lage gingen die Betroffenen sehr unterschiedlich mit der Situation um. Während die einen auf facebook schilderten, wie sie mit Humor und "Ausweichgetränken" dem fehlenden Nass trotzten, erzählten andere von Schwierigkeiten, sich ohne Auto oder anderem Fahrzeug ungeplant mit genug Wasserflaschen aus dem Supermarkt versorgen zu müssen.
Eltern mit kleinen Kindern und Pflegedienste hatten ebenfalls teilweise größere Probleme, das plötzlich weggefallene Leitungswasser zu kompensieren. Eine facebook-Userin wies darauf hin, wie schwierig es sei, einem dementen, pflegebedürftigen Menschen begreiflich zu machen, dass die tägliche Wäsche ausnahmsweise nur mit Feuchttüchern durchführbar sei - wobei auch diese teilweise erst in entsprechender Menge besorgt werden mussten.
Es wurden auch nachdenkliche Stimmen laut. Mehrere User wiesen darauf hin, wie selbstverständlich das fließende Leitungswasser wahrgenommen würde und wie groß die Abhängigkeit letztlich sei. Zudem würde einem jetzt erst so recht bewusst, dass das nun ausgefallene Leitungswasser nicht nur zum Kochen oder Duschen verwendet würde, sondern etwa auch für die Toilettenspülung, was bei einem mehrtägigen Ausfall entsprechende hygienische Probleme nach sich ziehen würde.
„Wir haben alles versucht, doch eine Reparatur ist nur möglich, wenn kein Wasser mehr in den Leitungen ist", bedauerte Stadtwerke-Betriebsstellenleiter Martin Schumacher die Unannehmlichkeiten für die Bürger an einem der heißesten Tage des Jahres. Das komplette Versorgungsnetz musste einmal geleert und anschließend komplett neu gefüllt werden.
„6.000 Anschlüsse sind betroffen, also über 20.000 Lagenser", nannte Arthur Diele konkrete Zahlen. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Lage und sein Kollege mussten am Einsatzort etliche Beschimpfungen über sich ergehen lassen. „Wir können es nicht ändern und es tut uns sehr leid, dass so etwas passiert ist", so Schumacher, der bestätigte, ein Rohrbruch mit solchen Dimensionen sei in den letzten Jahrzehnten nicht vorgekommen.
An der Haupttransportleitung habe wohl der Zahn der Zeit geneigt, sie liegt seit dem Jahr 1974. „Bereits am Freitagabend um 23 Uhr ist das Malheur passiert und wir haben die ganze Nacht versucht, den Bruch ohne Kappen der Wasserzufuhr zu reparieren. Leider erfolglos", erzählt Martin Schumacher von der Entscheidung, morgens um 8.30 Uhr das Wasser abzustellen.
Die Stadt Lage gehört auch zu den Kunden der Stadtwerke und hatte eine ganz besondere Einbuße, denn das Freibad am Werreanger musste am Samstag geschlossen bleiben. „Bei solchen Temperaturen haben wir mit über 800 Badegästen gerechnet", sprach Bäderbetriebsleiter Michale Bicker von fehlenden Einnahmen im vierstelligen Bereich. Die Mitarbeiter waren nicht über den Zwischenfall informiert worden, morgens bei der Öffnung des Bades bemerkten sie durch Zufall die Störung.
„Das ist mehr als ärgerlich", zeigte sich Bürgermeister Christian Liebrecht betroffen. Von unzähligen Leuten sei er angesprochen worden, die eine große Feier planten und nun Sorge hatten, diese absagen zu müssen. „Am späten Nachmittag haben wir wieder alles im Griff und das Wasser wird laufen", beruhigte Arthur Diele mit Blick auf die voranschreitenden Reparaturarbeiten.
Gegen 16.30 Uhr wurde mit der erneuten Befüllung des Wassernetzes begonnen. Die Stadtwerke Lage wiesen darauf hin, dass es eineinhalb bis zwei Stunden dauern könne, bis die Wasserversorgung wieder vollkommen hergestellt sei. Doch erst gute drei Stunden später hatte ein Großteil der betroffenen Lagenser Bevölkerung wieder fließendes Wasser.