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Oerlinghausen

Bier und Eis kommen im Lokal „Leierkasten“ mit der Eisenbahn

Oerlinghausen. Manfred Opitz und Heinrich Müller sitzen unterm Sonnenschirm vor dem „Leierkasten" in der Südstadt. Zwei kühle Bierchen, die wären jetzt perfekt. Und da kommen sie auch schon. Mit der Eisenbahn. Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Denn Betreiber Jürgen Voss ist ein echter Tüftler.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte der 53-Jährige das „New-Oerli’ns" an der Hauptstraße in der Altstadt geschlossen und Anfang November den „Leierkasten" mit einem neuem Konzept am Stukenbrocker Weg eröffnet. Musik der 1950er über die 90er Jahre bis heute läuft hier. Es gibt eine kleine Tanzfläche, besondere Biere und Speisen. Seit Mitte April fährt nun auch die selbst konstruierte Bierbahn ihre Runden – natürlich im Modellformat.

Vollautomatisch: Kaum ist das Bierglas unter dem Zapfhahn angekommen, wird es befüllt. Die Eisenbahn nimmt es auf einem ihrer Anhänger mit nach draußen in den kleinen Biergarten. Fotos: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Vollautomatisch: Kaum ist das Bierglas unter dem Zapfhahn angekommen, wird es befüllt. Die Eisenbahn nimmt es auf einem ihrer Anhänger mit nach draußen in den kleinen Biergarten. Fotos: Karin Prignitz (© Karin Prignitz)

Gast Manfred Opitz hatte in der Nähe von Cuxhaven eine Gaststätte mit einem Seilbahn-Service entdeckt und Jürgen Voss davon berichtet. Der hatte parallel dazu bereits die Idee für seine besondere Bewirtung. Der einstige Modellbauer ersteigerte im Internet eine Lok aus dem Jahr 1968, die früher im Original in der Steiermark gefahren ist, zusammen mit den passenden Waggons. „Ich wollte etwas Besonderes haben", erzählt Voss. Wichtig war, dass die Bahn groß genug ist, um darauf Gläser transportieren zu können.

Voss baute das Grundfahrgestellt so um, dass es passt und konstruierte eine stabile, zehn Meter lange Rampe vom Innern der Bar bis zu den Tischen im Außenbereich zur „Endstation Oerlinghausen-Süd". Vorrichtungen für die Gläser, für Eiswaffeln und Pappschalen folgten.

In einer Höhe von 1,50 Metern setzt sich die Bahn, begleitet von kleinen Rauchwölkchen, leise in Bewegung. Über eine fiktive Brücke geht es durch einen Tunnel, der die Kumsttonne mit einer wehenden Schützenfahne darstellt, mit der Fracht zu den Gästen. „Die Schienen habe ich zum Teil selbst gebaut, weil der Radius zu groß war", berichtet Voss von den aufwendigen Vorarbeiten. Eine weitere Besonderheit: Steht ein Bierglas unter dem Zapfhahn, löst automatisch ein Kontakt aus und das Glas wird gefüllt.

Jürgen Voss hat dafür eigens eine Handy-App umkonstruiert, über die der Befehl zum Füllen erfolgt. Bier, Bratwurst und Eis können derzeit transportiert werden. Bald soll das auch mit anderen Getränken möglich sein. Daran tüftelt Jürgen Voss derzeit noch. „Ich war fasziniert", erzählt Manfred Opitz vom ersten Erlebnis mit der Bier-Eisenbahn. „Sie tuckert los und kommt kurze Zeit später wieder." So etwas sei wohl einmalig, vermutet der Südstädter. Jürgen Voss hat sich erkundigt und herausgefunden, dass es Vergleichbares zumindest in Nordrhein-Westfalen wohl nicht gibt.

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