18-Jähriger gesteht Schüsse auf Schwalenberger Flüchtlingsheim

Ein Jugendlicher schießt nach einem Trinkgelage mit einem Luftgewehr auf die Fenster einer Asylbewerberunterkunft

Erol Kamisli

Tatort: Auf diese Asylbewerberunterkunft in Schwalenberg (Kreis Lippe) hatte der 18-Jährige im April dieses Jahres mehrere Schüsse abgegeben. - © Archiv: Marianne Schwarzer
Tatort: Auf diese Asylbewerberunterkunft in Schwalenberg (Kreis Lippe) hatte der 18-Jährige im April dieses Jahres mehrere Schüsse abgegeben. (© Archiv: Marianne Schwarzer)

Schieder-Schwalenberg. Sieben Mal hat ein 18-Jähriger mit einem Luftgewehr auf drei Fensterscheiben einer Flüchtlingsunterkunft in Schieder-Schwalenberg im Kreis Lippe geschossen. In der Unterkunft leben 40 Menschen – verletzt wurde bei dem Angriff niemand.

Kurz nach seiner Verhaftung räumte der 18-Jährige aus Blomberg die Schüsse ein, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag fielen. Nach einem Trinkgelage mit zwei Kumpels sei er alleine losgezogen, um Flüchtlingen mit dem Luftgewehr Angst einzujagen, teilte die Polizei mit. Als weiteres Tatmotiv habe er „Frust über die Kriminalität der Zuwanderer genannt", heißt es weiter.

Der 18-Jährige, der kurz nach der Tat verhaftet werden konnte, sei kein Rechtsradikaler oder Mitglied einer rechten Organisation, sondern in der Vergangenheit wegen Drogendelikten aufgefallen, erklärte Polizeisprecherin Hella Christoph. In der Vernehmung habe der Blomberger ausgesagt, er hätte niemanden verletzen wollen, doch er habe einfach nur Glück gehabt, dass zur Tatzeit kein Flüchtling hinter der Scheibe gestanden habe.

Kopfschütteln bei Abdelhakim Bellar, der seit Februar in der Einrichtung als Übersetzer arbeitet: „Der Vorfall hat den Menschen, die teilweise aus Kriegsregionen geflohen sind, natürlich einen großen Schrecken eingejagt", sagte Bellar. Die Einschüsse samt klirrender Fensterscheiben hätten zwei Bewohner gehört, der Rest der Bewohner habe geschlafen. Doch am nächsten Morgen, als die sieben Einschusslöcher an den drei Fenstern zu sehen waren, habe er eine große Verunsicherung bei den Bewohnern wahrgenommen. „Einige der Asylbewerber fühlen sich seitdem bedroht", so Bellar.

Die Verunsicherung kann ein Nachbar, der anonym bleiben möchte, gut verstehen: „Erst vor ein paar Wochen sind im Umfeld der Unterkunft Rauchkartuschen gezündet worden."
Er habe dies alles bisher unter „Jugendstreiche" eingeordnet, doch mit Schüssen sei eine Grenze überschritten worden. „Man kann doch Menschen, die vor Krieg flüchten, nicht mit einem Gewehr angreifen."

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