Sekten-Führer aus Oerlinghausen in Uruguay verhaftet

Arno W. soll Kind missbraucht haben

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Oerlinghausen/Montevideo. Der Oerlinghausener Sektenguru Arno W. und dessen Lebensgefährtin und „Medium“ der Sekte, Julie R., sind in Uruguay von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes (BKA) und der dortigen Polizei festgenommen worden. Dem heute 60-Jährigen sollte im April 2007 vor dem Detmolder Landgericht wegen Kindesmissbrauchs der Prozess gemacht werden. Wenige Tage vor dem Termin verschwanden Arno W. und seine Lebensgefährtin aber.

Das Bundeskriminalamt hatte den Fall im April 2014 von der Detmolder Staatsanwaltschaft übernommen. Die BKA-Zielfahnder wurden eingeschaltet, als sich die Spur der beiden Gesuchten in Südamerika verlief. Letztlich wurden Arno W. und Julie R., die sich zusammen mit ihren Fluchthelfern in den letzten acht Jahren äußerst konspirativ verhalten hatten, in Uruguay aufgespürt. Sie hielten sich auf einem durch Sektenmitglieder finanzierten Anwesen auf. Beide wurden dem Haftrichter in Montevideo vorgeführt. Ihre Auslieferung nach Deutschland wird vorbereitet, teilte die Detmolder Staatsanwaltschaft mit.

Arno W. und Julie R. gelten als Führer einer Sekte, die unter dem Namen „Ramtha“ oder „Licht-Oase“ bekannt geworden ist. Den Mitgliedern wurden Erleuchtung sowie Aufstieg in göttliche Sphären versprochen. Die Ramtha-Sekte hatte ihren Sitz lange in Portugal. Dort soll Arno W. im Jahr 1994 die Schweizerin Lea Saskia Laasner Vogt missbraucht haben. Julie R. ist der Beihilfe angeklagt. Sie soll das Mädchen manipuliert haben, damit diese sich gegen die sexuellen Übergriffe nicht wehrt, außerdem soll sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft zugeschaut haben.

Das Opfer war damals 13 Jahre alt. Zusammen mit dem Sektenforscher Hugo Stamm hat Lea Saskia Laasner Vogt über ihr Schicksal ein Buch geschrieben. Ihre Eltern waren dem Endzeitkult „Licht-Oase“ verfallen. Erst im Alter von 21 Jahren gelang Lea die Flucht aus dem mittelamerikanischen Staat Belize, wo sich die Sekte damals aufhielt.

Für die Detmolder Staatsanwaltschaft ist es ein großer Erfolg, nach acht Jahren der Suche eine Festnahme verbuchen zu können. "Wie lange die Auslieferung aus Uruguay dauert, können wir noch nicht sagen", sagte Staatsanwältin Ernst auf LZ-Anfrage. Den beiden Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen. Der Guru muss bei einer Verurteilung mit einer Haftstrafe von mindestens zwei Jahren rechnen. Auch eine Beihilfe kann zu einer Haftstrafe führen, sagte die Staatsanwältin.

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