Nach Fall in Lügde: NRW-Familienminister 
Fordert härtere Strafen für Kindesmissbrauch

Lothar Schmalen

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Prävention verbessern: NRW-Familienminister Joachim Stamp. - © dpa
Prävention verbessern: NRW-Familienminister Joachim Stamp. (© dpa)

Lügde-Elbrinxen. Mit mehr als 1.000 Einzelfällen rechnet die Polizei. Erst Ende der Woche hatte sich die Zahl der bekannten Opfer auf 29 erhöht. Nun äußert sich NRW-Familienminister 
Joachim Stamp (FDP) sich zum Missbrauchsskandal in Elbrinxen.

Herr Minister, die Arbeit der Jugendämter ist durch den Missbrauchsfall im Kreis Lippe in den Fokus geraten. Sind die Jugendämter personell und fachlich ausreichend ausgestattet?

Joachim Stamp: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wie viel Personal für den Kinderschutz eingesetzt wird, ist eine Entscheidung des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe, also des Kreises oder der Stadt. Die Zuständigkeit für die Jugendämter liegt bei den Kommunen. Wir müssen aber systematisch vorgehen und analysieren, wo Defizite bestehen. Dazu gehört auch zu überprüfen, wie die Personalbedarfe vor Ort sind – darüber werden wir mit den Kommunen sprechen.

Was halten Sie von der Forderung nach einem NRW-Landesbeauftragten für Kindesmissbrauch?

Stamp: Zunächst muss der widerliche Missbrauch an den Kindern schonungslos aufgeklärt werden. Das ist zunächst Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaft. Danach müssen wir prüfen, was wir strukturell verändern. Der Einsatz eines Landesbeauftragten gegen sexuelle Gewalt an Kindern kann eine Variante sein. Denkbar wäre auch eine dauerhafte Kommission, die von Land und Kommunen besetzt wird und als Ansprechpartner fungiert. Das möchte ich mit Experten erörtern und ein Ergebnis nicht vorwegnehmen.

Pädophilie und Kindesmissbrauch werden auch immer wieder in Zusammenhang mit der Internetverbreitung von Kinderpornographie und den Chatrooms, in denen sich Kinder aufhalten, gebracht. Sehen Sie hier Handlungsbedarf?

Stamp: Es ist unsere Aufgabe, ganz genau zu überprüfen, ob und wenn welche rechtlichen Regelungen verbessert werden müssen, um Kinder besser vor Pädophilen und Kriminellen zu schützen.

Was kann die Politik sonst noch tun, um den wachsenden Missbrauch von Kindern einzudämmen?

Stamp: Wir brauchen einerseits eine stärkere Sensibilisierung beim Thema sexuelle Gewalt an Kindern. Die Präventionsarbeit muss verbessert werden. Kinder brauchen Ansprechpartner, denen sie sich anvertrauen können. Ich bin persönlich auch der Meinung, dass wir prüfen müssen, das Sexualstrafrecht erheblich zu verschärfen. Sexueller Missbrauch zerstört oftmals ein ganzes Leben. Das muss meiner Meinung nach auch durch das Strafmaß entsprechend abgebildet werden, auch beim Konsum von Kinderpornographie.

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