Schlangen (ka). Mit welchen Augen sehen Kinder in Schlangen ihren Wohnort? Dieser Frage ist ein dreiteiliger Ferienkursus nachgegangen. Zum Star der Foto-Safari in und um Schlangen avancierte ein neugeborenes Kälbchen.
Wie viele Fotos Aliyah und ihre Freunde in den vergangenen Tagen geschossen haben, kann sie selbst nur vorsichtig schätzen: "Es dürften mehr als 1.000 gewesen sein." In der Sennerandgemeinde gibt es viel zu sehen und zu entdecken. Das Rathaus zählt zu den beliebten Foto-Motiven, ebenso die evangelische Kirche, Haus Fischer und die Fürstenallee.
Noch einmal treffen sich die acht Jungen und Mädchen im Schlänger Jugendzentrum Domino. Die Ausbeute ihrer Foto-Safari ist erstmals auf einer großen Leinwand zu sehen. Ein Bild reiht sich an das andere. Mal ist es ein leicht verschwommener Schnappschuss, ein anderes Mal eine detailreiche Landschaftsaufnahme. "Da waren wir am Ochsensee", erinnert sich Aliyah. Eine große grüne Wiese mit einem Meer aus Blumen hat die Acht- bis Elfjährigen offenbar besonders fasziniert. "Einige sehr schöne Panorama-Aufnahmen sind hier entstanden", freut sich Profi-Fotografin Frauke Heusener, die den Kursus begleitet.
Die Jungen und Mädchen arbeiten quasi ohne Vorgaben. "Wo und was genau sie fotografieren wollen, können sie selbst entscheiden", ergänzt Sonja Milz, Sozialarbeiterin im Jugendzentrum Oesterholz. Und so wird eines schon beim ersten flüchtigen Blick auf die vielen Bilder deutlich: Die acht ambitionierten Jung-Fotografen sehen Schlangen als großes Natur-Abenteuer.
Der Eindruck bestätigt sich eine Woche später beim nächsten Treffen, als die Gruppe zum Besuch eines Bauernhofes aufbricht. Edeltraud Kuhlmeier begrüßt die Kinder mit einer Nachricht, die sofort elektrisiert: "Ein Kälbchen hat bei uns soeben das Licht der Welt erblickt." Schnell ziehen die acht Kinder ihre kleinen Kompaktkameras aus der Jackentasche. Eine ganze Fotoserie widmen sie dem neuen Erdenbürger und seinen ersten, noch ungelenken Bewegungen. "Das war wirkliches Fotografen-Glück", meint Frauke Heusener und schmunzelt. "Ein kleines Kälbchen wird zum Star."
Heuseners Kursus ist seit zwei Jahren fester Programmpunkt im Schlänger Ferienprogramm. Drei heutige Teilnehmer sind von Anfang an dabei, darunter auch Aliyah. Von der Profi-Fotografin habe sie sich einiges abschauen können, betont die Elfjährige im LZ-Gespräch: "Anders als früher mache ich mir heute schon Gedanken, wie ich ein Motiv auswähle und in Szene setze."
Aliyah und ihre acht Mitstreiter hoffen, dass die Ergebnisse einmal einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dann könnte auch so mancher Erwachsener anschaulich nachvollziehen, mit welchen Augen die Kinder ihren Heimatort Schlangen sehen.