Oerlinghausen. Mit einem Befehl für Hunde hat der Name dieser Pflanze gar nichts zu tun. Beifuß geht zurück auf das althochdeutsche Wort "biboz" oder "bivot". Das bedeutet schlagen oder klopfen, erklärt die Kräuterpädagogin Susanne Weihsbach aus Lippereihe. Und sie weiß, was Beifuß mit dem germanischen Gott Thor zu tun hat.
Der Beifuß gehört zu den Ruderalpflanzen, ist also eine Pflanze, die Standorte liebt, die der Mensch überprägt und deren Bodengefüge verändert hat. Beifuß wächst häufig an Wegrändern, in Kiesgruben oder Steinbrüchen, an Bahndämmen, an Abhängen, an Schuttplätzen und an Böschungen.
Sein lateinischer Name ist Artemisia Vulgaris, er gehört zu der Familie der Korbblütler, wie auch die Chrysanthemen. Beide haben geschlitzte Blätter, die sich sehr ähnlich sehen. Die Blätter des Beifuß sind auf der Oberseite dunkelgrün, auf der Unterseite silbrig. "Blätter und Blüten riechen beim Zerreiben angenehm nach Zitrone", sagt Susanne Weihsbach. Sehr ähnlich ist der unauffällig wirkende Beifuß auch dem Wermut (Artemisia Absinthum). Doch Kenner wissen: Die Blätter des Wermuts sind dick und mit einem Flaum überzogen, was sie seidig-grau schimmern lässt. Wermut duftet schon nach leichter Berührung und schmeckt äußerst bitter.
Der Beifuß hat einen aufrechten, festen Stängel, oft braunrot gefärbt, und wird bis zu 1,5 Meter hoch. Viele Seitenäste entspringen dem Stängel, die sich weiter verzweigen. Die doppelt gefiederten Blätter laufen in einen spitzen Zipfel aus. Von Juli bis September erscheinen unscheinbare Blüten am oberen Ende. Die Blütenköpfe sind grau-filzig und haben kleine gelbe oder rotbraune, unscheinbare Blüten, die vom Wind bestäubt werden. Die Blüten produzieren Hunderttausende von Samen. Weihsbach: "Kein Wunder, dass es so viel Beifuß gibt."
Der Beifuß wird auch Donnerkraut, Sonnwendgürtel oder Thorwurz genannt. Mit dem Kraut wurden böse Geister ausgetrieben und ausgeschlagen. Thor, der germanische Donnergott, hatte einen Gürtel aus Beifuß (Megingjardr) und konnte damit angeblich seine Kraft verdoppeln, um Kämpfe und gefährliche Reisen zu überstehen. Der Gürtel musste am kräftigsten Tag des Jahres (Sommersonnenwende) geflochten werden. Der Beifuß gehörte zu den wichtigsten Sonnenwendkräutern. Besondere Heilkräfte wurden dem Gürtel aus Beifuß nachgesagt, wenn er im Johannisfeuer verbrannt wurde. Die Wurzel wurde als Amulett getragen.
"Im 18. Jahrhundert gebrauchte man den Beifuß so oft wie wir heute die Petersilie.", sagt Susanne Weihsbach. Es gibt Hinweise, dass die Pflanze im 19. Jahrhundert benutzt wurde, um Epilepsie zu heilen. Und auch in neuerer Zeit wird mit dem Beifuß als Mittel gegen Epilepsie geforscht.
Das Kraut kann von Juli bis September, die Wurzel im November gesammelt werden. Schwangere sollten Beifuß meiden, weil es eine wehenfördernde Wirkung hat.
In der traditionellen Chinesischen Medizin werden an den Körpermeridianen die Beifußzigarren (Moxa) abgebrannt. Den Füßen kann der Beifuß ebenfalls helfen. Werden Blätter in die Schuhe gelegt, können die ätherische Öle die müden Füße beleben. In der Küche kommt Beifuß – getrocknet – als typisches Gewürz für Schweine- und Gänsebraten vor. Die Inhaltsstoffe sollen die Verdauung anregen.
Küche und Körper
Beifuß gehört traditionell zu jedem fetten Essen und besonders zu Gänse- und Schweinebraten, fettem Fisch (Karpfen, Aal), um die Fettverdauung anzuregen. Sehr sparsam eingesetzt würzt es die Kräuterbutter.- Beifuß-Aperitif: 1 Liter trockener Weißwein, 3 Stämmchen Beifuß, 3 Blätter Zitronenmelisse, 1 Pfefferminzblatt, 1 Esslöffel Honig. Die Kräuter in den Wein geben, 12 bis maximal 24 Stunden ziehen lassen, abseihen und den Honig einfüllen. In einer Flasche kühl aufbewahren. Der Aperitif ist appetitanregend, verdauungsfördernd und wirkt positiv auf Leber- und Gallentätigkeit.
- Gewürz für Schmalzbrote: 3 Esslöffel Beifuß, 1 EL Rosmarin, 1 EL Basilikum, 1 EL Thymian. Getrocknete Kräuter durch feines Sieb reiben, mischen. Passt zu Schmalzbroten, Käse, Eier.
Für einen guten Schlaf
- Kräuterkissen zur Beruhigung (jeweils zwei Hände getrocknete Kräuter): Waldmeisterblätter, Melisseblätter, Holunderblüten, Lavendelblüten, Kamillenblüten, Salbeiblätter, Beifuß-Fuß (Blütenknospen), Thymian (Blätter und Blüten), Wilder Dost (Blüten), etwas Pfefferminzblätter, nur etwas Wermut (Blütenknospen).
- Kräuter vermischen und zwei zerkleinerte Gewürznelken hinzugeben. Ein Nesselkissen füllen, mit einer Watteschicht umgeben und in einen Kissenbezug stecken.
- Beifuß-Fußbad: 3 Liter Wasser mit 2 Handvoll Beifußkraut kalt ansetzen und 5 Minuten aufkochen lassen. Abseihen, in eine Fußwanne geben, mit heißem Wasser aufgießen. Volksheilkundlich hilft das bei Unterleibsschmerzen, Verkrampfungen, kalten Füßen und Kopfschmerzen helfen.