Lage-Kachtenhausen. Post von der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen wohl nur die wenigsten. Renate Kleine staunte deshalb nicht schlecht, als der Brief aus Düsseldorf ins Haus flatterte. Er entpuppte sich als Einladung für die zentrale Feier zum „Tag der Deutschen Einheit“ in Saarbrücken. „Sehr geehrte Frau Kleine“, beginnt das offizielle Schriftstück und lässt daher keinen Raum für Zweifel, dass es sich um ein Versehen handeln könnte. Die Angesprochene sei im Hinblick auf ihr gesellschaftliches Engagement der Staatskanzlei als mögliches Mitglied der nordrein-westfälischen Bürgerdelegation genannt worden und deshalb eingeladen, das Bundesland in Saarbrücken zu repräsentieren, heißt es im Laufe des Textes. Outfit bereits im Kopf „Wer mich dafür vorgeschlagen hat, das weiß ich gar nicht“, berichtet Renate Kleine, die nicht lange zögerte, um ihre Teilnahme zu bestätigen. Aus allen deutschen Bundesländern wurden jeweils acht Personen eingeladen und als Vertreterin aus Lippe dazuzugehören, das mache sie schon ein bisschen stolz. Die 77-Jährige strahlt und die Vorfreude auf das viertägige Abenteuer steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. „Ich war noch nie im Saarland“, gibt sie zu und zeigt ein umfangreiches Programm mit Ausflügen und Besichtigungen, das rund um die Feierlichkeiten geplant ist. Zum Haupt-Akt, dem „Tag der Deutschen Einheit“, wurde um entsprechende, festliche Kleidung gebeten. „Kein Problem, da habe ich schon ein passendes Outfit im Kopf“, so Renate Kleine. Die weiße Bluse vom Deutschen Roten Kreuz werde es allerdings nicht sein. Und damit kommt sie direkt zu dem ehrenamtlichen Engagement, welches der Grund für ihre Nominierung ist. „Das hat nichts mit Bedürftigkeit zu tun“ Renate Kleine ist mit Leib und Seele Rotkreuzlerin. Vor 42 Jahren kam sie zum Ortsverein Kachtenhausen, war lange Jahre stellvertretende Vorsitzende und bekleidet seit 2018 den Posten der ersten Vorsitzenden. Es ist der zweitkleinste Ortsverein Lippe, doch was die acht Aktiven hier auf die Beine stellen, ist enorm. „Wir leisten Sozialarbeit im Dorf“, fasst es Renate Kleine zusammen und nennt beispielsweise die Geschenke zu Ehejubiläen sowie zu Geburtstagen für alle Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren oder die Päckchen zu Weihnachten, die an alle ab 70 verteilt werden. „Das hat nichts mit Bedürftigkeit zu tun, sondern soll einfach eine aufmerksame Geste sein“, verdeutlicht Kleine. Neben den regelmäßigen Blutspendeterminen mit einem viel gelobten Salat-Buffet organisiert der DRK-Ortsverein jährlich einen bunten Nachmittag sowie einen Ausflug, zudem werden die Erste-Hilfe-Kurse der vierten Klassen im Dorf finanziert. Gespannt auf Steinmeier Die dafür notwendigen Gelder stammen größtenteils aus den Erlösen beim Weihnachtsmarkt im Ziegeleimuseum, wo die Damen jedes Jahr erfolgreich ihre Handarbeiten verkaufen. „Wir stricken Socken, basteln Dekoratives und klöppeln Deckchen“, zählt Renate Kleine auf. Sie selbst verbringt keinen Tag ohne ihr liebstes Hobby, das Stricken. „Deshalb bin ich überhaupt zum Ortsverein gekommen. Ich wollte gerne handarbeiten“, sagt die Wahl-Kachtenhausenerin. Ob sie für die Reise nach Saarbrücken Nadeln und ein paar Knäuel Wolle eingepackt hat, bleibt ihr Geheimnis. Auf jeden Fall verrät sie, nach der Gastgeberin Anke Rehlinger, als Bundesratspräsidentin und Ministerpräsidentin des Saarlandes, vorab gegoogelt zu haben. Sie sei zudem gespannt auf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls vor Ort sein werde. „Uns beide verbindet immerhin Detmold als Geburtsort“, stellt Renate Kleine schmunzelnd fest.