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Oerlinghausen

Zwei Südstädter helfen bei Weltrekord im Fallschirmspringen

Oerlinghausen. Als Friseurmeister ist Andreas Wolf dafür zuständig, dass die Frisur perfekt sitzt. Doch in seiner Freizeit gehen er und seine Mitstreiter wortwörtlich in die Luft. Der 50-Jährige ist leidenschaftlicher Fallschirmspringer und hat jetzt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Rudolph einen ganz besonderen Sprung bewältigt.

In der böhmischen Kleinstadt Klatovy waren die beiden Südstädter am 11. August Teil der nationalen „Sequential“-Formation. 83 erfahrene Springer aus ganz Deutschland bildeten am blauen Himmel über Tschechien eine große Figur, die während des freien Falls vier Mal variiert wurde. Die deutschen Fallschirmspringer können viele Erfolge vorweisen. „Aber so eine Formation zu fliegen, das hat noch keiner geschafft“, bestätigt Andreas Wolf.

Luftakrobatik also, die einmalig ist. Beinahe wäre sogar noch eine fünfte Figur geglückt. „Nur fünf Sekunden Freifallzeit haben gefehlt.“Die beiden Oerlinghauser hatten ihre Position im inneren Kern der bunten Himmelsfigur. Die Erfahrung vieler Tausender Sprünge hat ihnen gezeigt: „Wenn einer nicht mitspielt, funktioniert es nicht.“ Jede Sekunde zählt, jeder einzelne Springer muss ganz genau wissen, wem er die Hand reicht und an welcher Position er anzudocken hat.

Nur eine kleine Unaufmerksamkeit, und schon ist der Traum ausgeträumt. Diesmal funktionierte alles perfekt. Obwohl die Luft beim Absprung in 5.000 Meter Höhe reichlich dünn ist. „Aber mit Sauerstoffzufuhr ist das zu meistern.“ Andreas Wolf zeigt Bilder aus dem Flugzeug. Weiße Schläuche hängen an der Seite. Hochkonzentriert warten die Mitglieder der größten deutschen Nationalmannschaft auf ihren Einsatz.

„Wir sind mit vier Flugzeugen hochgeflogen“, berichtet Kerstin Rudolph. „Man achtet auf die Führungsmaschine.“ Wenn dort die Ersten springen, müsse es „zack zack hintereinander weg“ gehen, damit der Abstand nicht zu groß wird. „Wie kleine Ameisen aus dem Flieger“, so müsse es wohl von der Erde aus aussehen, glaubt die 48-Jährige. 

Andreas Wolf, der einen Friseursalon an der Adolf-Sültemeier-Straße betreibt, hat im Jahr 1988 mit dem Fallschirmspringen begonnen, „und davor schon zwei Jahre beim Militär“. Anfangs mit Zwillingsbruder Frank, später alleine. „Mittlerweile habe ich 3053 Sprünge“, erzählt der Bergstädter. Kerstin Rudolpf springt seit 2004. 1300 Mal hat sie sich aus dem Flugzeug fallen lassen und ihre Leidenschaft mittlerweile auch an Tochter Kim (23) weitergegeben.

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