Lemgo. Menschlichkeit, Toleranz und Respekt sind Werte, mit denen sich Dilan Kalasch identifiziert. Seit Herbst ist die Ex-Realschülerin mit syrisch-türkischen Wurzeln daher Stipendiatin der START-Stiftung. Überzeugt hat Dilan die Jury mit ihrem außergewöhnlichen Einsatz.
Ob als Schülersprecherin, Patin einer 5. Klasse, Dolmetscherin für Flüchtlinge oder ehrenamtliche Helferin im Altersheim – für Dilan Kalasch scheint der Abistress allein nicht genug zu sein. Fast jede Sekunde ihrer Freizeit nutzt die Schülerin des Lüttfelds, um einen kleinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. „Mir macht das total Spaß. Ich bin der Meinung: Wenn man nichts tut, kann sich auch nichts verbessern“, sagt die 17-Jährige.
Dilans Einsatzbereitschaft blieb an der Realschule nicht lang unentdeckt. Daher riet Deutschlehrer Stephan Krause seiner damaligen Schülerin, sich für das Stipendium zu bewerben. „Ich war erst unsicher, bin aber froh, dass ich es gemacht habe. Die Schule hat mich dabei unglaublich unterstützt“, unterstreicht Dilan. Für das Stipendium seien ausschließlich Schüler mit Migrationshintergrund zugelassen, die das Abitur machen wollen und von ihren Eltern nicht finanziell gefördert werden können. Ebenfalls dürfe der Notendurchschnitt nicht schlechter als 2,5 sein.
Von der Stiftung erhält Dilan jetzt monatlich 100 Euro Bildungsgeld. Über den Verbleib muss die Oberstufenschülerin Buch führen. Darüber hinaus gibt es deutschlandweite Pflichtseminare an den Wochenenden, die den Stipendiaten besondere Kenntnisse vermitteln sollen. „Ich war neulich auf einem Rhetorikseminar, das war super spannend“, berichtet Dilan. Ein weiteres Seminar zur Ich-Stärkung stehe demnächst auf dem Plan. Die Stiftung lege großen Wert darauf, Persönlichkeit und den respektvollen Umgang miteinander zu stärken. Für Dilan, die sich auch sehr intensiv in ihrer jesidischen Religionsgemeinschaft engagiert, sind diese Werte besonders wichtig. Daher fühlt sich die junge Frau unter den anderen Stipendiaten gut aufgehoben.
Wo es Dilan nach dem Abitur hinziehen wird, weiß die 17-Jährige noch nicht genau: „Ich will mich erst mal an der Uni inspirieren lassen“, erzählt sie. Auf jeden Fall will sie sich weiter für andere Menschen stark machen. Und das nicht nur, weil sie selbst einer religiösen Minderheit angehört. „Mitgefühl allein reicht nicht, man muss etwas tun. Das geht uns alle etwas an“, sagt sie.