Kreis-Statistiker Udo Hötger über das „Integrierte Entwicklungskonzept“

Astrid Sewing

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Umgeben von Zahlen und Prognosen: Udo Hötger von der Statistikstelle des Kreises Lippe.  - © Preuss
Umgeben von Zahlen und Prognosen: Udo Hötger von der Statistikstelle des Kreises Lippe.  (© Preuss)
Kreis Lippe. Weniger Schulen, weniger Ärzte, weniger Ehrenamtliche - das Thema Demografie beschäftigt den Kreis Lippe. Am 3. November wird unter anderem mit Vertretern der Kommunen darüber diskutiert, wie Lippes Zukunft aussehen kann. Die LZ beleuchtet in den kommenden Wochen das Thema von verschiedenen Seiten. Sterben die Lipper aus? Udo Hötger: Natürlich werden die Lipper nicht aussterben! Schon vor über 2000 Jahren haben die Germanen bereits ums Überleben im Teutoburger Wald gekämpft, insofern wird es auch in Zukunft noch viele Lipper in unserer Region geben. Veränderungen gibt es aber. Nach der Baby-Boom-Zeit in den 1960er-Jahren setzte bereits einmal ein Rückgang ein. Durch den Zuzug aus Osteuropa und die deutsche Wiedervereinigung stieg die Bevölkerungszahl zwischen den Jahren 1987 bis 2000 von 319.221 um beinahe 46.000 Personen jedoch wieder stark an. Erst seit dem Jahr 2002 verzeichnen wir wieder einen kontinuierlichen Rückgang. Inzwischen werden 346.625 Menschen gezählt, was einem Minus von 5,3 Prozent entspricht. Wie entwickelt sich die Bevölkerung in den kommenden 20 Jahren? Hötger: Die Bevölkerungszahl wird bis 2030, soweit schauen wir erst einmal voraus, um etwa acht Prozent zurückgehen. Das sind etwa 28.500 Personen. Ein Vergleich der Bevölkerungsentwicklung der Kreise im Regierungsbezirk Detmold für den gleichen Zeitraum zeigt einige größere Unterschiede. Während die Kreise Herford, Minden-Lübbecke und Lippe annähernd gleich prognostiziert werden, kann das Oberzentrum Bielefeld, einschließlich des Kreises Gütersloh, davon ausgehen, dass sie keinen oder nur einen geringen Verlust haben werden. Kann man zwischen Stadt und Landgemeinden unterscheiden? Hötger: Innerhalb des Kreises Lippe bestehen große Unterschiede zwischen den Städten und Gemeinden. Wir können sehr deutlich beobachten, dass sich an den Rändern unseres Kreises die Bevölkerungszahlen positiver entwickeln als in den Gemeinden im Südwesten. Die größten Verluste (über 15 Prozent) werden für die Städte und Gemeinden im Süden (Schieder-Schwalenberg), Osten (Lügde) und im Norden (Dörentrup, Extertal, Kalletal) prognostiziert. Bis 2030 werden zwar auch die Zentren Lemgo, Bad Salzuflen, Detmold und Lage Einwohner verlieren. Doch hier ist die Veränderung relativ moderat. Lediglich in Augustdorf und Leopoldshöhe werden Zugewinne erwartet. Woher wissen Sie das eigentlich? Hötger: Bevölkerungsvorausberechnungen sind als reine Modellrechnungen zu verstehen. Annahmen zu den Geburten, Sterbefällen und Wanderungen bestimmten die demografische Entwicklung der vergangenen Jahre und werden in die Zukunft fortgeschrieben. Es wird errechnet, wie sich die Bevölkerungszahl und der Altersaufbau der Bevölkerung unter diesen Annahmen voraussichtlich entwickeln wird. Diese Berechnungen dürfen nicht als exakte Vorhersagen betrachtet werden, sie zeigen eine Tendenz. Von welcher Datenmenge reden wir? Hötger: Alleine die vermeintlich einfache Krankenstandstatistik schlägt sich mit rund 800.000 Datensätzen pro Jahr nieder. Die Gesamtdatenmenge in der Statistikstelle beläuft sich auf schätzungsweise 1,5 Milliarden Einzeldaten. Wann haben Sie damit begonnen, das „Integrierte Entwicklungskonzept für den ländlichen Raum“, das jetzt auf den Weg gebracht wird, mit Zahlen zu unterfüttern? Hötger: Der Kreis Lippe befasst sich seit mehr als 15 Jahren mit dem demografischen Wandel in den 16 Städten und Gemeinden des Kreisgebiets. Zunächst wurden die Erkenntnisse hauptsächlich für Planungszwecke (Kindergärten, Schulen, Jugendhilfe, Altenhilfeberichte, ÖPNV usw.) herangezogen. Der Gedanke eines gesamten ländlichen Entwicklungskonzeptes unter Einbeziehung der Konzepte der Städte und Gemeinden ist uns im Sommer dieses Jahres besonders bewusst geworden, da sich die Förderrichtlinien der Europäischen Union bis zum Jahr 2020 nur noch mit Gesamtkonzepten befasst.

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