Offener Chor in Lemgo wendet sich an über 60-Jährige

Judith Stracke

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Lippes Antwort auf die "German Silver Singers": Der lippische "Projektchor Ü 60" unter Leitung von Rolf Hammann (am Flügel) liegt voll im Trend. - © Judith Stracke
Lippes Antwort auf die "German Silver Singers": Der lippische "Projektchor Ü 60" unter Leitung von Rolf Hammann (am Flügel) liegt voll im Trend. (© Judith Stracke)

Lemgo. Nicht nur die Bevölkerung, auch Vereine werden älter. Und so manche Sängergruppe muss aufgeben, weil zuletzt immer weniger Mitstreiter da sind. In Lemgo gibt es mit dem neuen Projektchor „Ü 60“ ein Beispiel, wie es anders laufen kann.

„Singen macht Spaß, singen hält fit, singen kennt kein Alter“: So lautet das Motto des ersten lippischen Projektchores „Ü 60“. Die Aktion auf Initiative des Chorverbandes NRW soll Menschen über 60 Jahren zwanglos und ohne verpflichtende Mitgliedschaft zum Singen zusammen führen. Was in Lemgo augenscheinlich gelingt.

So füllt sich der Probenraum in Lemgo beim LZ-Besuch schnell. Die Chormitglieder kommen aus allen Teilen Lippes. „Unser Vorbild sind die ,German Silver Singers’, Deutschlands wohl erfahrenster Chor für ältere Semester“, meint Rudolf Wattenberg lächelnd, der angesichts des nahenden Ende „seines“ Männergesangvereins „Teutonia“ und nach mehr als einem halben Jahrhundert Mitgliedschaft seine Stimmgewalt in dem gemischten Projektchor unter Beweis stellt. Einfach locker gemeinsam singen ohne verpflichtende Mitgliedschaft läge im Trend, sagt der 79-Jährige. Oder wie seine Ehefrau Hanna bekennt: „Singen ist Balsam für die Seele. Es stärkt Lunge, Zwerchfell und Geist, macht Spaß und fördert Gemeinschaft. Was will man nur auf dem Sofa sitzen?“

Mittlerweile haben sich die munteren Senioren freudig vor Chorleiter Rolf Hammann in Stellung gebracht. Für den Mann mit der Engelsgeduld, so wie Hanna Wattenberg ihn beschreibt, ist der Projektchor eine besondere Herausforderung. Oder wie Wattenberg sich ausdrückt: „Wenn immer wieder neue Sängerinnen und Sänger dazu kommen und manche wieder wegbleiben, ist die Aufgabe für den Leiter zwar schwierig, aber nicht unlösbar, wie man hören kann.“ Hinzugekommen ist auch Inge Thölert. Die 73-Jährige sang einst im Kinderchor der „Kleinen Hanseaten“ und feierte ihr Comeback als Lippes Antwort auf die „Silver Singers“ nach den vielen Jahren, die sie sich der musikalischen Erziehung ihrer Kinder widmete. „Ein ?herrliches Gefühl und ein Glücksfall mit dem Chorleiter“, verrät sie, während Hammann die Generation „60 Plus“ humorvoll ermahnt, nicht zu lippisch zu singen. Und während das Eröffnungslied im Kanon angestimmt wird, bevor es an bekannte Schlager wie „Die kleine Kneipe“ oder auch „Über sieben Brücken musst du gehen“ geht, lächelt Inge Thölert: „Ich hatte schon fast vergessen, wie viel Freude Singen machen kann.“

Der Kreis erstellt ein Konzept zum demografischen Wandel in Lippe. Eine Auftaktveranstaltung mit Experten findet Anfang November statt. Die LZ beleuchtet das Thema in den kommenden Wochen von verschiedenen Seiten.

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