Hilfskonvoi aus Lemgo startet nach Litauen

Marlen Grote

  • 0
Die Helfer von „Kinder in Not Lippe" rund um Jürgen Wattenberg (Fünfter von rechts). - © Marlen Grote
Die Helfer von „Kinder in Not Lippe" rund um Jürgen Wattenberg (Fünfter von rechts). (© Marlen Grote)

Lemgo. Ein Konvoi von acht Lastzügen ist Montagmorgen in Lemgo losgefahren. Die Ladung: Hilfsgüter und Spenden, die der Verein „Kinder in Not Lippe" gesammelt hat. Das Zeil: Die Region rund um die lippsiche Partnerstadt Kaunas in Litauen.

Jürgen Wattenberg bringt schon seit 26 Jahren Spenden in das osteuropäische Land. Dass es dieses Jahr acht Lastwagen geworden sind, freut ihn – auch wenn der Umfang der Lieferung gleichzeitig eine Herausforderung ist. Denn die 13 ehrenamtlichen Fahrer werden zwei Tage brauchen, bis sie überhaupt in Litauen ankommen – „und dann ist das sehr viel Arbeit", blickt Wattenberg auf das Ausladen der Sattelzüge.

Ein LKW mehr bedeutet auch eine Ladung Krankenhausbetten, Rollatoren, Fahrräder, Kleiderspenden und Spielzeug mehr, die an immer mehr Stellen verteilt und ausgeladen werden müssen. Dafür haben die Helfer acht Tage Zeit, dann folgt die Rückfahrt – wieder zwei Tage.

Bürgermeister Dr. Reiner Austermann verabschiedete die Helfer am frühen Morgen. „Ihr seid Botschafter unserer Stadt und Europäer im besten Sinne", gab er ihnen mit auf den Weg. Wegen der Wärme gab es diesmal nicht das übliche Lunchpaket für die Fahrer, sondern ein Trinkgeld, das vor Ort in frische Waren umgesetzt werden kann.

Eine Stärkung können die Ehrenamtler immer brauchen, denn schon vorab war viel zu tun. Sechs Tage haben die vielen Helfer gebraucht, um die Hilfsgüter in den Lastwagen zu verstauen – nach einem bewährten Konzept, bei dem jede Lücke zwischen den Möbeln und anderen sperrigen Gütern mit Säcken voll Kleidung und Spielzeug ausgestopft wird. Und davon haben die Lipper reichlich gegeben: Allein sechs Lastwagen voller Spielzeug waren bei der Aktion „Kinder geben Kindern" in der Vorweihnachtszeit zusammengekommen.

Information
Die Hilfe in Zahlen

Die acht Lastzüge transportieren etwa 120 Tonnen Hilfsgüter, darunter 150 Krankenhausbetten, 150 Matratzen, 120 Nachtschränke und eine halbe Tonne medizinisches Verbrauchsmaterial und Geräte. Dazu kommen 600 Schulstühle und 300 Schultische, sechs Tafeln, 130 Schreibtische, Schränke und Rollcontainer, 200 Fahrräder und etliche Kinderwagen. Rund 5.500 Säcke und Kartons mit Kleiderspenden in Kinder- und Erwachsenengrößen sowie 150 Kubikmeter Spielzeug und weitere Kinderkleidung füllen die Lücken zwischen den Möbeln.




Überhaupt lebt die Aktion davon, dass ganz viele ihren Teil beitragen. Indem sie mit anpacken, Sachen oder Geld spenden oder die nötige Infrastruktur bereitstellen. So bekommt Jürgen Wattenberg für seine Touren immer günstige Konditionen beim Autoverleih Stolte, der einen Großteil der Fahrzeuge stellt – ergänzt in diesem Jahr durch zwei Lastwagen der Blomberger Firma „Daniela Möbel und Transporte", die der Verein ebenfalls zu einem günstigen Preis nutzen kann.

Die Fahrer investieren ihren Urlaub. Der Kreis Lippe unterstützt den Verein mit den nötigen Papieren. Manche Hilfe wird auch vor Ort organisiert: „Die Windeln für den deutschen Markt werden zu einem Großteil in Polen produziert, die bekommen wir direkt von dort", erklärt Wattenberg.

Ganz kostenneutral ist so ein großer Transport trotz allem nicht, und so setzt das Geld dem Engagement am Ende doch Grenzen: Die Sachspenden hätten sogar zehn Sattelzüge füllen können, aber das sprengte die finanziellen Möglichkeiten, teilt Jürgen Wattenberg mit. So füllen sich die Lager schon jetzt für den Transport im Jahr 2019.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!