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Lemgo

Lemgo präsentiert ein neues Stadtlogo aus der Feder einer Studentin

Andere Schriftart für Internet und Briefverkehr soll die Lesbarkeit verbessern

Lemgo. Die Stadt bekommt ein neues Logo. Doch Traditionalisten müssen sich keine Sorgen machen: Das normale Stadtwappen – die komplett dargestellte blaue fünfblättrige Rose auf silbernem Schild – wird die Lemgoer bei hochoffiziellen Angelegenheiten wie Urkunden weiter begleiten. Bei einfachen Briefen und Mails stellt die Verwaltung jedoch im Laufe des Jahres um – auf den Entwurf einer Studentin.

Aus der Feder von Melanie Treptow stammt der Vorschlag, der nun den letzten Schliff bekommen soll. Er zeigt zwei Quadrate, eines davon mit angeschnittener Lemgoer Rose, jedoch ohne die vom Wappen bekannte goldene Blütenmitte. Denn: Für die Eigenbetriebe sollen die Blütenblätter eingefärbt werden – etwa Grün für die Forstabteilung. „Da wäre das Gold dann farblich störend beziehungsweise unerwünschter Kontrast", betont Melanie Treptow.

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Raum für die ungeschriebene Zukunft der Stadt

Mit dem neuen Logo assoziiert die Jury die Vergangenheit und Zukunft Lemgos. Ein Quadrat lasse viel Raum für die ungeschriebene Zukunft der alten Hansestadt, erklärt Bürgermeister Dr. Reiner Austermann die Gedanken, die den Politikern und Verwaltungsmitarbeitern beim Auswählen kamen. Das Quadrat mit Rose symbolisiert die Historie.

Aus Jux und Tollerei hat sich die Stadtverwaltung, die eigens eine Jury gebildet hatte, übrigens nicht auf die Suche nach einem neuen Wiedererkennungsmerkmal begeben. Wie Dieter Bredemeier, der zuständige Fachmann im Rathaus, erklärt, ist eine Schriftart Auslöser der Überlegungen. Denn: Bislang schreibt die Stadt ihre Briefe in „Corpo S", einer Schriftart, die nicht kostenlos zur Verfügung steht. Nutzer müssen dafür zahlen – die Stadt Lemgo hat das getan. Soweit so gut, zumindest in Zeiten von in der Rathausdruckerei gefertigten Briefe.

Heutzutage verschicken die Rathausmitarbeiter allerdings immer mehr E-Mails beziehungsweise lassen drucken – im Kommunalen Rechenzentrum, das nicht mit „Corpo S" arbeitet. Dann wird die Lemgoer Schriftart gegen eine Standardausführung gewechselt. „Mit dem Ergebnis, dass Briefe nicht so aussehen, wie sie eigentlich aussehen sollten – etwas beispielsweise verrutscht ist", sagt Bredemeier. Künftig will Lemgo seinen Sonderweg verlassen und mit einer Standardschriftart arbeiten. Im Zuge der Umstellung auf „Verdana" sollen städtische Briefe besser lesbar werden.

Das neue Lemgoer Stadtlogo - © Stadt Lemgo
Das neue Lemgoer Stadtlogo (© Stadt Lemgo)

„In einem Atemzug haben wir uns entschieden, ein neues Logo entwickeln zu lassen", sagt Bürgermeister Dr. Reiner Austermann. Eigentlich sollte der Entwurf bereits im vergangenen Jahr zu den Hansetagen vorgestellt worden – doch es hakte. In Runde eins wurde nämlich ein Ideenwettbewerb für die Werbeagenturen vor Ort ausgeschrieben. „Doch die Jury konnte sich auf keinen Vorschlag einigen. Es hat keiner so richtig gezündet", erinnert sich das Stadtoberhaupt. Jeder fand etwas anderes schön.

So kam die Idee auf, es auf Schiene zwei zu probieren: bei der Hochschule. Die angehenden Grafikdesigner sollten eigene Vorschläge entwickeln – und so kamen tatsächlich noch einmal zwölf Varianten zusammen, teils „deutlich bunter", so Austermann.

Auch die Idee von Melanie Treptow war darunter: Etwas Stadtbildtypisches wird im rechten zweier Quadrate angeschnitten. Zunächst hatte die junge Frau ein Baudetail vom Rathaus dafür im Blick – am Ende wurde es aber doch der Klassiker: die Rose. Für Melanie Treptow, die nun den Auftrag hat, noch an dem Entwurf zu feilen, war das Ganze „Millimeterarbeit". „Die Rose eine Nuance zu verschieben, verändert den ganzen Eindruck", bekräftigt die Studentin, die zum Logo ihre Bachelorarbeit schreiben wird.

Zwischenruf: Lemgoer Revolutiönchen

von Till Brand

Biedermeier lässt grüßen – aber bekanntlich hat auch das Konservative seine Anhänger. Der Entwurf zu einem neuen Lemgo-Logo, das auf Briefen Wiedererkennungswert garantieren soll, ist ein Ausdruck von „Weniger ist mehr".

Unter den Vorschlägen des Studentenwettbewerbs waren auch bunte, schnörkelreiche Ansätze. Doch der Jury, bestehend aus Politikern und hohen Verwaltungsmitarbeitern, wurde ausgerechnet bei dem Ansatz warm ums Herz, der am wenigsten mit dem Traditionellen bricht.

Viele werden fragen, ob das der große Wurf ist, ob das nun Geld kosten musste? Musste es sicher nicht, wobei der alte Wappenschild mit historischer Attitüde schon sehr angestaubt ist. Nun war die Gelegenheit günstig für ein Revolutiönchen nach Lemgoer Manier: ohne Bohei und Starallüren, mit Minibudget. Farbenpracht und Schnickschnack braucht die Stadt nicht – ihr steht die Nüchternheit gut.

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