Kohlstädter Familienunternehmen bietet Kostüme für jeden Anlass

Manfred Brinkmeier und Sabine Hergemöller

  • 0
Schwerer Samt, weißer Satin und aufwändig gestickte Goldlitzen kennzeichnen eines der kostbarsten Kostüme in Kohlstädt. Ulrich Drawe schlüpfte für die LZ in das Prinzenkostüm. - © Sabine Hergemoeller
Schwerer Samt, weißer Satin und aufwändig gestickte Goldlitzen kennzeichnen eines der kostbarsten Kostüme in Kohlstädt. Ulrich Drawe schlüpfte für die LZ in das Prinzenkostüm. (© Sabine Hergemoeller)

Schlangen-Kohlstädt. Karneval steht vor der Tür und damit auch die Suche nach dem passenden, außergewöhnlichen und aufsehenerregenden Kostüm. Eine Möglichkeit, um an ein solches Outfit zu kommen, ist der Drawe-Kostümverleih in Kohlstädt.

Das Leben nimmt manchmal seltsame Wege. Als Ulrich Drawe aus Fütig in Extertal seine Juliane aus Kohlstädt in den 1970er-Jahren kennen lernte, ahnten beide noch nicht, dass sie Jahre später ihr Brot damit verdienen würden, Menschen mit ausgefallenen Kostümen in Feierlaune zu versetzen.

Links zum Thema

200 Meter von Julianes Elternhaus entfernt, Am Kuhlhof 3 in Kohlstädt, führen die zwei auf rund 250 Quadratmetern einen gut sortierten Kostümverleih mit etwa 6.000 unterschiedlichen Modellen. Seit 1975 besteht das Familienunternehmen, das der Sohn einmal übernehmen soll. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt von der Gastronomie zum Getränkehandel mit Verleih von Hüpfburgen und Festzelten.

Nachfrage explodierte über Nacht

Vor knapp zehn Jahren richtete das Ehepaar auf Wunsch seiner Kunden zusätzlich eine kleine Ecke mit ein paar Kostümen ein. „Wir hätten nie damit gerechnet, aber die Nachfrage ist damals quasi über Nacht explodiert", staunt Ulrich Drawe noch heute über den anhaltenden Erfolg.
Das Geheimnis hierfür vermutet Drawe darin, dass in Kohlstädt fast keine billig geschneiderten, Karnevalskostüme angeboten werden. Dicht an dicht würden auf den langen Reihen von Kleiderständern vielmehr hochwertige Roben hängen. Kunden würden sie sie auf Prunksitzungen tragen oder als Entertainer auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Das Jack-Sparrow-Piraten-Kostüm - © Sabine Hergemoeller
Das Jack-Sparrow-Piraten-Kostüm (© Sabine Hergemoeller)

Neben echten Lederhosen und schicken Dirndeln finden sich Abba-, Gottschalk- und Superhelden-Kostüme, glitzernde, paillettenbesetzte Sakkos, ebenso wie eine kleine Auswahl an eleganten Abendkleidern. Am beliebtesten sind authentische 1950er- bis 1970er-Jahre-Kostüme mit echten Petticoats, gefolgt von mittelalterlichen, teils schlichten, teils aufwendig gold- und brokatbesetzten Gewändern. Der Bestseller, verrät Drawe, ist das Jack-Sparrow-Piraten-Kostüm. Nur die Donald-Trump-Maske habe bisher zu seinem Erstaunen noch niemand haben wollen.

Die Konfektionsgrößen der Gewänder reichen teilweise von XS bis 4XL – S bis XL sind Standard. „Alles, was Sie hier finden, muss gut waschbar sein", erklärt Drawe. Und das hat seinen Grund. „Gerade kam ein echter Frack samt Hemd, Weste und Fliege von einer Silvesterfeier zurück, der in die Reinigung muss. 20 bis 30 Euro kostet so etwas pro Anzug oder Kostüm."

Ein Frack für den Wiener Opernball

Die Kunden des Kohlstädter Familienunternehmens kommen sogar aus dem Sauerland hierher. Oft werden Kostüme für Themenpartys gesucht. „Mindestens dreimal ist ein Frack von uns beim Wiener Opernball gewesen. Einer hat hier einen Smoking ausgeliehen, um damit nach Monte Carlo ins Spiel-Casino zu fahren", erinnert sich Drawe.

An massiven Ritterrüstungen und Helmen vorbei führt der Weg ins Allerheiligste, das umfangreiche Lager. „Was wir nicht vorrätig haben, können wir meist innerhalb von 24 Stunden besorgen. Diese Sachen bekommen Sie so gar nicht, das geht nur über besondere Händler".

Mit denen ist Drawe so gut vernetzt, dass Änderungsvorschläge von ihm gelegentlich sogar in deren Kollektion einfließen. Auch Theater und Freilichtbühnen wie die in Bellenberg gehören zu Drawes Stammkunden: „Die haben zum Beispiel eine echte Polizei-Uniform bei uns gekauft. Die bekommt aber nicht jeder, denn dafür braucht man eine Unbedenklichkeits-Bescheinigung, damit kein Unfug angestellt wird."

Landestheater legt eine Pause beim Kostümverkauf ein

Eine Institution, an die sich die Lipper immer wieder gerne wenden, wenn es um das Thema Kostüme geht, ist das Landestheater Detmold. Allerdings gibt es hier keinen Kostümverleih, wie Elke Grönebaum, Assistentin des Intendanten Kay Metzger, gestern auf Anfrage erklärte. „Was wir allerdings anbieten, ist ein Kostümverkauf.

Der findet üblicherweise im Zeitraum Januar und Februar – also vor Karneval statt. Und damit bin ich schon bei der schlechten Nachricht für alle Jecken: In diesem Jahr gibt es nämlich keinen Kostümverkauf." Und den Grund nennt Elke Grönebaum auch gleich hinterher: „Der Verkauf ist 2016 nämlich sensationell gut gelaufen. So gut, dass wir nun Sachen verkaufen müssten, die wir für unsere Produktionen dringend selber brauchen. Und das geht natürlich nicht. Deshalb müssen wir Interessenten auf das nächste Jahr vertrösten – so leid es uns auch tut."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!