Lemgo. Oliver Dreweskracht ist ein Macher. Einer, der immer wissen will, wie es besser funktionieren könnte. Das treibt ihn an und hat ihn zu seinem Startup geführt. Mit Flyclean Germany rückt er per Drohne Dächern und Fassaden an den Schmutz. Die Tochter war es, die den 44-Jährigen auf die Idee gebracht hat. Die ist Lackiererin und Malerin und erzählte vom Fassadenreinigen, das meist überaus unangenehm sei. Ob mit Gerüst oder Leiter, oftmals bleibe sie nach solchen Arbeiten nass und verdreckt zurück. Und dann war da noch der Freund, der ins Homeoffice übersiedelte, weil die Reinigung der Außenhalle zu laut fürs Arbeiten war. Oliver Dreweskracht hörte zu und irgendwann machte es Klick, schlug sein Tüftler-Gen an. „Das muss doch besser zu machen sein.“ Neun Kilo wiegt der fliegende Mitarbeiter Und dann ging es richtig los. Er kündigte die feste Anstellung als Hochbautechniker und machte sich an die Arbeit. Ein gutes halbes Jahr probierte und bastelte er herum. Seine Idee: Drohne und Hochdruckreiniger im Einklang zum Putzen zu bringen. Er schweißte, klebte, laserte, probierte unterschiedliche Materialien aus, druckte am 3D-Drucker aus - bis viele Abstürze und geschrottete Drohnen später der Brutto-Typ fertig war. Eine neun Kilo schwere Drohne mit einem Meter Spannweite, vier Rotoren und einer Lanze, die per Hochdruck horizontal und vertikal spritzen und pusten kann. Auf 90 Meter bringt es die Drohne, die - verbunden über einen extra leichten Schlauch - Reinigungsmittel und Wasser verspritzen und die Fläche anschließend mit Luft per Hochdruck trocken pusten kann. 1000 Quadratmeter Fläche schaffe eine Drohne pro Tag, erzählt der staatlich anerkannte Hochbautechniker, damit sei sie die deutlich schnellere und günstigere Alternative zum herkömmlichen Putzverfahren. Seit Ende April ist er mit seinem Startup Flyclean Germany auf dem Markt und das Geschäft laufe besser an als erhofft. „Viel auch über Mund-Propaganda“, wie der Unternehmer berichtet, während er seine Drohne per Fernbedienung an der Fassade eines Betriebes am Bauhof hochsteigen lässt - und stößt damit gleich auf Interesse. „Was ist das denn Geiles? “, kommentiert ein Passant erstaunt, um von Oliver Dreweskracht mehr über Startup und Technik zu erfahren. Wände, Wintergärten, Fenster, Dächer und Photovoltaikanlagen oder auch Denkmäler, halt alles, was schwer zugänglich ist, könne er per Drohne reinigen, ob für Unternehmen oder Privatleute. Viel Geld verschrottet Und ja, das Ganze sei natürlich mit Risiken verbunden, schließlich habe er den sicheren Job aufgegeben, um seine Ideen zu verwirklichen. Gut 100.000 Euro habe ihn allein die Entwicklungsphase gekostet und zehn der kostspieligen Drohnen habe er wohl geschrottet. „Die Schwierigkeit war vor allem, den Armausleger so zu gestalten, dass die Drohne im Gleichgewicht bleibt.“ Und als sei das nicht Herausforderung genug, habe ihn die Bürokratie darüber hinaus fast in den Wahnsinn getrieben und die unzähligen Anträge ihn bis zum Bundesluftfahrtsamt geführt. Immer wieder sei er bei der Entwicklung an seine Grenzen gekommen, sei in der Planung zurückgeworfen worden und habe doch weitergemacht, denn „wenn du das nicht aushältst, solltest du dich nicht selbstständig machen“. Zwölf Jahre war der zweifache Vater bereits selbstständig, ist dann mit der selbst entwickelten Sicherheitstechnik für den Feuerungs- und Schornsteinbau als fest Angestellter zu einem Unternehmen gewechselt. Jetzt will er es noch einmal wissen - und der Erfolg der ersten Wochen scheint ihm recht zu geben. Einen Mitarbeiter beschäftigt er bereits, doch der Liemer strebt noch Größeres an: Als Franchise-Unternehmen möchte er Flyclean Germany etablieren. Auch, wenn es fürs Patent nicht gereicht hat: „Die Grundtechniken waren ja schon bekannt.“