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Schlangen

Der Schlänger Künstler Hans Kanngießer öffnet am Wochenende sein Atelier

Im Hintergrund sein Werk "Kommunikation im Heinz-Nixdorf-Forum". Dazu hatte ihn ein Menschenauflauf inspiriert. 143 Figuren hat er eingearbeitet, Menschen, die er nicht kannte. Deshalb haben sie kein Gesicht. - © Foto: Gallisch
Im Hintergrund sein Werk "Kommunikation im Heinz-Nixdorf-Forum". Dazu hatte ihn ein Menschenauflauf inspiriert. 143 Figuren hat er eingearbeitet, Menschen, die er nicht kannte. Deshalb haben sie kein Gesicht. (© Foto: Gallisch)

Schlangen (aga). "Kunst hat etwas mit Gestalten zu tun", sagt Hans Kanngießer. Dabei gehe es nicht allein um das zentrale Objekt eines Werks, sondern der Hintergrund müsse ebenfalls gestaltet werden: "Der Hintergrund gehört zum Bild."

Doch in den Werken des 1936 im Thüringischen Bodenrode geborenen und in Schlangen lebenden Künstlers findet sich auch immer ein emotionaler Hintergrund. "Die ganze Kunst ist Emotion", ist der 76-Jährige überzeugt. Ob es nun sportliche Motive sind wie im "Kampf ums Leder" oder auch die vielen urbanen Landschaften, denen er mit seiner Technik der "schneidenden Linien" eine ganz besondere Note verleiht.

In "Hänsel und Gretel verirrten sich…" lässt er in einer zum Bild gewordenen Kritik am heutigen Konsumverhalten die beiden Protagonisten fast gänzlich in einem aus Häusern, aber auch Bäumen erzeugten Labyrinth verschwinden. Seine "schneidenden Linien" verbinden dabei ein im Vordergrund stehendes Motiv mit dem Hintergrund. Begleitet vom Spiel mit Licht und Schatten entstehen aus dem Ineinander von Vorder- und Seitenansicht immer kleinere Flächen im Werk. So entstehe, mit zusätzlichen Andeutungen, eine "Metapher der Wirklichkeit" und kein Abbild derselben.

Nach dem Abitur 1955 in Heiligenstadt zog es Hans Kanngießer nach Paderborn. Im Westen angekommen, musste er erfahren, dass sein in der DDR erworbenes Reifezeugnis hier keine Anerkennung fand. Der Weg zum Studium wurde ihm erst mit der sozialliberalen Bundesregierung unter Willy Brandt eröffnet. Begegnungen mit der Kunst der Moderne erlebte Hans Kanngießer erst in Paderborn. "Zu meiner Abiturzeit in der DDR galt alles nach dem Impressionismus als ‚Schmierfinkenkram’", erinnert er sich zurück.

Von Picasso hatte er bis dahin weder etwas gesehen, noch sei ihm der Name während der Schulzeit zu Ohren gekommen. Nachdem er zuvor in der Werbegrafik sowie mit Lehrauftrag Kunsterziehung an der Realschule Bad Lippspringe tätig war, begann Hans Kanngießer 1974 noch ein Studium in Kunst und Katholischer Religion in Paderborn. Auch, weil er schon immer einen Zusammenhang zwischen der Kunst und der Entstehung großer Kulturen beziehungsweise Religionen gesehen habe.

Parallel zum Studium hatte Kanngießer bis 1977 einen Lehrauftrag im Fachbereich Kunst der Universität/Gesamthochschule Paderborn. Anschließend war er als Dozent der Volkshochschule Paderborn für Malerei und plastisches Gestalten tätig. Seit 1988 ist er freischaffender Künstler mit eigenem Atelier im Schlänger Wohnhaus. Heute blickt er auf mehr als 100 Ausstellungen im In- und Ausland zurück.

Sein Werk "Superstar", zu dem ihn die zahlreichen Casting-Shows im Fernsehen inspiriert haben, präsentiert Hans Kanngießer zurzeit im Adam-und-Eva-Haus in Paderborn. Dort findet noch bis Sonntag, 9. Juni, die Begleitausstellung aller beteiligten Künstler an den Tagen des "Offenen Ateliers" des Paderborner Kunstvereins statt. Am 8. und 9. Juni öffnet Hans Kanngießer auch die Tür zu seinem Atelier.

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